Vor knapp 30 Jahren fing seine Reise bei Ströer an, seit 20 Jahren ist der gebürtige Ravensburger an der Spitze des Konzerns – bereits ein Jahrzehnt in seiner derzeitigen Position.
Die Wirtschaft: Mit deutschlandweit circa 13.740 Mitarbeitern an rund hundert Standorten ist Ströer eines der größten deutschen Medienhäuser und gleichzeitig vielen Menschen „nur“ als Außenwerber bekannt. Wie würden Sie selbst in wenigen Sätzen beschreiben, wofür Ströer heute steht?
Alexander Stotz: Ströer verbindet die Stärken eines nationalen Außenmedien-Spezialisten mit einem starken Portfolio in Digital-, Online- und Dialogmedien sowie DaaS & E Commerce. Im Kernbereich der Außenmedien betreiben wir rund 300.000 Medienträger – von klassischen Plakatflächen über exklusive Werberechte an Bahnhöfen bis hin zu einem der größten digitalen Außenmedien Netze Deutschlands. Durch unsere digitalen Medien sind wir heute weit mehr als nur eine Werbeplattform. Via Ad-hoc-Meldungen warnen und informieren wir beispielsweise die Menschen in der Stadt in Echtzeit – vor Extremwetter genauso wie vor Bombenentschärfungen; ein Thema, das gerade in Köln immer wieder aktuell ist.
Die Wirtschaft: Die Medienbranche befindet sich seit Jahren im grundlegenden Wandel. Welche Veränderungen haben Ströer am stärksten gefordert und warum?
Alexander Stotz: Die stärksten Veränderungen waren die Digitalisierung der Mediennutzung sowie der Trend zu datengetriebenem Marketing. Gleichzeitig hat die Fragmentierung der Medienlandschaft neue Anforderungen an Messbarkeit, Transparenz und Effizienz von Kampagnen geschaffen. Zudem hat uns die Digitalisierung die Möglichkeit gegeben, Mehrwerte für die Menschen in der Stadt, für unsere kommunalen Partner und deren Krisenstäbe anzubieten.
Wir sind seit 2018 Warnmultiplikator des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenwarnung oder haben verschiedene Kooperationen – z. B. mit dem Deutschen Wetterdienst, dem Verfassungsschutz und zahlreichen weiteren sicherheitsrelevanten Institutionen. In Köln unterstützen wir so auch den Krisenstab der Stadt Köln. Dieser kann mit einer direkten Schnittstelle seine Warnungen in Echtzeit über unsere Screens ausspielen.
Darüber hinaus unterstützen wir die lokale Kultur mit neuen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten und machen gesellschaftliches Engagement durch reichweitenstarke Sichtbarkeit im Stadtraum präsent – beispielsweise im Rahmen des CSD oder des Projekts Kunst an Kölner Litfaßsäulen.
Köln als Heimathafen des Unternehmens
Die Wirtschaft: Ströer hat seine Konzernzentrale in Köln und ist hier verwurzelt – gleichzeitig agiert das Unternehmen bundesweit. Inwiefern prägt Köln bis heute die Unternehmenskultur, Entscheidungsprozesse oder das Selbstverständnis von Ströer?
Alexander Stotz: Köln ist seit Gründung von Ströer 1990 unser Heimathafen und deutlich mehr als nur der Sitz der Konzernzentrale. Die typisch kölsche Mischung aus Weltoffenheit, Pragmatismus und Bodenständigkeit prägt unsere Kultur: Wir sind ein großes Medienhaus, funktionieren aber in vielen Bereichen wie ein gewachsenes Mittelstandsunternehmen – nahbar, direkt, unkompliziert. Diese Haltung spiegelt sich in unseren Entscheidungsprozessen wider: kurze Wege, direkte Kommunikation, hohe Umsetzungsorientierung.
Die Wirtschaft: Ist die Stadt für Ströer eher ihr Ursprung, ihre Gegenwart oder ihr Kooperationspartner?
Alexander Stotz: Für uns ist Köln beides: Ursprung und Gegenwart – und zunehmend auch Kooperationspartner. Als Ursprung steht Köln für unsere Geschichte als Außenwerber, der aus der Region heraus bundesweit gewachsen und zum drittgrößten Medienvermarkter geworden ist. Gleichzeitig ist Köln unsere Gegenwart: Hier sitzt die Unternehmenszentrale, von hier aus steuern wir unser deutschlandweites Netzwerk von rund hundert Standorten. Als Kooperationspartner sind wir für die Stadt immer dann relevant, wenn es um die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums geht.
Zwischen Chance und Verpflichtung
Die Wirtschaft: Ströer engagiert sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen – etwa im Rahmen von Partnerschaften mit Organisationen wie UNICEF oder Kampagnen zu mentaler Gesundheit, Desinformation oder Kinderrechten. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche gesellschaftlichen Themen Sie aktiv unterstützen und welche nicht?
