Dr. Martina Augl bewegt sich zwischen den Welten: Organisation und Bühne, Strategie und Intuition, Struktur und Kreativität. Mit ihrem Ansatz „Mit den Menschen, für die Organisation“ unterstützt sie Organisationen dabei, unbewusste Muster sichtbar zu machen und so neue Perspektiven für wirksame Lösungen zu entwickeln.
Neben ihrer Beratertätigkeit mit Musterleader geht sie zudem einer zweiten Leidenschaft nach: Seit zehn Jahren ist sie unter dem Namen FOXEE als Sängerin aktiv, schreibt und veröffentlicht eigene Songs und singt in verschiedenen Formationen Jazz, Funk & Soul, Pop und auch Rock. w sprach mit ihr über die spannende Mischung aus Veränderungsberatung und Musik und darüber, was sie in der Welt noch bewirken möchte.
Die Wirtschaft: Frau Dr. Augl, Sie sitzen auf einem der Bilder in einem überdimensionalen Schachbrett mit Schachfiguren. Was hat es damit auf sich?
Dr. Martina Augl: In meiner Arbeit als Change-Managerin und Organisationsberaterin geht es häufig um die Wahl der richtigen Strategie, so wie im Schach auch. Im Kern geht es um gelingende Entscheidungsprozesse. Zudem beschäftige ich mich mit Mustern in Organisationen, die mal bewusst, mal unbewusst ablaufen. Das Schachbrett steht sinngebend für beides.
Bildquelle Alex WeisBodenschach als Strategiespiel im Freien? Über das Bürgerzentrum Chorweiler steht dieses Vergnügen allen Bürgerinnen und Bürgern kostenfrei zur Verfügung.
Typische Muster analysieren
Die Wirtschaft: Eine tolle Metapher! Strategie und Entscheidungsprozesse also. Warum sehen Sie das als zentral wichtig für Unternehmen?
Dr. Martina Augl: Alles, was in Unternehmen passiert, beruht im Kern auf Entscheidungen. Ob diese klar und transparent sind oder unbewusst stattfinden: Jede Handlung basiert auf einer Entscheidung. Das geht von den täglichen Routinen wie Kaffee kochen bis hin zu den kniffligen Fragen der Ausrichtung des Geschäftsmodells oder welche Prozesse über KI automatisiert werden und wie dadurch Arbeit neu gestaltet wird. Ein Großteil unserer Wahrnehmung und Handlungen läuft unterbewusst ab. Wenn wir einen Vorschlag in einer Besprechung hören, entsteht häufig innerhalb von Sekunden ein Gefühl von Zustimmung oder Ablehnung, lange bevor wir rationale Argumente formulieren. Die eigentliche Begründung liefern wir oft erst im Nachhinein. Unsere Erfahrungen, Werte und unbewussten Annahmen beeinflussen also maßgeblich, welche Entscheidungen wir treffen. Um meinen Kunden dabei zu helfen, diese unbewussten Prozesse aufzuschlüsseln und in eine aktive Gestaltungs- und Steuerungsrolle zu kommen, analysiere ich die Muster in ihrer Organisation.
Die Wirtschaft: Was sind denn typische Muster in Organisationen, auf die Sie stoßen?
Dr. Martina Augl: Eines der treibenden Muster in Organisationen ist die Essenz der Arbeit selbst, z.B. die Arbeit am Patienten im Krankenhaus oder der Einsatz für Qualität im Pharmaunternehmen. Daraus entstehen Motivation und Energie. Andere typische Muster sind starke informelle Kommunikation, intransparente Steuerungsprozesse oder die Schwierigkeit, in komplexen Organisationen Orientierung zu finden. Das sind dann konkrete Anknüpfungspunkte für die Change-Begleitung. Dabei geht es nicht um Finger Pointing, sondern um die Frage, was von den aktuellen Gewohnheiten noch hilfreich ist und was beim Erreichen der gesetzten Ziele oder dem Treffen guter Entscheidungen im Weg steht. Meine Erfahrung ist: Die Bereitschaft für Veränderung ist um ein Wesentliches größer, wenn ein gemeinsames Verständnis über diese Muster besteht.
