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START-UP-HOTSPOT KÖLN – Nur ein Trend? Gegründet wird in Köln schon seit über 2.000 Jahren

Start-ups in der digitalen Wirtschaft

Start-ups in der digitalen Wirtschaft - copyright: pixabay.com
Start-ups in der digitalen Wirtschaft
copyright: pixabay.com

In einem Gutachten für die Stadt Köln und die IHK beschreiben die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln die Bedeutung und die Struktur der digitalen Start-ups in Köln. Das Gutachten ermittelte nicht nur den Status quo und möchte das Verständnis des Start-up-Ökosystems steigern, sondern quantifiziert auch die digitale Start-up-Szene im IHK-Bezirk Köln. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die ermittelten Ergebnisse denen für Berlin, das im weltweiten Vergleich der führenden Top-20-Start-up-Standorte Rang neun belegt, gegenübergestellt.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass in der Stadt Köln aktuell (Februar 2016) 626 von 1.811 digitalen Unternehmen (also 35 %) maximal zehn Jahre alte Start-ups sind. Der Anteil besonders junger digitaler Start-ups, die nicht älter sind als fünf Jahre, liegt bei 279 Unternehmen beziehungsweise 15 Prozent. Zum Vergleich: In Berlin sind 2.105 von 4.766 digitalen Unternehmen Start-ups, deren Alter maximal zehn Jahre beträgt. Im IHK-Bezirk Köln sind 862 von 2.755 digitalen Unternehmen Start-ups und maximal zehn Jahre alt; bei den bis fünf Jahre alten sind es 391 Unternehmen und somit immerhin rund 14 Prozent. (In den Zahlen für den IHK-Bezirk Köln sind die Zahlen für die Stadt Köln enthalten.)

Insgesamt lassen sich rund 2,9 Prozent aller Unternehmen in Köln der Digitalwirtschaft zuordnen; im IHK-Bezirk liegt dieser Anteil mit 2,2 Prozent ebenso wie in Berlin (2,5 Prozent) etwas niedriger. Ende des ersten Quartals 2016 waren im IHK-Bezirk Köln fast 13.000 Mitarbeiter in digitalen Start-ups (Unternehmensalter ≤ 10 Jahre) beschäftigt, von denen über 9.000 ihren Job im Stadtgebiet Kölns ausübten; in Berlin liegt die entsprechende Zahl der Mitarbeiter in digitalen Start-ups bei über 34.600. Ob Köln oder Berlin, 60 Prozent der digitalen Start-ups sind Kleinstunternehmen mit zwei bis fünf Mitarbeitern, die vor allem in den Branchen “Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie”, “Einzelhandel”, “Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben”, “Unternehmensberatung” und “Großhandel” tätig sind.

Start-up-Szene in Köln

Welche Unterstützung und Hilfen Start-Ups von Seiten der Stadt Köln erhalten und warum Tel Aviv eine wichtige Rolle für die Zukunft des rheinischen Start-Up Standorts spielt erklärt Roland Berger – Leiter Stabstelle für Medien und Internetwirtschaft der Stadt Köln.

Roland Berger, Leiter Stabsstelle für Medien- und Internetwirtschaft der Stadt Köln - copyright: Alex Weis
Roland Berger, Leiter Stabsstelle für Medien- und Internetwirtschaft der Stadt Köln
copyright: Alex Weis

“Wir sind ein attraktiver Standort für Unternehmen wie für Investoren”
Roland Berger, Leiter Stabsstelle für Medien- und Internetwirtschaft der Stadt Köln

Die Wirtschaft Köln: Herr Berger, ist das ganze Start-up-Geschehen nur ein Trend?

Roland Berger: Das ist kein Trend, sondern eine notwendige wirtschaftliche Entwicklung. Wir haben das Thema Digitalisierung der Wirtschaft, sprich auch der Innovation vom wirtschaftlichen Geschehen, und die gestiegene Zahl an Start-ups zeigt einfach den Bedarf der Wirtschaft an innovativen Dienstleistungen und Produkten. Das ist jetzt nicht nur in Köln so, sondern weltweit, dass Themen wie Innovation und digitale Transformation dazu beitragen, die Wirtschaft voranzubringen. Wenn Sie aufs “Silicon Valley” schauen, also nicht nur auf “Apple” und “Facebook”, sondern auch die ganz anderen Themen wie “Uber” in Richtung Taxi oder “Airbnb” in Richtung Hotel stehen die für neue Geschäftsmodelle, welche aus dem Bereich der Start-ups kommen. Und ich bin davon überzeugt, dass das eine notwendige wirtschaftliche Entwicklung ist, die auch die nächsten Jahre noch von Bedeutung sein wird – wenn nicht sogar Jahrzehnte. Aber Gründer gab es schon immer. Köln ist schließlich vor 2.000 Jahren gegründet worden.

