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LANXESS arena gehört zu den Top Ten in der Welt: Geschäftsführer Stefan Löcher im Interview

LANXESS arena gehört zu den Top Ten in der Welt: Geschäftsführer Stefan Löcher im Interview - copyright: Louis Bürk
LANXESS arena gehört zu den Top Ten in der Welt: Geschäftsführer Stefan Löcher im Interview
copyright: Louis Bürk

Die Kölner LANXESS arena generiert einen Jahresumsatz von 45 Millionen Euro. Das „Henkelmännchen“ auf der schäl Sick zieht bei rund 170 Veranstaltungen im Jahr zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Besucher an. Die Zahlen sprechen für sich und Arena-Chef Stefan Löcher strahlt Zuversicht aus, dass die Spitze des Eisbergs noch nicht erreicht ist.

Die Wirtschaft Köln: Herr Löcher, welche Wirtschaftskraft steckt in der LANXESS arena?

Stefan Löcher: Also mal vorneweg: Wir zahlen ganz ordentlich Gewerbesteuer (lacht). Aber kommen wir zu konkreten Zahlen. Wir haben 250 Beschäftigte, nicht mitgerechnet sind hier Zulieferer, Dienstleister etc. Mit denen zusammen schaffen wir sogar einige Tausend Arbeitsplätze für Köln. Darüber hinaus holen wir sicher mindestens 450.000 Hotelgäste und Übernachtungen in die Stadt. Dies ergaben Besucherumfragen aus dem vergangenen Jahr. Wir haben kein Gutachten in Auftrag gegeben, wollen also auch besser nicht mit Zahlen um uns werfen, aber wir sind der Meinung, dass wir hier 500 bis 600 Millionen Euro Umwegrendite jährlich nach Köln bewegen durch Faktoren wie Hotel, Gaststättengewerbe, Transport, Verkehr oder Tourismus. Wenn nur 30 Prozent von 1,8 Millionen Arenabesuchern im Jahr hier übernachten, kann man sich ja ausrechnen, was das in die Kölner Wirtschaftskassen spült.

Die Wirtschaft Köln: Welche Strahlkraft geht von der Arena aus?

Stefan Löcher: Was das Einzugsgebiet betrifft, ist eine allgemeine Reisefreudigkeit zu beobachten. Früher kamen die Leute aus einem Radius von zwischen 100 und 150 Kilometern um Köln, heute hat sich die Entfernung auf locker 250 bis 350 Kilometer ausgeweitet, also das gesamte Land NRW. Bei internationalen Konzerten reisen unsere Gäste von noch weiter an. Phil Collins beispielsweise bespielt die Arena fünfmal in 2017, daneben gastiert er nur noch in Paris und London. Bei diesen fünf Konzerten werden wir knapp 100.000 Gäste beherbergen. Oder nehmen Sie die Eishockey-WM, die nächstes Jahr bereits zum dritten Mal in Köln stattfindet, eine Sensation an sich! Da kommen 400.000 bis 500.000 nationale und internationale Gäste hierhin. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass circa 30 Prozent der Gäste aus dem Ausland anreisen. Auch die müssen alle übernachten.

Die Wirtschaft Köln: Warum ist die Arena so beliebt?

Stefan Löcher: Da spielen viele Faktoren zusammen: Erst mal wird die Arena an sich sehr gut angenommen. Die Stadt hat ihren Charme und viele Gäste verbinden mit einem Konzertbesuch auch gleich noch eine Tour durch die City. Außerdem bieten wir vielseitige Events an – von Sport über Konzerte, Theater, Musicals, Social-Media-Events bis hin zu TV-Aufzeichnungen, wie „Germanys next Topmodel“, ist alles dabei. Unsere Partner schätzen, neben der hohen Sitzplatzkapazität, auch unsere Erfahrung. Durch unser Know-how haben wir uns über die Jahre hohes Vertrauen erarbeitet, allen voran beim Deutschen Eishockeybund. Aber auch mit dem Kölner Sportamt arbeiten wir seit vielen Jahren eng und erfolgreich zusammen.

Die Wirtschaft Köln: Was zieht die Stars an?

Stefan Löcher: Auch hier sind mehrere Gründe entscheidend. Als Erstes musst du als Veranstalter viele Tickets verkaufen, das klappt zum Glück in Köln sehr gut. Hoch im Kurs steht auch, dass die Gäste in der Arena gut mitgehen, das mögen die Künstler. Außerdem wird die Multifunktionalität der Arena sehr geschätzt, wir unterscheiden hier die Theatervariante für 3.000 bis 4.000 Gäste, die kleine Arena für 5.000 bis 8.000 Besucher und die große Arena mit einer Kapazität bis zu 18.000 Plätzen. Das heißt, wir bieten eine hohe Flexibilität, je nachdem, wie der Ticketverkauf läuft.

