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Bauwirtschaft im Krisenmodus – Sorge vor Rezession in der Branche wächst

Zahlreiche Probleme stellen die deutschen Unternehmen aktuell vor große Herausforderungen. Doch dies drückt die Stimmung, zunehmend verbreitet sich Pessimismus. Dies zeigen zahlreiche aktuelle Konjunkturumfragen, so auch die des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Ein Viertel der Unternehmen erwartet sinkende Produktionen, besonders im Bausektor ist die Sorge groß.

Weniger Investitionen, schrumpfender Personalbestand – der Abwärtstrend in der deutschen Wirtschaft setzt sich fort. Die Coronapandemie ist weiterhin eine große, dauerhafte Belastung für die Betriebe, es stellt sich die Frage, wie groß die Auswirkungen im Winter sein werden. Zudem ist die geopolitische Lage infolge des Krieges in der Ukraine ebenfalls mit vielen Unsicherheiten verbunden. Die Energiekosten sind dramatisch angestiegen, die Inflation macht alle Waren und Vorprodukte teurer. Das IW Köln hat für die aktuelle Konjunkturumfrage fast 2.300 Unternehmen in ganz Deutschland befragt. Ein Viertel der Befragten rechnet damit, dass es im Vergleich zum Vorjahr weniger produzieren wird. 37 Prozent der Betriebe sind derzeit noch optimistisch, dass sich ihre Geschäftslage verbessern wird. Allerdings sind dies zwölf Prozent weniger als im Spätherbst 2021.

Bauwirtschaft stark belastet

Schon zum Jahresende 2021 haben bereits 20 Prozent der Befragten in der Bauwirtschaft eine negative Stimmung gemeldet. Im Frühjahr stieg ihr Anteil bereits auf 27 Prozent. Jetzt zum Sommer stieg die Zahl der negativ gestimmten Unternehmen in der Branche auf 33 Prozent an. Nur noch 25 Prozent sind optimistisch gestimmt. Zahlreiche Probleme belasten die Betriebe. Baumaterial fehlt infolge gestörter Lieferketten, Energie und Rohstoffe verteuern sich immer weiter, zudem fehlt Personal. Auch der Ausblick gestaltet sich daher schwierig. Denn neue Projekte sind infolge der zahlreichen Unsicherheiten derzeit nur schwer preislich und zeitlich zu kalkulieren. Wie stark sich die Preisspirale noch nach oben entwickelt und wann Lieferketten wieder reibungslos funktionieren, ist kaum absehbar. Der Bauwirtschaft droht eine Rezession. Auch in anderen Branchen verschlechterten sich die Umfragewerte. So auch bei den Dienstleistern, wo die Zahl der optimistisch gestimmten Betriebe im Vergleich zum Spätherbst 2021 um fast 20 Prozentpunkte zurückging. Hohe Preise belasten die Branche und auch der Fachkräftemangel ist ein großes Problem. Die Unsicherheiten in der Geopolitik führen dazu, dass in der Industrie weniger Betriebe optimistisch in die Zukunft blicken. Zwischen dem Spätherbst 2021 und Frühjahr 2022 hat sich die Zahl der Pessimisten verdoppelt. Allerdings erhöhte sich nach dem Einbruch aufgrund des Kriegsbeginns in der Ukraine die Zahl der optimistisch gestimmten Betriebe wieder um sieben Prozent, dennoch rechnen weiterhin 28 Prozent mit einer geringeren Produktion.

Fachkräftemangel belastet

Die deutsche Wirtschaft sucht weiterhin nach neuen Mitarbeitern, auch wenn eine Mehrheit im Bau aktuell nicht damit rechnet, ihre Belegschaft weiter aufzustocken. Vor allem die vom Fachkräftemangel geplagten Dienstleistungsunternehmen wollen ihre Personaldecke deutlich aufstocken. Massenentlassungen werden aber auch in besonders krisengeplagten Branchen wie der Industrie oder im Bauwesen ausgeschlossen.

Die Forscher des IW Köln bereiten vor allem die Umfrageergebnisse zu den Investitionsplänen Sorgen. Der Anteil der Unternehmen, die in diesem Jahr mehr investieren möchten, geht stetig zurück. Branchenübergreifend will zwar immer noch eine Mehrheit der Befragten mehr investieren, in einigen Branchen ist das Bild aber ein anderes. So rechnen 34 Prozent der Befragten in der Bauwirtschaft mit einem Rückgang der diesjährigen Investitionen. Noch nur 20 Prozent planen, ihre Investitionen in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu erhöhen. Einzig im Dienstleistungssektor bleiben die Investitionspläne stabil. „Die Investitionslücke, die während der Coronapandemie entstanden ist, wird in diesem Jahr nicht geschlossen“, sagt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. Dies werde das künftige Wachstumspotenzial für Deutschland spürbar bremsen. W

(Christian Esser)

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