Start-ups sind fünf bis zehn Jahre alte innovative, skalierbare Geschäftsmodelle, die sich auch im Rahmen der zunehmenden Bedeutung der Themen Digitalisierung, Internet und digitale Techniken entwickelt haben. Reden wir über digitale Start-ups, geht es natürlich auch um das große Thema Industrie 4.0 und die sich damit verändernden Prozesse der Kommunikation von Robotern untereinander. Das betrifft z.B. die Autoindustrie, Stichwort selbstfahrendes Auto, in Köln also “Ford” und seine Zulieferer, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Auch die für Köln wichtige Versicherungswirtschaft muss in Sachen Digitalisierung zukünftige Geschäftsmodelle entwickeln.

Die Wirtschaft Köln: Welche Unterstützung und Hilfestellung bietet die Stadt Köln Start-ups an?

Roland Berger: Wir haben gemeinsam mit vielen Initiativen und Partnern in Köln ein durchaus differenziertes Beratungsangebot für Start-ups geschaffen. So gibt es das Starter-Center bei der IHK, der Handwerkskammer zu Köln und bei der Stadt Köln. Wir beraten bei der Stadt Köln konkret junge Freiberufler, die in die Selbstständigkeit gehen wollen. Wir unterstützen Start-ups, indem wir sie zu bestimmten Institutionen vermitteln, welche eine Beratung anbieten können und Business-Modelle erstellen. “Startplatz” oder “Solution Space” bieten qualifizierende Veranstaltungen, nicht nur in Techfragen, sondern auch in Businessfragen. Eine Idee zu haben ist gut, aber ich muss auch wissen, wie ich die vermarkten kann. Dem Grunde nach sind wir als Stabsstelle eher strukturell aufgestellt und versuchen, das Start-up-Ökosystem in seiner Vielfalt und seiner Gesamtheit mit voranzubringen. Wir haben in letzter Zeit durchaus einiges bewegt.

Die Wirtschaft Köln: Wie sieht denn die Zukunft der Start-up-Szene in Köln aus?

Roland Berger: Für Oberbürgermeisterin Reker ist das Thema Start-up ein ganz zentrales Element. Ihre Vorstellung ist, in den nächsten fünf Jahren Köln neben Berlin als den Start-up-Hotspot in Deutschland zu etablieren. Wir haben eine Strategie, wie wir das verfolgen, das sind fünf Punkte: Raum und Infrastruktur schaffen, Kundenzugang verbessern, Kapital binden, Talente fördern, Vernetzung und Internationalisierung. Das wollen wir voranbringen, um hier dieses Start-up-Ökosystem zu stärken. Da haben wir viel gemacht in letzter Zeit und in Zukunft müssen wir dies jetzt bündeln. Wir sind ein attraktiver Standort für Unternehmen wie für Investoren.

Wir haben zum Beispiel eine intensive Kooperation mit dem Innovationszentrum SOSA in Tel Aviv aufgebaut, damit “unsere” Start-ups, wenn sie denn wirklich erfolgreich sind, Zugang zum internationalen Markt erhalten. Tel Aviv, Partnerstadt von Köln, ist neben dem “Silicon Valley” in den USA der Start-up-Hotspot in der Welt. Wir haben in Tel Aviv mit SOSA einen Partner gefunden, welcher ein Start-up-Center auf der einen Seite ist, aber auch fast alle israelischen Investoren um sich versammelt. So können wir eine Brücke für den Austausch bauen zwischen dem Ökosystem Tel Aviv und dem Ökosystem Köln.

Aber auch vor Ort in Köln direkt geschieht einiges. Die StartupCon in der LANXESS arena zum Beispiel als die größte Start-up-Ein-Tages-Veranstaltung in Europa ist ein großer Marktplatz von Investoren, Unternehmen, die sich gegenseitig treffen, kennenlernen und vernetzen. Oder der “Pirate Summit“, mit einer ganz anderen Atmosphäre, aber genauso. International, 80 bis 90 Nationen, 1.200 Teilnehmer – solche Plattformen mit diesem Angebot findet man nicht so leicht in Europa.

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