Die Voll- und Teilsperrungen der maroden Brücken in und rund um Köln beeinträchtigen den Verkehr bereits seit geraumer Zeit. Und die Vollsperrung der Bonner Nordbrücke Anfang Juni sowie die Einschränkungen an der A-4-Brücke am Eifeltor, die zeitweise für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt wurde, haben die Situation nochmals deutlich verschärft. Aus diesem Anlass hat die IHK Köln eine IHK-Impuls-Umfrage in Auftrag gegeben, an der sich aus dem gesamten Bezirk 1.012 Unternehmen beteiligt haben. Die Ergebnisse bestätigen, dass die Probleme mit den Brücken zum Standortrisiko werden und einen Verlust von Zeit, Planbarkeit und Geld zur Folge haben.
Aber die Probleme belasten die Unternehmen nicht nur lokal, sondern weit darüber hinaus, da z. B. durch die Vollsperrung der Bonner Nordbrücke eine zentrale Rheinquerung ausfällt, die die A 59 mit der A 565 in Richtung Koblenz verbindet. Die hat zur Folge, dass der anfallende Verkehr sich dadurch auf andere Autobahnen verteilt. Zudem sind eh schon stark belastete Straßen innerhalb Kölns, Kölner Rheinbrücken und Ausweichrouten noch stärker beeinträchtigt.
Tiefer Eingriff in die Arbeitsabläufe
Bei der IHK-Umfrage gaben rund 67 Prozent der befragten Unternehmen an, von der Vollsperrung der Bonner Nordbrücke direkt betroffen zu sein. Rund 57 Prozent berichten von Beeinträchtigungen durch die Einschränkungen an der Eifeltorbrücke. Konkret berichten zahlreiche Unternehmen, nämlich knapp die Hälfte, von Problemen bei Dienstfahrten, im Außendienst oder bei Einsätzen von Handwerkern. Über eine schlechtere Erreichbarkeit von Kunden oder Baustellen klagen mehr als vier von zehn Unternehmen, ebenso wie von Beeinträchtigungen bei der Tourenplanung, bei Lieferzeiten und bei Warentransporten.
Auch die Beschäftigten spüren Folgen der Einschränkungen, wie sechs von zehn Unternehmen angeben. Insbesondere bei den Fahrzeiten zeigen sich die Auswirkungen. So geben 78 Prozent an, dass es bei den Fahrten mindestens 15 Minuten Verzögerungen gibt, häufig sogar mehr. Das hat Auswirkungen auf die Verlässlichkeit, die Fahrten sind nicht mehr zuverlässig planbar.
Das zeigt, dass die Einschränkungen tief in die Arbeitsabläufe eingreifen. Über 30 Prozent der betroffenen Unternehmen sprechen von starken oder sehr starken und weitere 25 Prozent von mittleren Auswirkungen auf die Kosten und den Planungsaufwand. Alexander Felsch, Leiter des Geschäftsbereichs Interessenvertretung bei der IHK Köln, dazu: „Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal: Fehlende Verlässlichkeit im Verkehrsnetz kostet die Unternehmen jeden Tag Zeit, Geld und Planungssicherheit.“
Die Unternehmen versuchen, die Folgen mit erheblichem organisatorischem Aufwand zu reduzieren. 51 Prozent fahren andere Routen und setzen größere Zeitpuffer, 45 Prozent verlegen ihre Fahrten auf andere Uhrzeiten, knapp 25 Prozent schicken ihre Beschäftigten, falls möglich, ins Homeoffice. Auch wenn die Maßnahmen kurzfristig Wirkung zeigen, bleiben die Folgen sichtbar. Zusätzliches Personal, Fahrzeuge und längere Wege bleiben eine Belastung für Unternehmen, aber auch für sowieso schon stark belastete Verkehrswege.
Wirtschaft erwartet Geschwindigkeit und Verlässlichkeit
Um zügig die Probleme in den Griff zu bekommen, plädieren 70 Prozent der Unternehmen dafür, die Brücke am Eifeltor in Fertigteil- oder Modulbauweise neu zu bauen, und das noch in diesem Jahr. Eine bessere Abstimmung und transparentere Darstellung von Baustellen und Sperrungen wünschen sich 54 Prozent und 45 Prozent mehr Informationen und regelmäßige Updates zu den Neubauprojekten. Als besonders wichtig betrachten die Unternehmen verlässliche und frühzeitige Informationen und Hinweise zur Dauer von Sperrungen und Einschränkungen.
„Die Brückenprobleme sind längst zu einem erheblichen Risiko für den gesamten Wirtschaftsstandort geworden. Kurzfristig brauchen wir die enge Abstimmung aller Baustellen im Verkehrsnetz, belastbare Umleitungskonzepte und eine verlässliche Kommunikation“, so Alexander Felsch. Und ergänzt: „Die Unternehmen können und müssen derzeit Umwege organisieren – ein leistungsfähiges und verlässliches Verkehrsnetz war und ist aber klar die Aufgabe des Staates.“
Monika Eiden