Alexander Stotz: Unser gesellschaftliches Engagement orientiert sich an Themen, bei denen wir mit unseren Medien einen echten Hebel haben: Aufmerksamkeit schaffen, Öffentlichkeit sensibilisieren und gesellschaftliche Diskurse unterstützen. Wir engagieren uns dort, wo drei Dinge zusammenkommen: hohe gesellschaftliche Relevanz, glaubwürdige Partnerorganisationen und die Möglichkeit, mit unserer Reichweite im öffentlichen und digitalen Raum konkret zu helfen – etwa durch Aufklärungskampagnen oder Bildungsmaterialien –, zum Beispiel zu unserem Grundgesetz und der Bedeutung der Demokratie und Europa.
Die Wirtschaft: Welche Rolle spielt dabei die besondere Reichweite von Ströer Medien im öffentlichen Raum – und sehen Sie darin eher eine Chance, eine Verpflichtung oder beides?
Alexander Stotz: Unsere urbane Reichweite ist beides: eine große Chance und eine klare Verpflichtung. Wir erreichen täglich Millionen Menschen in nahezu allen Lebenswelten im öffentlichen Raum. Das bedeutet für uns, verantwortungsvoll mit Inhalten umzugehen, auf seriöse Absender und Contentpartner zu achten und unsere Medien regelmäßig für gesellschaftlich relevante Botschaften zur Verfügung zu stellen. Von Kinderrechten über Gesundheitskampagnen bis zur Unterstützung in Krisen- und Gefahrensituationen, in denen unsere Medien beispielsweise offizielle Hinweise von Bundesministerien und Kommunen wie der Stadt Köln verstärken – wir machen sie in der breiten Bevölkerung sichtbar.
Nachhaltigkeit ist bei Ströer fest verankert, etwa durch die Digitalisierung der Außenmedien oder ökologische Stadtmöblierung.
Die Wirtschaft: Wo sehen Sie dabei den größten realen Hebel im eigenen Kerngeschäft?
Alexander Stotz: Der größte reale Hebel liegt dort, wo wir direkt an unserer Infrastruktur ansetzen: bei der Digitalisierung und Effizienzsteigerung unserer Medien sowie bei nachhaltiger Stadtmöblierung. Digitale Medien ermöglichen eine deutlich effizientere Aussteuerung von Kampagnen – Inhalte können situativ, zeitlich und lokal angepasst werden. Das ermöglicht, Veranstaltungen genauso lange zu bewerben, wie tatsächlich noch Tickets da sind, auf kurzfristige Locations-Veränderungen hinzuweisen – oder die spezielle Mittagstischkarte zu promoten. Durch diese Flexibilität können Streuverluste reduziert und die Auslastung unserer Netze kann optimiert werden. Zudem vermeiden sie Bewirtschaftungsverkehr und reduzieren den Einsatz und die Entsorgung von Papier und Kleister.
Bildquelle Ströer / Oliver ZitzaStröer prägt mit seiner Außenwerbung seit Jahrzehnten das Stadtbild.
Was viele nicht wissen: Das Produktportfolio ist deutlich breiter aufgestellt.
Fest verankert im öffentlichen Raum
Die Wirtschaft: Welche Verantwortung sehen Sie für Ströer in Zukunft – nicht nur als Medienunternehmen, sondern als Akteur, der Städte, Öffentlichkeit und Informationsräume aktiv mitgestaltet?
Alexander Stotz: Als Medienunternehmen mit starker Präsenz im öffentlichen Raum tragen wir Verantwortung weit über klassische Kommunikationskampagnen hinaus. Wir sind Mitgestalter von Stadträumen, Informationswegen und öffentlichen Diskursen.
In Zukunft sehen wir unsere Verantwortung in drei Dimensionen: erstens in der verlässlichen Bereitstellung von Informationen – etwa über unsere Nachrichtenangebote wie t online und unsere Netze aus digitalen Stadtinformationsanlagen. Zweitens in der fairen, transparenten und datenschutzkonformen Nutzung von Daten für zielgerichtete Kommunikation. Und drittens in der aktiven Unterstützung gesellschaftlicher Anliegen, die Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt stärken.
Die Wirtschaft: Betrachten Sie Köln einmal mit den Augen eines Touristen: Was sieht man/er von der Stadt – dank Ströer – vielleicht anders oder bewusster?
Alexander Stotz: Wer als Tourist nach Köln kommt, begegnet uns an vielen Stellen – unsere Medien begleiten Menschen vom Bahnhof oder Flughafen über ÖPNV-Knotenpunkte bis in die Veedel, zu Museen, Konzerten oder Fußballspielen.
Dank Ströer sieht man die Stadt bewusster in ihrer Vielfalt: Veranstaltungen, Kulturangebote, lokale Gastronomie, Handel und Services werden sichtbar gemacht und erzählen gemeinsam eine Geschichte darüber, was Köln ausmacht. Gleichzeitig sorgen unsere digitalen Medien und Stadtmöbel dafür, dass wichtige Informationen – von Stadtplänen über Eventhinweise bis zu Warnmeldungen – präsent sind und Besucher sich intuitiv orientieren können. Damit sind wir gewissermaßen ein Teil der „visuellen Visitenkarte“ der Stadt.
Jana Leckel
