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Die Pflege hängt am Tropf: Gutes Personal fehlt nicht nur in Köln an allen Ecken und Enden

Die Pflege an sich ist ein Fall für den Tropf. Copyright: pixabay
Die Pflege an sich ist ein Fall für den Tropf.
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Pflege-Notstand, Fachkräftemangel in der Versorgung von alten und kranken Menschen, eine immer weiter wachsende Alterspyramide, ein körperlich wie auch psychisch äußerst anspruchsvoller, zugleich niedrig bezahlter Job – eine Vielzahl an Fakten sind für die Probleme in den Berufen in diesem Bereich verantwortlich. Gutes Personal fehlt an allen Ecken und Enden. Das gilt deutschlandweit, und Köln bildet da keine Ausnahme.

Statistisches Material in Sachen Medizin hält unter anderem der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen vor. Die Statistik von 2016 bezüglich der Krankenhäuser in Köln bringt folgende Zahlen hervor: 22 Krankenhäuser verfügen über 7.157 Betten. Fast 300.000 Menschen (298.606) wurden stationär behandelt, und das an mehr als zwei Millionen Berechnungs-/Belegungstagen (2.079.915). Im Schnitt verbrachte jeder Patient sieben sogenannte Verweiltage in Kölner Krankenhäusern, die Bettenauslastung hatte mit 79,4 Prozent eine Höchstmarke. In der Pflege sind den Angaben zufolge 6.910 Menschen tätig.

Auch dies eine Höchstmarke, auf die in den vergangenen Jahren eine stetig steigende Linie zulief. Im Jahr 2005 beschäftigten die Krankenhäuser in Köln noch 5.605 Personen in diesem Bereich, 2011 waren es 6.605. Eine logische Folge unterschiedlicher Faktoren. Die Zahl der stationär behandelten Patienten lag im Jahr 2000 noch bei 220.000. Die enorme Steigerung hat in erster Linie damit zu tun, dass die Menschen – auch die kölschen – immer älter werden. Damit steigt natürlich das Risiko von Erkrankungen an Krebs und ähnlich gelagerten Fällen. Aber auch Stürze, die etwa ein 50-Jähriger mit einem blauen Fleck oder einer Prellung übersteht, werden für einen 80-Jährigen zur ernsthaften Gefahr mit längeren Krankenhausaufenthalten und Reha-Maßnahmen.

Heute hat jeder Patient im Schnitt sieben Verweiltage in der Klinik

Mit der wachsenden Anzahl an Fachkräften ging zugleich die Zahl der Verweiltage je Patient deutlich zurück. Lag sie im Jahr 2000 noch bei 10,5 Tagen, konnte sie bis 2016 auf sieben Tage herabgesetzt werden. Sicherlich spielt da eine bessere medizinische Versorgung eine wichtige Rolle. Ebenso wie die rigorosen Vorgaben der Krankenkassen. Aber auch die steigende Zahl an Personal in der Pflege trägt dazu bei, die Verweildauer deutlich zu reduzieren.

Allerdings sind es, wie überall in Deutschland, auch in Köln bei Weitem nicht genug. Zu den Kliniken der Stadt Köln zählen etwa die Krankenhäuser Holweide, Merheim und das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße. Sigrid Krebs, als Pressesprecherin zuständig für die Unternehmenskommunikation der Kliniken der Stadt Köln GmbH, legt entsprechende Unternehmenszahlen vor. “Wir beschäftigen momentan rund 1.520 Personen in diesem Bereich suchen derzeit rund 100 bis 120 neue Kräfte.” Absolut eine beeindruckende Zahl, und wir sprechen nur von drei der über 20 Kliniken in Köln.

Wer sich über den Themenkomplex informieren will, muss unbedingt über die Gehaltsstrukturen in diesem wichtigen Teil der medizinischen Leistungen sprechen. Gehaltsdifferenzen existieren zum Beispiel zwischen den Berufsgruppen Kranken- und Altenpfleger. Aber auch innerhalb der beiden Tätigkeitsfelder, die sich zwar unterscheiden, aber auch viele gemeinsame Arbeitsabläufe aufweisen, herrscht ein Gehaltsgefälle.

Die Höhe der Vergütung differiert je nach Träger eines Krankenhauses

Es fehlt an Pflegepersonal. Da bleibt der Patient sich allein überlassen. Copyright: pixabay
Es fehlt an Pflegepersonal. Da bleibt der Patient sich allein überlassen.
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Die Vergütung einer Krankenschwester im ersten Ausbildungsjahr liegt bei etwa 1.000 Euro, nach drei Jahren Ausbildung sind es am Ende ca. 1.150 Euro. Wie sich das weitere Gehalt entwickelt, hängt nicht zuletzt vom Träger der Einrichtung ab, bei der man angestellt ist. Durchschnittliche monatliche Bruttogehälter liegen bei staatlichen Institutionen bei 2.300 bis 2.400 Euro. Auch Fachkräfte, die im Namen des Herrn unterwegs sind – sprich in einem Haus unter kirchlicher Leitung arbeiten –, können durchaus mit einer ähnlichen Vergütung rechnen.