Verstehen, um zu verändern
Die Wirtschaft: Sie arbeiten nach dem Motto „Mit den Menschen, für die Organisation“, das heißt, für Sie sind beide Seiten unverzichtbar miteinander verbunden. Ohne das eine funktioniert das andere nicht.
Dr. Martina Augl: Ganz genau. Dahinter steht meine feste Überzeugung, dass Mitarbeitende bereit sind, für sinnerfüllte Arbeit ihre Talente, Zeit und Kreativität einzusetzen, und so ihren Beitrag zu funktionierenden Abläufen und wirtschaftlichem Erfolg leisten. Dass das aber kein Selbstläufer ist, merken wir daran, dass viele Unternehmen hinter ihren eigentlichen Potenzialen zurückliegen. Mein Ansatz basiert dabei auf systemischen Grundsätzen. Das bedeutet u.a., unterschiedliche Perspektiven hereinzuholen, Mitarbeitende als Expertinnen und Experten ihrer Arbeit zu sehen und das System zu stärken, selbst Lösungen zu erarbeiten. Es geht nicht darum, die „Wahrheit“ über etwas herauszufinden, sondern durch das Aufstellen von Hypothesen, also Annahmen, warum etwas ist, wie es ist, neue Impulse für hilfreiche Maßnahmen zu erhalten. In einem Unternehmen wurde ein Team als wenig leistungsfähig beschrieben. Die erste Vermutung war fehlende Motivation. Bei näherer Betrachtung zeigte sich, dass widersprüchliche Ziele und unklare Erwartungshaltungen die eigentliche Ursache waren.
Die Wirtschaft: Veränderungsbegleitung kann ja durchaus herausfordernd sein, gerade wenn unpopuläre Entscheidungen im Unternehmen getroffen werden müssen. War Ihnen das eigentlich damals schon bewusst, als Sie sich für Ihr Studium entschieden haben?
Dr. Martina Augl: Tatsächlich nicht. Nach Abschluss meiner (Achtung: österreichisch!) Matura an einem humanistischen Gymnasium begann ich an der Johannes-Kepler-Universität Linz Wirtschaft zu studieren. Mit ganz viel Philosophie und Ludwig Wittgenstein im Hinterkopf fand ich die Wirtschaftssprache zu Beginn einfach schrecklich: „Arbeitskapital“, „Lohnkosten“, „Leistungsträger“ etc. In einem Kurs zu Investitionsrechnung ging es dann darum, den Break-even-Point für die Laufzeit des Akkus einer elektrischen Zahnbürste zu errechnen: Wann sollte die Zahnbürste durch den Kunden erneuert werden, damit es für den Hersteller am gewinnbringendsten ist?
Das Ergebnis war zwei Jahre. Der Akku, der locker einige Jahre länger halten würde, sollte dann entsprechend manipuliert werden. Ich wollte meinen eigenen Ohren nicht trauen und habe überlegt, die Studienrichtung zu wechseln. Dann dachte ich mir aber: Um ein System zu verändern, muss ich es erst verstehen. Und so blieb ich bei der Wirtschaft, um mit meiner Mission zu zeigen, dass ein „Win-Win“ für Organisation und Mensch möglich ist. Und zum Glück gab es im Studium auch Fächer wie Wissensmanagement, Organisationspsychologie oder Wirtschaftsphilosophie, die auch ethische Lösungen in den Fokus gestellt haben. Natürlich macht das manch harte Entscheidung im Unternehmen nicht einfacher, aber es gibt Ansatzpunkte, das große Ganze besser zu erklären.
Jedes Unternehmen ist einzigartig
Die Wirtschaft: Sie begleiten ja große wie auch kleine Unternehmen beim Veränderungsprozess, die aus ganz unterschiedlichen Branchen kommen. Macht das denn für Ihre Arbeit einen Unterschied?
Dr. Martina Augl: Ja und nein. Jedes Unternehmen ist einzigartig. Das betrifft die Unternehmensgeschichte, den Status quo, die Einflussfaktoren ringsum und wie es seinen Auftrag in der Welt begründet und umsetzt. Gleichzeitig sind die Parameter, die das Zusammenspiel definieren, aus organisatorischer Sicht dieselben: Es geht um Erfolg und Überlebensfähigkeit, wie gut es gelingt, Mehrwert zu generieren, der von den Kunden auch verstanden wird, die richtigen Talente zusammenzubringen und Prinzipien festzulegen, nach denen entschieden und gearbeitet wird. Für mich ist essenziell, welches konkrete Anliegen hinter einer gewünschten Veränderung steht.
