Startseite Interviews & PortraitsInterview FÜHRUNGSKRAFT – JETZT! Mit Wertschätzung und Wertschöpfung starke Teams entwickeln

FÜHRUNGSKRAFT – JETZT! Mit Wertschätzung und Wertschöpfung starke Teams entwickeln

Wirtschaftsstagnation, Fachkräftemangel, Digitalisierungsstau – die Herausforderungen an deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer sind auch 2024 gewaltig. Doch mit klarem Kopf, einer guten Strategie an der Hand und stärken orientierten Leadership Skills können Führungskräfte ihre Mitarbeitenden für die Zukunft gewinnen. Vorausgesetzt, sie sind auf dem neuesten Stand in Sachen Leadership mit Persönlichkeit und moderner Unternehmenskultur.

by Redaktion
DIEWIRTSCHAFT im Gespräch mit den Unternehmensberaterinnen Judith Claushues (l.) und Christiane Bernecker (r.) von YouMagnus

DIEWIRTSCHAFT sprach mit den Kölner Unternehmensberaterinnen Christiane Bernecker und Judith Claushues von YouMagnus darüber, was Führungspersönlichkeiten heute „draufhaben müssen“ und wie eine Belegschaft aus erfahrenen Boomern und der agilen Generation Z zu einem starken Team wird.

DIEWIRTSCHAFT: Sie sind ja selbst in einem mittelständischen Unternehmen in der Führungsrolle. Ist das mit zwei Vorständinnen nicht auch konfliktreich?

Christiane Bernecker: Nein, im Gegenteil. Wir ergänzen uns aufgrund unserer Ausbildung und auch fachlichen Ausrichtung perfekt. Ich bin Ingenieurin und meine Kollegin ist Psychologin. So passen unsere Kompetenzen im Kontext unserer Kunden hervorragend zusammen.

Judith Claushues: Wir begleiten zahlreiche Unternehmen im industriellen Produktionskontext, zum Beispiel Automobilzulieferer. Ganz praktisch können wir so deren Herausforderungen in strukturellen, technischen und kommunikativen Themen verstehen und sie in der Führungsarbeit und Teamentwicklung auf Augenhöhe begleiten. Diese interdisziplinäre Herangehensweise bei uns beiden ist gleichzeitig vorbildhaft für unsere Kunden: nämlich, dass die Verbindung aus „Ingenieur- und Psychologiebrille“ prima funktionieren kann. Und um auf Ihre Frage zurückzukommen: „Konflikte konstruktiv klären“ ist unser Daily Business – glücklicherweise entstehen fast immer neue Perspektiven und lösungsorientierte Schritte zur Klärung im gemeinsamen Dialog. Und nach der Erfahrung gelöster Konfliktsituationen ist die Zusammenarbeit oftmals tragfähiger und zielgerichteter.

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DIEWIRTSCHAFT: Worin bestehen denn aktuell die größten Konflikte innerhalb von mittelständischen Unternehmen?

Judith Claushues: Die Herausforderungen sind ja im Augenblick enorm: Überall sind Change-Prozesse gefordert, Veränderungen in Strukturen und Arbeitsabläufen nötig, um Antworten auf die vielen aktuellen Fragen zu generieren. Und das alles muss sich im Unternehmen erst einspielen – am besten sofort funktionieren ohne längere „Aufwärmphase“. Da ist es unabdingbar, dass die Führungskräfte klar haben, wohin die Reise geht, und genauso wichtig, dass sie in der Lage sind, die Mitarbeitenden dabei aktiv mitzunehmen und weiterzuentwickeln. Nur dann erzielen sie Wirkung und entfalten tatsächlich Führungs-KRAFT.

Selbstständig arbeitende Mitarbeitende und Teams entwickeln

DIEWIRTSCHAFT: Was bedeutet das für die betriebliche Praxis?

Judith Claushues: Führungskräfte können nicht allein allen Anforderungen gerecht werden und alle Rollen gut ausfüllen und in kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt es meist keine spezialisierten Fachabteilungen – deshalb ist es wichtig, selbstständig arbeitende Mitarbeitende und Teams zu entwickeln, die sich gegenseitig gut ergänzen und auf unterschiedliche Anforderungen je nach Bedarf schnell reagieren können. In der Praxis ist häufiger Ansatz, die schnittstellenübergreifende Zusammenarbeit und Prozesse zu verbessern, sprich gute Abstimmung und aktive Umsetzung über alle Abteilungsgrenzen – und damit oftmals auch über teilweise widersprüchliche Abteilungszielsetzungen hinweg –, das gehen wir von YouMagnus mit unseren Kunden gemeinsam an.

DIEWIRTSCHAFT: Wie können Sie als Außenstehende da einwirken?

Christiane Bernecker: Das geht nur über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Kunden. Wir arbeiten in Projektteams (bestehend aus YouMagnus und Kunden), das bedeutet für uns, wir denken zusammen laut, erarbeiten sinnvolle Lösungen und gewinnen Beteiligte zum Ausprobieren und Umsetzen von neuen Vorgehensweisen.

