„Für uns gilt: Lage, Lage, Lage.“ Wenn Walid Nakschbandi so spricht, klingt er nicht wie ein Immobilienmakler, sondern wie jemand, der weiß, dass Orte Gedanken verändern können. Sein Büro liegt im fünften Stock des Deichmannhauses am Bahnhofsvorplatz. Blickt er aus dem Fenster, sieht er Dom pur. Es passt, dass die Stiftung dieselbe Postleitzahl hat wie die Kathedrale – aber auch wie die RTL-Soap „Köln 50667“. Denn auch das ist Köln. Zwischen Hochkultur und ungefiltertem Leben liegen oft nur wenige Meter.
Seit Januar 2024 führt Nakschbandi die Geschäfte der Stiftung, die zu den großen Förderhäusern Europas zählt. Er kam von der Holtzbrinck-Gruppe, wo er Jahrzehnte als Spitzenmanager unterwegs war – Fernsehproduktion, Buchverlage, Stationen in Palo Alto und Kapstadt. Zuhörer kann Nakschbandi buchstäblich mitnehmen. Er weiß seine Stiftung aus der richtigen Perspektive ins beste Licht zu setzen und beherrscht die Kunst, aus Förderbescheiden Geschichten zu machen. Das kommt nicht nur ihm, sondern Köln und dem Land NRW zugute.
Mehr als eine Adresse
Die Lage, von der Nakschbandi so gerne spricht, ist für ihn mehr als eine Adresse. Köln sei die Medienhauptstadt Deutschlands, in der in großer Breite produziert wird – von der Soap bis zum Arthouse-Kino, das mit Filmen wie „Toni Erdmann“ sogar bis nach Cannes und zu den Oscars reiste. Dazwischen liegt, was die Branche ausmacht: Fernsehen, Serien, Dokumentarfilm, Games, Podcasts.
Der Wechsel aus der Landeshauptstadt, wo die Stiftung lange im Medienhafen residierte, ging mit handfesten Änderungen einher. „Die Welt da draußen ist uns jetzt näher“, resümiert Nakschbandi – und meint auch Downsizing. Von drei Büroebenen auf eine, von 1.700 auf 1.100 Quadratmeter. „Wir verschenken jetzt keinen Raum mehr.“ Dahinter steht ein Anspruch. Für die Förderinstitution, die anderen Wirtschaftlichkeit abverlangt, gelten die gleichen Regeln. Kölsch ist das nicht.
Ein Euro wird zu 3,23 Euro
Unbestritten ist der wirtschaftliche Nutzen der Stiftung. Jeder Förder-Euro steht für 3,23 Euro Umsatz, mehr als zwei Drittel aller Fördermittel fließen in NRW-Projekte – das Geld bleibt also weitgehend im Land, bei Produktionsfirmen, Studios und Dienstleistern. Gefördert werden Kinohits wie der vierte Teil der „Schule der magischen Tiere“ ebenso wie Kultstoffe à la „Köln 75“, jener Film, in dem eine junge Frau gegen alle Widerstände den Pianisten Keith Jarrett in die Stadt holt, in der er sein legendäres „Köln Concert“ gibt. Größer kann die Spannbreite kaum sein, und das ist Programm. „Wir machen Filme, die sonst nicht möglich wären“, sagt Nakschbandi. „Den Film an der Kinokasse ebenso wie die Filme von Absolventen der Filmhochschule.“
Dass die Stiftung mehr ist als eine Auszahlungsstelle, zeigen die Zahlen des vergangenen Jahres: In 45 Veranstaltungen und Kooperationsprojekten begrüßte sie 2025 rund 6.000 Gäste und Teilnehmende – von regionalen Initiativen bis zu internationalen Formaten, von Netzwerkabenden über Preisverleihungen bis zu Messeauftritten und inhaltlichen Panels. Nakschbandis knappe Selbstbeschreibung: „Wir sind ein Booster.“
Die Welt vor der Haustür
Mit 14 Jahren kam der Sohn eines afghanischen Diplomaten nach Deutschland, machte in Solingen Abitur und fuhr schon damals regelmäßig nach Köln. „Es war die coolere Stadt“, erinnert er sich. Zum Dom zog es ihn schon als Jugendlichen. Auch zum Gebet oder um Ruhe zu finden. Sein Vater, selbst Muslim, habe ihm mitgegeben: „Ein Gotteshaus ist ein Gotteshaus.“ So war die Kathedrale schon früh Teil seines Lebens. Was kölsch ist, denn Zugehörigkeit wird nicht über Herkunft definiert.
Vielleicht erklärt das auch, weshalb Nakschbandi heute in der unmittelbaren Nachbarschaft des Doms nicht nur einen Arbeitsplatz sieht, sondern einen Ort, der Orientierung gibt.
Köln zeigt sich hier als Stadt der kurzen Wege. Zwischen Bahnhof, Dom, Fernsehsendern, Produktionsfirmen und Filmförderung liegen oft nur wenige Minuten zu Fuß. Genau diese Nähe ist für Walid Nakschbandi der Standortvorteil. Oder, wie er es selbst formuliert: „Im Herzen der Stadt Köln liegt die Welt vor unserer Haustür.“
Peter Pauls
