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Verkehr in Köln: Ein einziges Chaos – Wie sieht eine Lösung aus?

Probleme durch Kölner Autobahnring

Probleme durch Kölner Autobahnring - copyright: pixabay.com
Probleme durch Kölner Autobahnring
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Dass auf den Straßen im Kölner Stadtgebiet bei starken Verkehrsspitzen teilweise Stillstand herrscht, wird großenteils durch Problemlagen auf dem Autobahnring verursacht. “Dabei sind neben der mangelhaften Infrastruktur auch die häufigen Unfallsituationen ursächlich”, meint Hartmut Sorich vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik der Stadt Köln. “In beiden Fällen wird Verkehr in das städtische Straßennetz verdrängt, das ohnehin an seine Kapazitätsgrenzen stößt. Köln ist eine Stadt mit wachsendem Attraktionspotenzial in allen Bereichen, was wiederum zu einer Zunahme des Gesamtverkehrsaufkommens führt”, so der Verkehrsexperte der Stadt.

Zur Verbesserung der Lage richtet Hartmut Sorich den Blick auf die Fernstraßen und das Schienennetz. “Alle Maßnahmen zur Wiederherstellung bzw. Anpassung der Leistungsfähigkeit der Autobahnen sowie des Fernverkehrs auf der Schiene und zu einer Vermeidung des Durchgangsverkehrs” sind für ihn der Schlüssel zu einer Verbesserung der Situation.

Baustellen: Prozesse straffen, stabilisieren und konsequent absichern

Baustellen: Prozesse straffen, stabilisieren und konsequent absichern - copyright: pixabay.com
Baustellen: Prozesse straffen, stabilisieren und konsequent absichern
copyright: pixabay.com

Ein weiterer Schritt, die Kölner Straßenlage, soweit es geht, zu optimieren, war die Ernennung von Thomas Weil zum Baustellenmanager. Wer sich also bis dato wunderte, dass ein Bürgersteig erst von Netcologne für Leitungsarbeiten aufgerissen wurde und die RheinEnergie zwei Wochen später am gleichen Ort dasselbe tat, findet in Thomas Weil denjenigen, der solche Dopplungen durch bessere Koordination verhindern soll.

“Durch die Konzentration der verschiedenen Bausteine, die bei Baumaßnahmen im öffentlichen Bereich eine Rolle spielen, konnten Prozesse gestrafft, stabilisiert und konsequent abgesichert werden. Die erhöhten Anforderungen an die Bauwilligen sowie die zeitige Koordination von Maßnahmen sichern die Mobilität in Köln trotz gestiegener Bautätigkeit”, sieht Hartmut Sorich den Einsatz eines Baustellenmanagers seit April 2014 als wirkungsvoll an. Das Personal für den Kontrolldienst wurde aufgestockt, sodass Baumaßnahmen intensiv geprüft werden können. Für Beschwerden und Anfragen – “Auf der Baustelle habe ich seit vier Wochen niemanden mehr arbeiten sehen” – gibt es eine Anlaufstelle, die Maßnahmen werden von einer intensiven Kommunikations- und Informationsarbeit begleitet. “Straßenbaumaßnahmen bleiben immer Operationen am offenen Herzen einer Stadt”, so Hartmut Sorich, “aber die Folgen konnten gemildert werden.”

Doch was ist zu tun, um die Verkehrssituation in und um Köln zu entspannen?

In den Stellungnahmen der Experten bündeln sich die Kernforderungen

  • Kurzfristig: kein Parken in zweiter Reihe dulden, Müllfahrzeuge und andere städtische Servicefahrzeuge und Dienstleister während der Rushhour von Hauptverkehrsstrecken verbannen. Marode Ampelanlagen tauschen und grüne Wellen zur Verstetigung des Verkehrs auf den Magistralen optimieren. Baustelleneinrichtungen in den Stoßzeiten soweit möglich aus dem Straßenraum nehmen.
  • Mittelfristig: Lkw-Leitsysteme installieren, MIV-verträglicher Ausbau des Fahrradwegenetzes (MIV gleich Motorisierter Individualverkehr) Ausbau des Autobahnrings, Entzerrung des Bahnknotens Köln, Ausbau des Hafens Godorf zum Containerhafen, dadurch Entfall von 50.000 Lkw-Fahrten innerhalb der Stadt.
  • Langfristig: Bau der Autobahn A 553 inklusive Rheinquerung zwischen Köln-Godorf und Köln-Langel. Eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung – weg vom MIV hin zum ÖPNV. Da lohnt nochmals der Blick auf eines der Leitziele von Köln 2025: “Wir wollen den sogenannten Umweltverbund, also das Zufußgehen, das Radfahren und den öffentlichen Personennahverkehr, stärken, um die Lebensqualität in der Stadt zu sichern und zu steigern. Wir streben an, dass in 10 bis 15 Jahren zwei von drei Wegen in Köln im Umweltverbund zurückgelegt werden.”
KVB-Vorstandsvorsitzender Jürgen Fenske - copyright: Alex Weis
KVB-Vorstandsvorsitzender Jürgen Fenske
copyright: Alex Weis
Einigkeit herrscht unter den Experten auch, dass eine Citymaut nicht hilft, die Situation zu verbessern. Im Interview mit Die Wirtschaft meinte KVB-Vorstandsvorsitzender Jürgen Fenske: “Wenn das Angebot stimmt, und dazu gehört auch ein optimales Radwegesystem, dann wird die Zahl der Autos in der Stadt zurückgehen, dann brauchen wir auch keine Maut.” Allerdings sagte er auch: “Ich persönlich kann mir eine Citymaut vorstellen, auch wegen des Ringstraßensystems in Köln. Aber wir sind nun mal auch ein Autoland, da muss man dicke Bretter bohren, um Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen.”

Bei allen Verkehrsträgern ist das Entscheidende zur Verbesserung der Verkehrslage der Ausbau der vorhandenen Infrastruktur. Im Falle der KVB gibt es einige Denkmodelle und Planungen zum weiteren Ausbau der Stadtbahnen: der Ausbau der Ost-West-Achse mit Vergrößerung der Haltestellen für längere Züge, damit einhergehend die Linie 1 von Merheim nach Neubrück zu erweitern. Oder die Linie 13 von Klettenberg bis zur Bonner Straße zu verlängern. Ebenso ist eine Linie, die vom Wiener Platz aus Flittard bedient, ein Planungspunkt. Alles sind langfristige Projekte mit einem Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro.

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