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START-UP-HOTSPOT KÖLN – Nur ein Trend? Gegründet wird in Köln schon seit über 2.000 Jahren

Die Region Köln ist der größte Start-up-Standort von NRW

Welche wirtschaftliche Bedeutung haben Start-ups für Köln und die Region? Wie sehen die Visionen in der Hinsicht für die Domstadt aus? Was sind die Stärken der Rheinmetropole? Mathias Härchen – Leiter Unternehmensförderung / stellv. Geschäftsführer der IHK Köln gibt Antworten im Interview.

Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung /stellv. Geschäftsführer IHK Köln - copyright: Alex Weis
Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung /stellv. Geschäftsführer IHK Köln
copyright: Alex Weis

“Größe zieht Größe an, diesen Faktor müssen wir ausspielen”
Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung /stellv. Geschäftsführer IHK Köln

Die Wirtschaft Köln: Herr Härchen, was ist Ihrer Meinung nach ein Start-up?

Mathias Härchen: Dazu muss man zunächst definieren, sind Start-ups nur digitale Gründer oder Newcomer aus allen Branchen? Es gibt einen harten Kern aus beiden Gruppen, was die Folgen und Chancen betrifft. Aus unserer Sicht sind es die, die fünf bis zehn Jahre nach Gründung nur jung sind, eine Innovation bieten und auf Wachstum ausgerichtet sind. Daraus leiten sich zwei Folgen ab.

Zum einen gibt es in der Regel besondere Herausforderungen bei der Finanzierung, weil das Risiko so groß ist wie die Chance auf den Erfolg. Die jungen Gründer haben noch keine Vita, dazu eine schwer einzuschätzende Geschäftsidee, da muss man Banken auch in Schutz nehmen, wenn sie strenge Maßstäbe an eine Finanzierung anlegen. Daher gilt es zu netzwerken, sich um Investoren als denkbare Alternative zu kümmern, die statt der Banken nötiges Kapital bereitstellen können.

Zweite Folge: Wenn ein Start-up stark wächst, bedarf es mehr Mitarbeiter, daraus resultieren höhere Personalkosten, und die Organisation kommt dem nicht nach. Letztendlich kann das Personalgefüge zusammenbrechen. Viele Start-up-Gründer fangen bescheiden an, geradezu hemdsärmelig, haben auch Erfolg, aber dann braucht es in einem zweiten Level Geld fürs Marketing, und dafür findet sich keine Bank. Denn wenn das Marketing nicht zündet, ist das Geld verbrannt.

Die Wirtschaft Köln: Gibt es Zahlen, wie viele Start-ups es schaffen?

Mathias Härchen: Der Ansatz, ein Start-up zu gründen, zum Erfolg zu führen und nach drei oder vier Jahren zu verkaufen – siehe WhatsApp –, ist ja ein Traum. Start-ups, die so den Exit schaffen, sich mit dem Ertrag der nächsten tollen Idee zuwenden, dürften sehr limitiert sein. Das als Erfolg zu betrachten ist dann auch relativ – was ist, wenn der Kopf geht und das Start-up bricht ein: Ist das dann noch Erfolg?

Im Ideenreichtum, im wachsenden Mittelstand liegen die Chancen der Start-ups, die auch von den klassischen Gründern wahrgenommen werden. Chancen ausloten, Visionen in den Vordergrund stellen und nicht totreden, welche Idee trägt wie weit, aber auch welche Stolpersteine gibt es.

Das Problem bei alledem ist, dass sich bei der guten konjunkturellen Lage der letzten Jahre die Gründerzahlen auf einem Höchststand befinden müssten. Stattdessen nutzen die meisten Menschen nach wie vor den florierenden Arbeitsmarkt und bevorzugen die abhängige Beschäftigung.

Die Wirtschaft Köln: Welche Bedeutung hat die Start-up-Szene für die Region?

Mathias Härchen: Köln und sein Umland leben von neuen Ideen. Auch aus der Wissenschaft sollten viele Ideen kommen, die akademischen Schmieden sind Fundament einer guten Start-up-Szene. Keine Idee soll verloren gehen, sondern sich weiterentwickeln, um daraus eventuell ein Start-up zu gründen. Köln hat ein gutes Klima dafür, muss das aber besser nach außen tragen. Die USA oder Berlin machen das seit Jahren, Start-ups ziehen neue Start-ups an, daraus entwickelt sich eine dynamisch-kreative Szene, die es in die Metropolen zieht.

In NRW ist die Region Köln mit an die 1.000 Start-ups der größte Start-up-Standort. Viel Industrie und Mittelstand bieten einen tollen Markt, in Sachen Kundschaft, aber auch für Kooperationen. Köln ist zudem stärkster Wirtschafts- und Universitätsstandort in NRW, macht damit bislang aber zu wenig Werbung. Wir tun jedoch alles dafür, damit die Region Köln die Führungsrolle in NRW behält und ausbaut.

Die Vision: Köln soll einer der führenden Standorte für Digitalisierung werden, eine führende Rolle im Gleichklang mit Berlin, Hamburg und München einnehmen. Wir sind da auf einem guten Weg, sind auf dem Weg zum “Next Level”. Bring ich gemeinsam mit anderen die Szene voran, bringt mich das auch voran. Größe zieht Größe an, diesen Faktor müssen wir ausspielen.

Die Wirtschaft: Was macht die IHK Köln konkret für Start-ups?

Mathias Härchen: Wir errichten mit der Stadt Köln und der Universität den Digital Hub Cologne. Wir beraten über Finanzierungswege. Start-ups entwickeln sich häufig erst im Markt. Aber dann gibt’s häufig kein Geld mehr, nicht von den Banken und auch keine Fördermittel, wo es gilt: erst beantragen, dann gründen. Zudem berät die IHK in Fragen von Recht, Steuern und Personal und vermittelt Hilfe im Falle der Krise. Wir nehmen eine neutrale Rolle ein, z. B. Hilfe geben bei der Webseite eines Start-ups, und sehen uns da am ehesten in der Rolle des Begleiters.

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