Judith Claushues: Nehmen Sie die Fragestellung von oben, wie sich eine konstruktive Konfliktkultur entwickeln lässt: Gerade hier bietet es sich an, eine dritte Partei einzuschalten, welche nicht „betriebsblind“ ist. Ein Trainer, Coach, Berater oder jemand aus der Personalentwicklung verfügt über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten, hier die richtigen Impulse zu geben. Denn der beste Hebel für die Zukunft jedes Unternehmens ist eine durchgängig stärkenorientierte Zusammenarbeit.

Wertschöpfung und Wertschätzung sind maßgeblich

DIEWIRTSCHAFT: Das heißt?

Judith Claushues: Jedes Team ist nur so stark wie seine einzelnen Teile und umgekehrt. Wir arbeiten mit dem Grundgedanken, dass für eine erfolgreiche Unternehmenszukunft die Kombination von Wertschöpfung und Wertschätzung maßgeblich ist. Nur wenn sich der einzelne Mitarbeiter wertgeschätzt fühlt, ist er auch gerne Teil der Mannschaft. Und das wirkt sich auch auf das Rekrutieren künftiger Mitarbeitender aus. Eine positive Kommunikations- und Teamkultur führt viel stärker dazu, dass das Unternehmen als Arbeitgebender empfohlen wird – und sie sorgt auch für einen niedrigeren Krankenstand und schützt die Mitarbeiter eher vor psychischem Überlastungsempfinden wie Burn-out.

Mit klarem Kopf, einer guten Strategie an der Hand und stärkenorientierten Leadership Skills können Führungskräfte ihre Mitarbeitenden für die Zukunft gewinnen. Im Bild: Judith Claushues, YouMagnus AG

Mit klarem Kopf, einer guten Strategie an der Hand und stärkenorientierten Leadership Skills können Führungskräfte ihre Mitarbeitenden
für die Zukunft gewinnen. Im Bild: Judith Claushues, YouMagnus AG

Christiane Bernecker: Im Hinblick auf den Fachkräftemangel kann man die Bedeutung von Wertschätzung also gar nicht hoch genug ansetzen. Umgekehrt erreicht ein unzufriedenes Team laut einer aktuellen Studie von Terhalle und Nagel nur noch 41 Prozent der anvisierten Ziele – auch aufgrund fehlender Feedbackkultur –, das heißt, wenn das Erreichen der Ziele bisher nicht gewürdigt wurde.

Judith Claushues: Wir empfehlen dabei vor allem das Feedforward – eine in die Zukunft gerichtete, stets fördernde Einschätzung der Zusammenarbeit. Dabei spielen sicherlich erlebte Beispiele aus der vergangenen Zusammenarbeit eine Rolle, der Fokus richtet sich aber deutlich darauf: Wie wollen wir ab heute miteinander umgehen, zusammenarbeiten?

DIEWIRTSCHAFT: Wie starten Sie in die Zusammenarbeit mit neuen Kunden?

Christiane Bernecker: Wir hören genau hin, was unsere Kunden verbessern, ändern oder neu aufbauen möchten. Dazu gehen wir in Sparringsgespräche mit Verantwortlichen, oftmals zunächst der Geschäftsführung. Im nächsten Schritt erfassen wir mit einer Bestandsaufnahme die Situation zu den ausgewählten Schwerpunktthemen wie Leadership, Teamarbeit oder Unternehmenskultur vor Ort gemeinsam mit Schlüsselpersonen. Daraus ergibt sich sehr schnell ein Fahrplan mit Maßnahmen – in der Regel eine Mischung aus Workshops für unternehmensspezifische Lösungen, Einzelcoachings und Verhaltenstrainings.

DIEWIRTSCHAFT: Gehen Sie denn immer in gleicher Art und Weise in Ihren Projekten vor?

Judith Claushues: Nein, Schablonen passen heute immer weniger und erzielen häufig keine nachhaltige Wirkung und Verbesserung. Je nach Unternehmenssituation und Anliegen der Kunden unterscheiden sich Vorgehensweisen und Inhalte durchaus deutlich.

DIEWIRTSCHAFT: Oft heißt es ja: Der Fisch stinkt vom Kopfe her – was, wenn die Führungskräfte das nicht erkennen?

Judith Claushues: Wir versuchen, ihnen das dann nach Kennenlernen der Situation konstruktiv und lösungsorientiert zu spiegeln. Dazu ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe nötig, doch auch das muss manchmal erst schrittweise aufgebaut werden. Wir wollen also in unserer Kommunikation selbst als Rolemodel fungieren und zeigen, wie es gelingt, auch über schwierigste Situationen sich gut verständigen zu können und Lösungsschritte auszuprobieren.

DIEWIRTSCHAFT: Lässt sich Leadership/Führung denn überhaupt erlernen?