Am Beginn eines Beratungsprozesses steht also die Auftragsklärung. Dabei stelle ich viele Fragen, auch zirkuläre wie: „Wenn ich Ihre Mitarbeitenden fragen würde, woran sie erkennen, dass das Projekt erfolgreich war, was würden sie antworten?“ Das hilft nicht nur mir, die Situation und die Zielsetzung besser zu verstehen, sondern auch meinem Gegenüber, die eigenen Gedanken zu sortieren, bislang offene Punkte und Perspektiven zu integrieren und so das Ziel zu schärfen. Gleichzeitig werden bereits viele Erkenntnisse gewonnen, die direkt zu Maßnahmen führen. Die Beratung beginnt also schon hier.
Ich arbeite mit großen Unternehmen genauso wie mit Einzelunternehmen. Beispielsweise bat mich eine bekannte Kölner Designerin, sie dabei zu begleiten, den Mehrwert ihrer Mode besser verständlich zu machen und so ihre Positionierung im Hochpreissegment zu stützen. Nach dem Abgleich von Ist und Soll sowie Selbst- und Fremdbild haben wir viel an Glaubenssätzen sowie Handlungsstrategien und Faustregeln gearbeitet, die sie auch ohne mich jederzeit anwenden kann. Mein Ziel ist es, durch meine Arbeit irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Das ist mir hier, denke ich, sehr gut gelungen.
Wenn ich in größeren Strukturen arbeite, ist es zunächst wichtig, gemeinsame Bilder über das Ziel und den Weg dorthin zu entwickeln. Wie bei Einzelunternehmen auch, geht es um die in der Organisation wirksamen Glaubenssätze, die häufig beim Erreichen der gesetzten Ziele im Weg stehen. Wie sollen ambitionierte Wachstumsziele erreicht werden, wenn der Chef die Glaubenssätze vertritt: „Wachstum geschieht in Wellen“ und „Investitionen muss man sich verdienen“? Ziel ist nicht, schöne Headlines und Hochglanzprospekte zu produzieren, sondern die Ziele in verständliche Handlungen zu übersetzen: Was machen wir ab sofort anders? Wie erkennen wir, dass die gesetzte Maßnahme einen Beitrag für unser Ziel leistet? Etc. Ein guter Leitsatz als Anker ist natürlich hilfreich.

Kultur formt sich durch konkretes Erleben
Die Wirtschaft: Sie arbeiten gleichzeitig auch beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln-Porz, auf der rechten Rheinseite. Dort bringen Sie Ihr Wissen und Ihre Expertise als Change-Managerin ein. Wie sieht das konkret aus?
Dr. Martina Augl: Im DLR bin ich als Change-Managerin für den Bereich Transfer zuständig und somit für die Begleitung des DLR als Forschungseinrichtung zu einem transferstarken Unternehmen. Da im DLR ja keine Produkte hergestellt werden, müssen die erzielten Forschungsergebnisse durch die Wirtschaft in eine Verwertung und Skalierung gebracht werden. Im DLR findet diesbezüglich ein großer Kulturwandel statt, mit dem Ziel, dass alle Mitarbeitenden es zu ihrem Selbstverständnis zählen, durch eigenes Tun einen nachweisbaren und nachhaltigen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung zu leisten. Jedes Institut bringt dabei andere Voraussetzungen mit. Einige sind beim Transfer bereits sehr weit und arbeiten eng mit Wirtschaft und Verwertungspartnern zusammen, andere sind noch stärker in der klassischen Forschungslogik verhaftet. Entsprechend unterscheiden sich die Anforderungen an die Veränderungsbegleitung. Vor allem gilt: Kultur formt und verändert sich durch konkretes Erleben, Erwartungsmanagement sowie Fragen, die gestellt, und Geschichten, die erzählt werden.
