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Verkehr in Köln: Ein einziges Chaos – Wie sieht eine Lösung aus?

Ring frei in Köln für Radverkehr

"Ring frei" in Köln für Radverkehr - copyright: pixabay.com
“Ring frei” in Köln für Radverkehr
copyright: pixabay.com

Manche Dinge dauern in Köln halt immer etwas länger. Im Großen – siehe Sanierung des Opernhauses – wie auch im Kleinen, etwa wenn man aus Radfahrersicht auf die Stadt schaut. Beschlüsse zur Verbesserung der Situation für Radfahrer werden teils nur schleppend umgesetzt. Zum Beispiel der Radschnellweg von der Kölner Innenstadt Richtung Westen nach Frechen. Sein Bau wurde bereits vor drei Jahren beschlossen. Eine Machbarkeitsstudie wurde gerade erst in Auftrag gegeben, Baubeginn frühestens in 2018. Dabei soll diese schnelle Route in erster Linie Berufspendler vom Auto auf den Drahtesel bringen.

Zumindest herrscht in Teilbereichen Einigkeit quer durch alle Fraktionen und Gruppierungen. Der 10-Punkte-Plan “Ring frei” ist ein Forderungskatalog, der im Oktober 2015 verfasst wurde und in dem klar definierte Aufgaben beschrieben sind, um die Ringe für Radfahrer sicherer und attraktiver zu gestalten. So soll die Benutzungspflicht der Radwege aufgehoben werden. Radler bekommen eine 3,75 Meter breite Fahrspur auf der Straße, an Engstellen müssen mindestens 2,75 Meter verbleiben. Der alte Radweg, der eher einer Schneise über das Trottoir entsprach, soll zurückgebaut, Tempo 30 die einheitliche Richtgeschwindigkeit werden. Die Radfahrer dürfen auf eine grüne Welle hoffen. Die Parkbuchten werden zu großzügigen, aber streng kontrollierten Lieferzonen. Gut für die Paketdienste, zudem wird so das Parken in zweiter Reihe eliminiert.

Radwegbenutzungspflicht schnell und weitestgehend aufheben

Radwegbenutzungspflicht schnell und weitestgehend aufheben - copyright: pixabay.com
Radwegbenutzungspflicht schnell und weitestgehend aufheben
copyright: pixabay.com

Joachim Schalke, Vorstand “Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Köln e. V.“, hofft, dass der skizzierte “10-Punkte-Plan #Ring frei” in 2017 zügig umgesetzt wird. Für die Stadt Köln, die bereits 1993 in den Kreis der fahrradfreundlichen Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen aufgenommen wurde, wünscht er sich kurzfristig einen fahrradpolitischen Berater für Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Mittelfristig müssen alle Unfallschwerpunkte fahrradspezifisch optimiert werden, Tempo 30 soll grundsätzlich in Köln eingeführt werden, und die gesamte Radwegbenutzungspflicht muss überprüft und in den meisten Fällen aufgehoben werden: “So kommen wir langfristig an den Punkt, dass der Umweltverbund (Fuß-/Radverkehr/ÖPNV) die dominierende innerstädtische Verkehrsform sein wird”, schließt Schalke sein Wunschpaket.

Jürgen Möllers, Fahrradbeauftragter bei der Stadt Köln, sieht in der Öffnung weiterer Einbahnstraßen für Radler einen Mobilitätsgewinn. Allerdings kann das nicht flächendeckend geschehen. Vielmehr muss jede Straße einzeln für die Freigabe “gegen den Strom” überprüft werden. 60 Prozent der Einbahnstraßen erlauben den Radfahrern die falsche Richtung, “bei 90 Prozent könnte die Quote am Ende liegen”, ist Möllers überzeugt.

Für Köln als Mitglied der “Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e. V.” umreißt Möllers, was zukünftig getan werden muss. „Da der Radverkehr zu den ökologisch verträglichsten Verkehrsarten zählt, muss sein Anteil im Bereich kurzer und mittlerer Entfernungen weiter gesteigert werden. Insbesondere in Großstädten und Ballungsräumen kann das Fahrrad als alltagstaugliches Verkehrsmittel seine Vorteile gut ausspielen.“ Damit das so bleibt, gilt es laut Möllers, “innovativ und systematisch zu arbeiten und die vielfältigen Probleme pragmatisch und anwendungsorientiert zu lösen”.

Und wenn Sie mal wieder in Köln als Autofahrer stauen, weil ein Paketzusteller in zweiter Reihe parkt, sehen Sie nicht gleich gelbrot. Denn auf Anfrage teilte uns Dieter Pietruck von der Deutsche Post DHL Group Pressestelle Mitte in Düsseldorf mit: “DHL Fahrer sind verpflichtet, die Vorgaben der Straßenverkehrsordnung zu beachten.”

Heribert Eiden

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