Christiane Bernecker: Führen ist keine Fertigkeit, die man über punktuelle Methodenvermittlung erlernt und danach jederzeit perfekt abrufen kann. Es ist ein ständiges, situationsspezifisches Lernen und Weiterentwickeln. Üben, üben, üben! Und nicht jede Methode eignet sich für jede Person. Allerdings sind Führungskräfteentwicklungsprogramme sozusagen unser Steckenpferd – also den Ansatz auszuwählen, der für das Unternehmen aktuell den meisten Mehrwert bringt. Im Fokus steht fast immer die stärkenorientierte Führung in Verbindung mit Lean Leadership. Das bedeutet, Mitarbeitende und Kultur so zu stärken, dass möglichst alle ihre Fähigkeiten gerne einsetzen und sich für gute Ergebnisse engagieren.

Das Bild einer wirksamen, modernen Führungskraft hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Will sie dieses Engagement erreichen, wird das heute viel stärker mit sozialer Kompetenz und agilen Leadership Skills in Verbindung gebracht. Mit einer konstruktiven Lernkultur, Empathie und Offenheit für Innovationen. Deshalb gilt es heute, ein stimmiges Gesamtbild von individueller stärkenfördernder Führung mit aktivierenden und inspirierenden gemeinsamen Erlebnissen wie Teamevents, gemeinsamem sozialem Engagement oder Förderprogrammen zu schaffen.

Das Leadership- und Persönlichkeitsprofil DiSG ist die Basis dafür, dass Führungskräfte Antennen entwickeln, welche Potenziale und Stärken vorhanden sind. Im Bild: Christiane Bernecker, YouMagnus AG

Das Leadership- und Persönlichkeitsprofil DiSG ist die Basis dafür,
dass Führungskräfte Antennen entwickeln, welche Potenziale und
Stärken vorhanden sind. Im Bild: Christiane Bernecker, YouMagnus AG

DIEWIRTSCHAFT: Und wie sieht das konkret aus, wenn Entscheider die Schulbank drücken?

Judith Claushues: Es ist weniger Klassenzimmer und mehr die Couch: Selbsterkenntnis ist der erste Weg – jeder Jeck ist anders, wie der Kölner sagt. Wir setzen häufig das Leadership- und Persönlichkeitsprofil DiSG (www.DiSG-Modell.de) ein. Das ist die Basis dafür, dass Führungskräfte Antennen entwickeln, welche Potenziale und Stärken bei ihnen selbst und dann auch im Team vorhanden sind.

„Talent wins games but teamwork and intelligence win championships” Michael Jordan, Basketballlegende

Christiane Bernecker: Die Basketballlegende Michael Jordan sagt es schon treffend. Die Zeit, die man in Teamentwicklung steckt, lohnt sich, um langfristige gute Resultate zu erreichen. Die Herausforderungen, die es mit sich bringt, wie etwa ein erhöhter Abstimmungsaufwand, Anforderungen nicht nur an die Hard-, sondern auch die Soft Skills rentieren sich. Komplexe Projekte werden möglich, die Ergebnisse besser, kreativer und innovativer und die Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeitenden ausgeprägter. Wir helfen Teams gerne auf diesem Weg.

DIEWIRTSCHAFT: Wenn gute Teamarbeit eine so wichtige Rolle spielt, was können Sie dazu für Tipps geben?

Judith Claushues: Eine gute Ausgangsbasis für erfolgreiche Teams gibt die Teampyramide von Lencioni (2002) wieder. Aufbauend auf gegenseitigem Vertrauen sind eine Konfliktkultur, Verbindlichkeit, Verantwortung für das Ganze und ein Fokus auf Resultate Merkmale eines erfolgreichen Teams.

DIEWIRTSCHAFT: Sie arbeiten auch international, das heißt, Sie reisen viel?

Christiane Bernecker: Generell sind wir oft unterwegs, da wir aber auch sehr gerne in unserem Office im schönen Köln sind, passt es gut, dass heute sehr vieles digital und in Online-/Remote-Workshops geschieht, das ist super! Zudem haben wir ein wirklich tolles Team mit erfahrenen Kollegen, das uns bei unseren Kundenprojekten auch vor Ort unterstützt. In den internationalen Projekten arbeiten muttersprachliche Berater und Trainer für uns, das ist für die Verständigung vor Ort sehr hilfreich, so haben wir seit Jahren in Tschechien, Polen und Bulgarien enge Zusammenarbeit in unterschiedlichen Leadership-Programmen und Changeprojekten.

DIEWIRTSCHAFT: Was sind Ihre persönlichen Tipps, die jedes Unternehmen mitnehmen kann?

Christiane Bernecker: Erhöhen Sie den Wohlfühlfaktor – das kann natürlich auch der berühmte Kicker in der Kaffeeküche sein. Doch wichtiger: Kommunikation auf Augenhöhe, gemeinsame Erfolgserlebnisse und konstruktive Fehlerkultur! Und es geht auch remote: einfach einen informellen Austausch zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden ins Tagesgeschäft einbauen.

Judith Claushues: Ein Unternehmen zu schaffen, in dem der positive Blick nach vorne gestärkt wird, mit Klarheit und Zuversicht vermittelt durch die Führungskräfte.

(Monika Eiden)

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe DIE WIRTSCHAFT 08.2023 

Bildquellen

  • Judith Claushues und Christiane Bernecker: Alex Weis

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