Anders verhält es sich bei privaten Arbeitgebern. Diese sind in der Regel nicht an öffentliche Tarifvorgaben gebunden. So kommt es, dass dort angestellte Fachkräfte monatlich lediglich 1.400 bis 1.800 Euro verdienen. Auch Arbeitnehmer, die bei Zeitarbeitsunternehmen angestellt sind und ihren Job verrichten, müssen Abstriche beim Lohn machen – obwohl eigentlich geregelt ist, dass Leiharbeitern nach spätestens neun Monaten der gleiche Lohn zusteht wie der Stammbelegschaft.

Gut bezahlt sind die Beschäftigten an den drei städtischen Kölner Kliniken. “Die Tarifstrukturen werden individuell verhandelt. Bei den Kliniken der Stadt Köln liegen die Tarife des bundesweit gültigen Tarifvertrages des öffentlichen Dienstes TVöD für Kommunen zugrunde, der in der Regel höher ist als die Tarife des Landes NRW”, erläutert Sigrid Krebs.

Die Kliniken der Stadt Köln blicken über den Gehalts-Tellerrand hinaus

Bei den Kliniken der Stadt Köln denkt man in Sachen Vergütung aber auch über den Tellerrand hinaus. Zahlreiche interessante Betriebsleistungen sollen ihren Teil dazu beitragen, gutes Personal zu finden und die bestehenden Kräfte zu binden. Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsvorsorge und präventive Fitnessangebote gehören ebenso dazu wie Jobtickets und die Unterstützung bei der Wohnungssuche. Wer von außerhalb in die Domstadt wechselt, wird sich über diesen Benefit besonders freuen und ihn zu schätzen wissen.

Wie relativ groß doch die Gehaltsdifferenzen zwischen den Bereichen der Versorgung und Betreuung von kranken und alten Menschen sind, verdeutlicht ein Blick in den Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit.

Berufstätige in der Pflege der Alten verdienen in Nordrhein-Westfalen im Schnitt 2.917 Euro pro Monat. Unter gleichen Parametern stehen Arbeitnehmern im Bereich der Betreuung von Kranken in NRW am Monatsende mit 3.459 Euro da. Ein Unterschied von deutlich mehr als 500 Euro. Unter diesen Voraussetzungen Nachwuchs für die Versorgung von Senioren zu finden, ist demnach kein leichtes Unterfangen.

Laut der Bundesagentur für Arbeit beträgt die Vakanzzeit von Stellenangeboten für die gesamte Berufsgruppe “Gesundheits-, Kranken-Pflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe” 149 Tage. Sie liegt damit um 39 Prozent über dem Durchschnitt aller Berufe. Das heißt, es vergehen 149 Tage, bis eine der BA gemeldete freie Stelle entsprechend besetzt werden kann.

Auf 100 bei der BA gemeldete Stellen kommen rechnerisch 62 Arbeitslose und die Relation von Arbeitslosen bezogen auf die Erwerbspersonen beträgt gerade einmal 0,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist eine zunehmende Verknappung zu erkennen. Die Vakanzzeit ist um neun Tage gestiegen und die Arbeitslosen-Stellen-Relation hat sich um sieben auf 62 verringert.

Es gibt erste Anzeichen für Engpässe in der Pflege

Keine Pfleger - keine Patienten. Auch weil Fördergelder nicht abgerufen werden. Copyright: pixabay
Keine Pfleger – keine Patienten. Auch weil Fördergelder nicht abgerufen werden.
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Der Fachkräftemangel in der Versorgung von alten Menschen fokussiert sich auf examinierte Fachkräfte und Spezialisten und zeigt sich ausnahmslos in allen Bundesländern. In keinem Bundesland stehen rechnerisch ausreichend arbeitslose Bewerber zur Verfügung, um damit die der BA gemeldeten Stellen zu besetzen. In Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen deuten die Indikatoren auf Anzeichen für Engpässe hin.

Gemeldete Stellenangebote für examiniertes Personal sind im Bundesdurchschnitt 175 Tage vakant. Das sind 63 Prozent mehr als die durchschnittliche Vakanzzeit über alle Berufe. Auf 100 gemeldete Stellen kommen rechnerisch lediglich 27 Arbeitslose. In absoluten Zahlen ausgedrückt, kamen damit (ohne Berücksichtigung der Stellen der Zeitarbeit) auf 11.300 Stellen 3.000 Arbeitslose. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Situation weiter angespannt. So ist die Vakanzzeit um acht Tage gestiegen und die Arbeitslosen-Stellen-Relation hat sich nochmals verringert.

Dabei stehen den Kliniken Fördergelder in Millionenhöhe zu, um die Situation zu verbessern und ihre Mitarbeiter vernünftig zu entlohnen. Das Förderprogramm für die Jahre 2016 und 2017 ist 300 Millionen Euro schwer. Das Geld kommt aus den Reihen der Krankenkassen. Abgerufen wurden von diesen Mitteln gerade einmal 157 Millionen Euro, also nur etwas mehr als die Hälfte.

Im vergangenen Jahr hätten 620 der knapp 2.000 Krankenhäuser von dem Programm profitiert, so der Kassenverband. Die 97 Millionen Euro, die 2017 an die Kliniken geflossen seien, dienten dem Aufbau von 2.228 zusätzlichen Stellen. Ob die Stellen mit dem Geld wirklich entstanden sind, könne aber erst nachträglich gesagt werden, wenn die Krankenhäuser das Testat eines Jahresabschlussprüfers vorlegen. Krankenhäuser können die Fördergelder für 2017 auch noch im laufenden Jahr abrufen.

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