Die Wirtschaft Köln: Wie steht es um die Auslastung der Arena?

Stefan Löcher: Im Jahr haben wir bis zu 180 Veranstaltungen, manchmal drei an einem Tag und oft an sieben Tagen in der Woche. Rechnet man die circa 40 Aufbautage hinzu, bewegen wir uns mittlerweile nahe an der Vollauslastung.

LANXESS arena kostet zehn Millionen Euro Pacht

LANXESS arena-Chef Stefan Löcher strahlt Zuversicht aus - copyright: Alex Weis
LANXESS arena-Chef Stefan Löcher strahlt Zuversicht aus
copyright: Alex Weis

Die Wirtschaft Köln: Was kostet eine leere Arena an einem Tag?

Stefan Löcher: In erster Linie Nerven, denn Leerstand frisst richtig viel Geld. Hier eine Vergleichszahl zum Nachrechnen: Wir zahlen zehn Millionen Pacht im Jahr plus Mitarbeiterhonorare und, und, und …

Die Wirtschaft Köln: Wo rangiert die Arena im bundesweiten bzw. weltweiten Vergleich?

Stefan Löcher: In Deutschland gelten wir schon lange als bestbesuchte Arena. In Europa rangieren wir unter den Top 3 und weltweit unter den Top 10 der Arenen.

Die Wirtschaft Köln: Wie bewerten Sie die Entwicklung, seit Sie Geschäftsführer der Arena sind, also seit dem Jahr 2000?

Stefan Löcher: Ich bin superzufrieden. Seit 2009 zählen wir zu den Top 10 weltweit in Sachen Auslastung. Seit 2009 haben wir auch endlich das Insolvenzfahrwasser verlassen. Die ersten zehn Jahre waren wir insolvenzgefährdet. Das war hart für uns alle.

Die Wirtschaft Köln: Worüber freuen Sie sich – jetzt zu Jahresende – besonders?

Stefan Löcher: Darüber, dass wir nach unserem absoluten Rekordjahr 2015 in 2017 noch einen draufsetzen werden.

Die Wirtschaft Köln: Woher wissen Sie das jetzt schon?

Stefan Löcher: Weil wir bis dato schon so einen unglaublich hohen Buchungsstand haben.

Das Geschäft wird härter, da die Risiken immer größer werden!

Die Kölner LANXESS arena generiert einen Jahresumsatz von 45 Millionen Euro. - copyright: LANXESS arena
Die Kölner LANXESS arena generiert einen Jahresumsatz von 45 Millionen Euro.
copyright: LANXESS arena

Die Wirtschaft Köln: Was heißt das für das Unternehmen LANXESS arena?

Stefan Löcher: Wir gehen nach 17 Jahren mit guten Konzepten in die Investitionsphase, um die Arena noch weiter nach vorne zu bringen. Konkret investieren wir in neue Licht- und Soundkonzepte, denn wir stoßen bereits an unsere dachstatischen Grenzen. Das Konzertgeschehen hat sich verändert. Es wird immer mehr Ton- und LED-Technik ins Dach gehängt und darauf müssen wir reagieren.

Die Wirtschaft Köln: Welche Probleme bringen die Veränderungen im Konzertalltag mit sich?

Stefan Löcher: Das Geschäft wird härter, da die Risiken immer größer werden. Die Künstler gehen zwar mehr auf Tour, was wir als großes Plus verbuchen, aber sie gucken dabei auch auf jeden Euro.

Die Wirtschaft Köln: Was heißt das genau?

Stefan Löcher: Die Künstler lassen sich noch mehr garantieren in den Verträgen. Das ist für uns von Nachteil, denn wir können ja nicht sagen, wie viel Tickets verkauft werden. Werden weniger Tickets verkauft als ausgemacht, müssen wir das ausgleichen und draufzahlen.

Die Wirtschaft Köln: Mal abgesehen vom wirtschaftlichen Aspekt – welche Rolle spielt die Arena noch für Köln?

Stefan Löcher: Durch uns als Event-Leuchtturm kann sich die Stadt Köln über eine regelmäßige und ausgiebige, internationale Medienpräsenz freuen. Gerade für eine Stadt, die sich selbst als Sportstadt sieht, sind unsere hochkarätigen Sport-Events wichtig, die stets den Blick von Millionen Sportfans auf diese Stadt richten. Wir sehen uns als Sportsponsor und -förderer sowie als Imageträger unserer Stadt.

Die Wirtschaft Köln: Wie kommt das zum Ausdruck?

Stefan Löcher: Beispielsweise durch niedrigere Hallenmieten für die Profis der Kölner Haie oder der RheinStars-Basketballer, aber auch durch die Akquise von prestigeträchtigen Sport-Großveranstaltungen, wie dem VELUX EHC Final 4, den Eishockey-Weltmeisterschaften oder 2019 – hoffentlich erneut – der Handball-WM.

Astrid Waligura

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