Aus Köln für die Welt kommt eine neue Behandlungsmethode für COPD. Umgangssprachlich wird COPD auch als „Raucherlunge“ bezeichnet – denn Rauchen ist eine der Hauptursachen für COPD. Ausgeschrieben bedeutet COPD „chronic obstructive pulmonary disease“ oder auch „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“. Dahinter verbirgt sich keine seltene Krankheit. Hunderte Millionen Menschen sind betroffen von Auswurf, Hustenreiz und wenn die Krankheit schlimmer wird, auch Sauerstoffunterstützung. Wir reden also auch über hohe Kosten für das System. Einen neuen Ansatz in der Therapie verspricht Stefan Kaszian mit der Firma LysiCorp, der das Thema aus persönlicher Betroffenheit angegangen ist.
Die Wirtschaft Köln: Herr Kaszian, COPD gilt als eine der unterschätztesten Volkskrankheiten weltweit. Wie verbreitet ist das Krankheitsbild aktuell – und was hat Sie persönlich dazu bewogen, sich diesem Thema zu verschreiben?
Stefan Kaszian: COPD ist keine seltene Krankheit. Weltweit sprechen wir von Hunderten Millionen Betroffenen, in Deutschland von mehreren Millionen – viele davon ohne klare Diagnose oder mit dem Gefühl: ‚Das ist eben Raucherlunge, da kann man nichts machen.‘ Genau das ist das Problem. Die Krankheit wird unterschätzt, weil sie schleichend kommt: Husten, Schleim, Kurzatmigkeit, dann immer weniger Belastungsfähigkeit.
Persönlich hat mich das Thema wegen der Erkrankung meines Bruders, der zwar kein starker, aber kontinuierlicher Raucher war. Zu erleben wie sein Zustand zunächst von Jahr zu Jahr, danach fast schon Monat für Monat immer schlimmer wurde, so dass, derzeit nur noch mit Sauerstoffgerät leben kann, hat mich stark mitgenommen. Ich habe mich gefragt: warum unternimmt man nichts dagegen, oder was hindert die Medizinwissenschaft daran, Lösungen für eine Heilung zu finden.
Es ist leider so, COPD ist unsichtbar, bis sie das Leben sichtbar kleiner macht.
Die Wirtschaft Köln: Viele Betroffene greifen täglich zu Spray oder Medikamenten. Warum stoßen die bisherigen Standardtherapien am Markt immer wieder an ihre Grenzen – und warum braucht es dringend ein Umdenken?
Stefan Kaszian: Derzeit ist nur Linderung möglich, durch Bronchodilatatoren temporär zu mehr Luft zu verhelfen, da sie die glatte Muskulatur in den Wänden der Bronchien entspannen. Ich fand das unbefriedigend und beschloss den Ursachen auf den Grund zu gehen. Es ist der Entstehungsmechanismus, der eine wirksame Medikation behindert, z.B. der durch die Schädigungen entstandene Biofilm verhindert das Eindringen medikativer Substanzen an die erforderliche Wirkstellen.
Das war ein guter Ausgangspunkt, damit konnten wir gut arbeiten. Daraus ist dann PulmoReset entstanden, kein weiteres Spray für den Akutfall, sondern als Ansatz, der Reinigung, Schutz und Regeneration zusammendenkt. Eine Therapievision, die tatsächlich helfen soll.
Inhalation gegen COPD?
Die Wirtschaft Köln: Ihr Ansatz verspricht hier einen echten Paradigmenwechsel. Was macht Ihre Methode anders als alles, was es bisher auf dem Markt gibt?
Stefan Kaszian: Die Lunge ist ein feinmaschiges Filtersystem. Die dauerhafte Schädigung der Alveolen, die körpereigene Immunabwehr erfordern ausgeklügelte Vorgehensweisen.
Unser Ansatz ist eine inhalative Kur, gedacht als 10-Tage-Protokoll, mit natürlichen, gut charakterisierten Wirkstoffen.
Der Unterschied liegt im Wie: Wir nutzen poröse Trägerstrukturen (MOF genannt), die den Wirkstoff sehr fein und gezielt dorthin bringen, wo er gebraucht wird – tief in die Atemwege. Erst Reinigung und Mobilisierung, dann Unterstützung von Schutz und Reparatur.