Die Wirtschaft: Wenn man nun nicht direkt ein großes Transformationsprojekt initiieren möchte: Welche Möglichkeiten gibt es noch, sich für den Change, den Wandel, gut aufzustellen?
Dr. Martina Augl: Ich finde es wichtig, dass sich Organisationen zukunftsfit machen, gerade in einer Zeit, in der wir beinahe täglich mit großen geopolitischen Veränderungen rechnen müssen. Das bedeutet, Resilienz aufbauen und einen Umgang mit beständiger Veränderung entwickeln. Dazu biete ich Trainings für Führungskräfte oder auch Teams an, insbesondere zu den Themen Transformations- und Change-Management, Positive Leadership, Leading in Complexity oder High Performing Teams. Wichtig ist mir, nicht nur Inhalte zu vermitteln, sondern die Teilnehmenden in die Lage zu versetzen, das Neue direkt anzuwenden. Für Führungskräfte biete ich zudem Einzelcoaching an sowie Sparring, also sogenannte Schattenberatung, zu laufenden oder geplanten Veränderungsprozessen.
Bildquelle JO SUDAUAls FOXEE auf der Bühne: mit Stimme, Glamour und österreichischem Charme kreiert Martina Augl unvergessliche Gänsehautmomente mit Wirkung.
Zweites Herz in der Brust: Musik als Berufung
Die Wirtschaft: Kurzer Themenwechsel: Ich habe gehört, es schlägt neben der Organisationsberatung noch ein zweites Herz in Ihrer Brust.
Dr. Martina Augl: Ganz genau. Tatsächlich habe ich noch ein Sängerinnen-Alter-Ego und bin unter dem Namen FOXEE seit zehn Jahren musikalisch aktiv. In unterschiedlichen Formationen singe ich Jazz, Funk & Soul, Pop und auch Rock, immer mit dem gewissen Glam-Faktor und natürlich meinem österreichischen Charme. Zudem schreibe und veröffentliche ich eigene Songs. Singen ist für mich eine der krassesten Formen des Selbstausdrucks, unheimlich befreiend und intim zugleich. Es gibt für mich kein vergleichbares Gefühl, als auf der Bühne zu stehen und in diesen Moment einzutauchen, „wenn es mich singt“. Das ist die Reinform von Mihaly Csikszentmihalyis Flow-Konzept aus der Positiven Psychologie. Für mich ist es natürlich auch die Möglichkeit, in eine andere, glamouröse Rolle zu schlüpfen. Im Vordergrund stehen dabei immer der Mehrwert für den Kunden und das Ziel, eine Veranstaltung zum unvergesslichen Gänsehautmoment für die Gäste zu machen.
Die Wirtschaft: Das sind ja wirklich ganz unterschiedliche Facetten. Werden Sie denn da öfter in Schubladen gesteckt von Menschen, die Sie noch nicht richtig kennen?
Dr. Martina Augl: Vor ein paar Jahren war das noch häufiger der Fall. Je nachdem, in welchem Setting die Menschen mich kennengelernt haben, haben sie mich entweder als Führungskraft und Frau Doktor „schubladiert“ oder als „die Sängerin“. Das ist auch nachvollziehbar: Schubladendenken macht die Welt einfacher. Spannend war dann der Moment, wenn klar wurde, dass eine Schublade für mich nicht reicht. Mittlerweile erlebe ich das immer seltener, sondern nehme mehr Aufgeschlossenheit wahr, dass ein Mensch mehrere Berufungen zugleich haben kann.
Die Wirtschaft: Ich finde das eine sehr spannende Mischung bei Ihnen mit Beratung und Musik. Ergeben sich daraus auch Synergien, von denen Sie und Ihre Kunden profitieren?
