Rekord-Auswanderung in 2025

Warum Fachkräfte Deutschland verlassen

by Redaktion
2025 gab es Rekord-Auswanderungen aus DeutschlandBildquelle KI-generiert mit Gemini

Das Statistische Bundesamt hat diesen Sommer erneut die Zu- und Abwanderungen in Deutschland verzeichnet. 1,25 Millionen Menschen sind ausgewandert, 1,48 Millionen sind zugewandert. Hervorzuheben ist ein Höchststand seit Erhebungsbeginn: Mit 289.000 registrierten Fortzügen deutscher Staatsangehöriger sind so viele Deutsche in einem Jahr abgewandert wie noch nie, ein historischer Rekord also. Was könnten Gründe dafür sein?

Deutsche wandern aus

Etwa 23 Prozent aller Auswanderungen in Deutschland in 2025, also ca. ein Fünftel, entfallen auf deutsche Staatsbürger. Währenddessen kamen 191.890 Deutsche aus dem Ausland zurück. Das macht einen Netto-Wanderungsverlust von 97.000 Deutschen aus. 2025 ist damit ein Rekord-Auswanderungsjahr für Deutsche. Allerdings sei dieser Wert laut „Deutsche im Ausland e. V.“ mit anderen EU-Ländern vergleichbar. Die beliebtesten Zielländer sind laut Statistischem Bundesamt die Schweiz mit etwa 23.000 Fortzügen, Österreich mit 14.000 Fortzügen und Spanien mit 10.000 Fortzügen. Im Zeitraum 2013 bis 2022 lag der durchschnittliche jährliche Nettoverlust bei ca. 0,08 Prozent laut Statistischem Bundesamt, also geringer, mit etwa 58.000 deutschen Staatsangehörigen pro Jahr.

Fachkräftestrom

Daten aus der Umfrage des „German Emigration and Remigration Panel“ (GERPS) ergeben angegebene Beweggründe der Auswanderer. Es wurden vom GERPS deutsche Staatsangehörige im Alter von 20 bis 70 befragt, die zwischen Juli 2017 und Juni 2018 ausgewandert oder zurückgekehrt sind. Das Ergebnis: Vor allem jüngere Akademiker gehen zeitweise ins Ausland, um sich weiterzuqualifizieren und dann wieder zurückzukehren. Es waren in dem Zeitraum zu 63 Prozent 25- bis 39-Jährige, zu etwa 75 Prozent Akademiker, die planen, zeitlich befristet für ein paar Jahre ins Ausland zu gehen.

Wenn heutige Verhältnisse ähnlich sind, wären damit keine langfristigen Verluste von hoch qualifizierten Fachkräften zu befürchten. Um die kurzzeitigen Effekte aufzufangen, könnte die Politik sich allerdings bemühen, im Gegenzug hoch qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Zudem könnte zahlenmäßig bedeutend sein, ausländische Fachkräfte auch langfristig im Land zu halten, um das Know-how und die Erfahrung zu halten, statt sie abzugeben. Mögliche Motivationen sind, genau wie diese, die für Deutsche bestehen, wenn sie zeitweise ins Ausland gehen: mehr Gehalt, Aufstiegschancen durch die Zusatzerfahrung, das gewonnene Wissen und das Engagement, eine höhere Selbstständigkeit durch die getätigte Flexibilität.

Internationale Migration

Die internationale Migration ist insgesamt gewinnbringend für eine nationale Wirtschaft, besonders, wenn man summa summarum mehr Fachkräfte dazugewinnt, als sie zu verlieren, ob deutsche oder ausländische. Das sollte der Anspruch der deutschen Politik sein. Neue Impulse und Erfahrungen können Innovationen fördern. Einen Fachkräftemangel oder eine verstärkte bzw. dauerhafte Abwanderung der Fachkräfte könnte man sich im internationalen Wettbewerb nicht leisten.

Der Verein Deutsche im Ausland e. V. gibt an, das monatliche Nettoeinkommen steige durch eine Auswanderung im Schnitt um etwa 1.200 Euro. Über 60 Prozent würden eine Rückkehr nach Deutschland bei der Auswanderung einplanen. Der Akademikeranteil unter den Rückkehrern läge bei 69 Prozent. Wenn Aspekte, wie Steuern, Wohnkosten, Lebensqualität und politische Zufriedenheit in Deutschland, deutsche Fachkräfte weiterhin nicht abschrecken, um zurückzukommen, gibt es kein Problem. Da es in diversen Branchen in Deutschland dennoch einen Fachkräftemangel gibt, muss die Politik gezielt fördern. Unter anderem auch wegen der Verrentungswelle der Babyboomer. Laut Fachkräftereport 2025/2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer fehle Personal mit Weiterbildungs- und Hochschulabschlüssen besonders häufig in Bereichen, die für Zukunftsaufgaben wie Digitalisierung, E-Mobilität, Energiewende sowie Infrastrukturausbau zentral sind. Fachkräftegewinnung und -haltung sind entsprechend auch Mittel, um Deutschland fit für die Zukunft zu machen.

Weitere spannende Beiträge