Das ist kein Ersatz für die ärztliche Therapie und kein Wundermittel. Es ist ein neuer Zugang: inhalativ, alltagstauglich – und so formuliert, dass er später auch über bewährte Inhalationssysteme funktionieren kann, statt ein komplett neues Gerät zu erzwingen.
Winzige, hochporöse Träger, die sich in den entzündlichen Bereichen der Lunge auflösen und so ihre Wirkstoffe freisetzen sind der Schlüsselmechanismus. Wirkstoffe gelangen geschützt genau dorthin, wo sie adäquat dosiert, wirken sollen und in ihrer abgestuften Wirkweise erst den Zugang und dann die Wirkung schaffen.
Wir brauchen nicht mehrMedikamente, sondern den richtigen Wirkstoff dort, wo er wirkt.
„KI hat massiv bei der Forschung unterstützt“
Die Wirtschaft Köln: Klassische Pharma-Forschung dauert oft Jahrzehnte und verschlingt Hunderte Millionen. Wie ist es Ihnen gelungen, selbst ohne riesigen Konzern-Apparat in so kurzer Zeit solche Fortschritte zu erzielen?
Stefan Kaszian: Es sind mehrere Aspekte aufzuführen: Der konzeptionelle Aspekt, der sich aus den Grundannahmen und der COPD-Pathogenese ableitet.
Der methodische Aspekt, der bei uns mit dem massiven Einsatz von KI-Technologien einhergeht. In einer ersten Phase mit der Entwicklung eines eigenen Modells (der noch ausgebaut werden muss) einer Lungen KI, basierend auf einer KI-Methodik, die wir zum Patent angemeldet haben. Wir sind hier noch am Anfang, bis zur Realisierung eines Digitalen Zwillings benötigen wir Unterstützung.
Der analytische Aspekt: wir haben uns die Frage gestellt, was brauchen wir, wofür und wie, und unvoreingenommene Antworten gesucht und gefunden. Dabei mit Einsatz von KI strömungstechnische Fragen geklärt, die Auswahl der MOF’s präzisiert, Simulationen durchgeführt, also eigentlich was „klassische Pharma“ auch macht. Wir haben uns aber nur auf diese eine Aufgabe fokussiert und Fragen der Deposition in der Lunge, bestehende, hochentwickelte Aerosoltechnik betrachtet (statt ein Gerät von Grund auf neu zu bauen) analysiert.
Der Umsetzungsaspekt: hier kreuzen sich unsere Wege, denn in diesem sensiblen Berich soll und muss alles mit der höchstmöglichen Sicherheit abgewickelt werden, und das steht noch an. Alle für eine Zulassung erforderlichen Tests sind eingeplant worden, jedoch ist die Durchführung zeit- und finanzaufwändig. Da unterscheiden wir uns nicht von Pharmaunternehmen.
Die Machbarkeit ist da
Die Wirtschaft Köln: Der medizinische Durchbruch ist das eine, die Umsetzung das andere. Wie sehen Ihre nächsten Meilensteine aus – und was brauchen Sie aktuell, um die Innovation auf die Straße bzw. zum Patienten zu bringen?
Stefan Kaszian: Gemeinsam mit einem in diesem Bereich weltweit aktivem CDMO (Auftragsfertiger) haben wir im Laufe der letzten Monate die Machbarkeit evaluiert und abgesichert, um eine realistische Kostenschätzung zu ermöglichen.
Jetzt muss der Übergang in die Umsetzung erfolgen, die Vorbereitung der Arbeiten an den für die Zulassung relevanten Aspekte beginnen, vollständiger Aufbau und Fertigstellung des spezialisierten Lungen KI-Modells, das beinhaltet natürlich auch die Vorbereitung und Training des Modells.
So bald als möglich soll das Produkt über den ersten, regulatorisch sauberen Weg zu den Menschen kommen, direkt zum Patienten und über Apotheken- und Klinikpartner. Parallel bereiten wir den Pfad für die klinische Zulassung vor.
Was wir brauchen: starke Partner in Zulassungsprozessen, Produktion, Qualität und Vertrieb – und Investoren, die die Dringlichkeit der Umsetzung genauso sehen wie wir, jeder Tag, der vergeht bedeutet ein weiterer Tag Leiden für die betroffenen, leider auch den unwiederbringlichen Verlust geliebter Mitmenschen.
Und nicht zu vergessen: die immensen Kosten, die mit dem ungelösten Problem der Erkrankung einhergehen.
Redaktion: Andreas Schnittker