Dr. Martina Augl: Auf jeden Fall! Für mich ist das ein wunderbarer Ausgleich. Ich liebe es, ebenso strategisch und strukturiert zu arbeiten wie auch kreativ. Das befruchtet beide Berufe. Ich glaube, es gibt wenige Musikschaffende, die so strukturiert an die Dinge herangehen wie ich. Zudem weiß ich, dass ein Firmenevent kein Selbstzweck ist, sondern ein klares Ziel hat und das Image des Unternehmens maximal supporten soll. Das ist mir in meinen musikalischen Auftrittskonzepten sehr wichtig. Zugleich hilft mir meine Kreativität in der Umsetzung von Beratungsmethoden. Das ist auch für meine Kunden ein Schlüssel, um in den schon beschriebenen Flow-Zustand zu kommen, implizites Wissen anzuzapfen bzw. neue Ideen zu generieren. Ein weiteres verbindendes Element sind Emotionen. Musik ist voller Emotionen, die Menschen in den Organisationen sind es auch. Damit umgehen zu können, ist essenziell.
Die Wirtschaft: Sie sind als Beraterin, Change-Managerin und Musikerin erfolgreich und haben selbst viele klassische Rollenerwartungen durchbrochen. Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die Karriere machen möchten, ohne sich dabei verbiegen zu müssen?
Dr. Martina Augl: Eines meiner großen Vorbilder, Cher, hat das sehr treffend auf den Punkt gebracht: Es ist wichtig, alles, was man tun kann und möchte, JETZT zu tun, sich also nicht zu fragen, was andere darüber denken, sondern die eigenen Träume umzusetzen. Gerade Frauen machen sich oft einen Kopf darüber, ob sie den Erwartungen anderer entsprechen, und bremsen sich damit aus. Natürlich muss es nach wie vor ein Umdenken in den Zuschreibungen geben. Frauen, die für sich einstehen, werden oft als „schwierig“ bezeichnet. Junge Frauen brauchen Unterstützerinnen, die ihnen zeigen, wie sie souverän durch diese Situationen durchnavigieren.
Wenn Deutschland, dann Köln
Die Wirtschaft: Leicht ist es schon durchgeklungen: Sie sind gebürtige Österreicherin. Was hat Sie hierher nach Köln gebracht und haben Sie es jemals bereut, nicht mehr in Österreich zu leben?
Dr. Martina Augl: Ich komme gebürtig aus dem namensprägenden Ort St. Valentin in Niederösterreich. Nach zehn Jahren als Leiterin der Organisationsentwicklung der Tirol Kliniken in Innsbruck war mir eins klar: wenn Deutschland, dann Köln. Das lag insbesondere an der rheinischen Frohnatur, die mich sehr an die Art der Menschen in St. Valentin bzw. im benachbarten Linz erinnerte. Wäre ich nach Spanien oder Frankreich umgezogen, hätte ich mich sicherlich akribischer auf den Landeswechsel vorbereitet. So habe ich schnell festgestellt, dass die Dinge in Deutschland doch anders laufen, als ich es in Österreich gewohnt war. Allein eine passende Kfz-Versicherung zu finden, hat Monate gedauert. Nachdem der Großteil meiner Familie in Österreich lebt und ich beruflich wie privat immer wieder mal dort bin, hält sich das Heimweh noch in Grenzen. Und als Sängerin liebe ich den Kölner Karneval ohnehin, insbesondere den Kneipen-Karneval.
Die Wirtschaft: Kommen wir zum Abschluss noch einmal zu Ihrer Rolle als Organisationsberaterin zurück: Was möchten Sie in der Welt noch bewirken?
Dr. Martina Augl: Lothar Wenzl, ein Kollege von mir, hat den Begriff „Schöne Organisationen“ geprägt, den ich hervorragend finde. In diesem Steuerungsmodell für Unternehmen geht es u.a. darum, Faktoren wie soziale Fairness und den vernünftigen Umgang mit Ressourcen (wieder) zu integrieren, um einen Beitrag zur Lösung der aktuellen Probleme der Menschheit zu leisten. Das kann bedeuten, Nachhaltigkeitsziele in Entscheidungsprozesse einzubeziehen, faire Arbeitsbedingungen aktiv zu fördern oder den langfristigen gesellschaftlichen Nutzen von Innovationen mitzudenken. Ich halte das für einen sehr erstrebenswerten Ansatz, da wir einerseits gewisse Themen nicht länger externalisieren können und andererseits Innovationssprünge angeregt werden, die Unternehmen nachhaltig erfolgreich und überlebensfähig machen. Eine „Win-win“-Situation, wenn wir diese als solche erkennen.
Gastautorin: Swantje Freifrau von Massenbach
