Mitarbeiterwohnen in Deutschland

Immer wichtiger im angespannten Wohnungsmarkt

by Redaktion
Mitarbeiterwohnen kann zu einer Win-win Situation führen.Bildquelle Foto von Jakub Żerdzicki auf Unsplash

Mitarbeiterwohnen wird immer relevanter. Dabei geht es u.a. um Wohnraum, der von Unternehmen bereitgestellt wird, damit Mitarbeiter dort wohnen können. In Zeiten der Wohnungskrise wird das besonders gerne gesehen. Auch finanzielle Hilfen und weitere Maßnahmen durch Unternehmen sind gefragt. Fachkräfte sollen so gewonnen und an das Unternehmen gebunden werden.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat einen neuen Trend identifiziert. In „Mitarbeiterwohnen in Deutschland. Zwischen steigender Relevanz und fortbestehenden Hürden“, veröffentlicht Ende März, hat das IW Köln diesen ausgeführt. Die Studie untersucht auf Basis einer Unternehmensbefragung mit dem IW-Personalpanel die Bedeutung des Mitarbeiterwohnens, besonders im Hinblick auf den Fachkräftemangel und die angespannten Wohnungsmärkte in Deutschland. Es sei nicht überall in Deutschland zu finden, aber es hat sich herauskristallisiert, wie bedeutend Mitarbeiterwohnen mittlerweile ist.

Positive Merkmale im Mitarbeiterwohnen

Gut ein Fünftel der Unternehmen unterstütze die Beschäftigten indirekt bei der Wohnraumsuche, etwa durch organisatorische oder finanzielle Hilfen. Es gibt auch interne Miet- oder Wohnungsbörsen und Unterstützung bei Maklerkosten. Fast ein Zehntel der befragten Betriebe stelle direkt Wohnraum bereit. Am stärksten engagiert würden sich Unternehmen in den gesellschaftsnahen Dienstleistungen zeigen (personalintensiv & standortgebunden). 27 Prozent unterstützen, 14 Prozent würden Wohnraum zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen würden von positiven Effekten auf die Rekrutierung und langfristige Bindung von Fachkräften berichten, die Effekte bei Auszubildenden und dual Studierenden seien geringer, aber ebenfalls relevant.

In wirtschaftlich starken Städten könnte der Bedarf am höchsten sein. Ein knappes und teures Wohnungsangebot könne Rekrutierungsprozesse verzögern, Einstellungsentscheidungen beeinflussen oder dazu führen, dass Stellenangebote abgelehnt werden. Der regionale Wohnungsmarkt habe sich damit, ähnlich wie Infrastruktur oder Betreuungsangebote, zu einem relevanten Standort- und Wettbewerbsfaktor zur Gewinnung von Fachkräften entwickelt. Deshalb werde das entsprechende Engagement von Unternehmen immer wichtiger. Arbeitnehmer profitieren laut der Studie u. a. von geringeren Wohnkosten und kürzeren Pendelzeiten, besonders wenn Homeoffice oder Remote-Work keine umfassende und dauerhafte Option sei. Damit stelle Mitarbeiterwohnen auf betrieblicher Ebene eine potenziell wirkungsvolle Antwort auf Engpässe am Arbeitsmarkt dar. Für die gesamtwirtschaftliche Bewertung sei entscheidend, welchen Beitrag Mitarbeiterwohnen zur Lösung der strukturellen Probleme auf den Wohnungsmärkten leisten könne.

Hürden

Es seien aktuell eher die Großunternehmen, denen Mitarbeiterwohnen möglich ist. Am geringsten ausgeprägt sind die entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen im Bereich Groß- und Einzelhandel sowie Logistik. Nur wenige Unternehmen planen laut der Studie, in den kommenden fünf Jahren neue Angebote einzuführen. Als zentrale Hemmnisse sollen Unternehmen ungünstige Rahmenbedingungen für die Anmietung von Wohnraum, fehlende Kooperationspartner, rechtliche, organisatorische und steuerliche Unsicherheiten sowie einen hohen administrativen Aufwand genannt haben. Personalplanung ist zudem teilweise viel kurzfristiger, als ein Mietverhältnis angelegt ist. Eine vertragliche Koppelung des Mietverhältnisses an das Arbeitsverhältnis sei aber als Maßnahme theoretisch möglich.

Fazit

Als punktuelle Maßnahme könne das Mitarbeiterwohnen laut dem IW-Trend-Bericht zur Entspannung der Wohnungsmärkte beitragen. Während der Erwerb oder die Anmietung von Bestandswohnungen Verdrängungseffekte erzeugen könnten, biete der Neubau, vor allem auf Betriebsgrundstücken, Potenzial für eine echte Angebotsausweitung. Eindeutige Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungen und eine enge Kooperation von Arbeitgebern und Wohnungswirtschaft seien entscheidend.


Karoline Sielski

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