Gutes Storytelling

Warum gutes Storytelling wichtiger ist als jede PowerPoint-Präsentation

by Redaktion
Swantje Freifrau von Massenbach: Mit dem richtigen Storytelling wird jeder Vortrag ein HinhörerBildquelle Farina Renegade

Vor einiger Zeit, bei einem Vortrag zum Thema Kommunikation, habe ich mir einen ordentlichen Zeitpuffer eingebaut und bin am Ende doch ziemlich ins Schwitzen gekommen. Wie das manchmal so ist: Stau, Umleitung, die Müllabfuhr vor einem und plötzlich wird es richtig knapp.

Als ich dann vorne stand, war mein Gedanke, jetzt noch mal zehn Minuten sich zu sammeln, das wäre toll, aber die gab es leider nicht. Also habe ich es direkt eingebaut in meine Rede und gesagt, „Falls ich vielleicht noch etwas durch den Wind wirke, ich habe gerade eine kleine Odyssee hinter mir“ und kurz geschildert, wie es war. Im Publikum waren viele nickende Köpfe zu sehen und es war klar, das ist dem einen oder der anderen auch schon mal passiert. Genau das ist gutes Storytelling. Denn ich habe etwas aus dem echten Leben erzählt, etwas, das viele kennen, weil sie es selbst schon mal erlebt haben.
Storytelling bedeutet nicht, dass wir uns Geschichten ausdenken oder unser Privatleben ausbreiten müssen. Es bedeutet, Menschen mitzunehmen, ihnen das Gefühl zu geben, dass da auf der Bühne kein Sprechautomat steht, sondern ein Mensch. In den Medientrainings erlebt man immer wieder, dass Menschen unglaublich viel Fachwissen haben, sie kennen ihre Produkte, ihre Dienstleistungen und ihre Themen in- und auswendig, aber sie erzählen leider keine echte Geschichte. Was für verpasste Chancen.

Ein guter Vortrag ist wie ein gutes Drehbuch

Denn nichts ist langweiliger, als die 17. Grafik präsentiert zu bekommen, die man in der dritten Reihe kaum noch lesen kann und die mit so vielen Fremdwörtern vorgetragen wird, dass man spätestens nach drei Minuten anfängt, aufs Handy zu schauen, weil man nicht mehr folgen kann.
Dabei liegt das meistens gar nicht am Thema, es liegt daran, wie die Geschichte erzählt wird. Wenn da nichts ist, was uns neugierig macht, was uns emotional packt, dann sagt unser Gehirn: „Okay, versteh ich nicht, finde ich langweilig, bin ich raus.“ Denn wir lieben gut erzählte Geschichten, wir möchten wissen, was passiert ist, welche Herausforderung es gab und wie sie gelöst wurde. Im Grunde ist jeder gute Vortrag wie ein gutes Drehbuch, es ist eine kleine Heldenreise.

Deshalb arbeite ich in meiner Medienakademie mit den Kunden immer wieder an fünf Fragen:

  • Wie schaffe ich einen Einstieg, der neugierig macht?
  • Wie erzähle ich es, dass Menschen sich wiedererkennen?
  • Wo ist der Spannungsbogen?
  • Was soll am Ende hängen bleiben?
  • Welche Lösung möchte ich meinem Publikum mitgeben?

Wer diese Fragen beantwortet, wird anders wahrgenommen. Deshalb steht für mich fest, dass gutes Storytelling definitiv besser ist als jede PowerPoint-Präsentation.

Spitzensportler trainieren auch, um ihr Ziel zu erreichen

Niemand muss beim ersten Vortrag perfekt sein, darum geht es überhaupt nicht. Es geht darum, besser zu werden, Sicherheit zu gewinnen und mit jeder Präsentation mehr Freude daran zu haben, Menschen zu begeistern und ihnen eine Lösung anzubieten. Das wird im Medientraining mit den Klienten geübt und ja, es braucht Zeit und Geduld, bis man vom möglicherweise langweiligen Redner zum mitreißenden Vortragenden wird. Deshalb heißt es ja auch Medientraining.
Das ist wie bei Spitzensportlern, die gewinnen keine Medaillen, nur weil sie einmal vorher trainiert haben. Die besten Athleten trainieren regelmäßig, analysieren ihre Leistung und entwickeln sich Schritt für Schritt weiter. Genauso ist es auch beim Storytelling.
>Die Freude ist immer groß, wenn Teilnehmer nach einem Training sagen: „Ich hätte nie gedacht, dass mir Menschen so aufmerksam zuhören“, oder wenn sie erzählen, dass plötzlich kaum noch jemand aufs Handy schaut und sie das Gefühl haben, wirklich bei ihrem Publikum angekommen zu sein. Genau darum geht es.
>Wenn Menschen nach einem Vortrag nicht nur sagen: „Das war interessant“, sondern sich Wochen später noch daran erinnern, worüber gesprochen wurde, dann hat gutes Storytelling seine größte Stärke entfaltet und das Medientraining war erfolgreich.


Gastautorin: Swantje Freifrau von Massenbach, leitet die gleichnamige Medienakademie in Köln.

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