In vielen europäischen Innenstädten steigen die Temperaturen. Länder wie Spanien oder Frankreich führen dabei jetzt schon vor, wie wichtig es ist, Anpassungsmaßnahmen zu treffen. Die Initiative Kölner Handelslagen von STADTMARKETING mit Dr. Frank Wenzel, Geschäftsführer der Aachener Grundvermögen, hat dazu das Projekt „Verschattung Hohe Straße“ ins Leben gerufen, um damit die Aufenthaltsqualität in der Kölner Innenstadt zu verbessern.
Das Anbringen von Verschattungselementen (helle Markisentücher) soll eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität durch optische Aufwertung und Reduzierung der Temperatur bewirken. Dabei werden vertikal angeordnete Ver- bzw. Beschattungstücher in der Hohe Straße angebracht. Dies soll eine bessere Belüftung der Fußgängerzone, insbesondere bei zirkulationsarmer Sommerhitze, sowie eine bessere Abkühlung der Straßen bei Nacht ermöglichen.
Um die Effekte zu messen, erheben Studierende von Prof. Dr. Ulrich Löhnert (Institut für Geophysik und Meteorologie) und von Nils Eingrüber (Wissenschaftler und Dozent am Geographischen Institut) von der Universität zu Köln zum ersten Mal in einer mit Verschattungsmaßnahmen ausgestatteten Fußgängerzone einer großen deutschen Innenstadt räumlich hochauflösende Klimadaten. Dafür wurden auf der Hohe Straße auf 50 Meter Länge über 40 Sensoren in verschiedenen Höhen an Straßenlaternen und Hausfassaden angebracht. Diese messen Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit innerhalb wie auch außerhalb der verschatteten Bereiche. Auf diese Weise können so direkt auch auf kleinem Raum Temperaturunterschiede durch die Verschattung erfasst werden.
Gefühlte Temperatur um elf Grad gesenkt
Die ersten Daten konnte bereits während der ersten Hitzewelle in diesem Sommer ausgewertet werden. Die Daten zeigen, dass die Maßnahmen an besonders heißen Tagen einen signifikanten Kühleffekt von zwei bis drei Grad Celsius erbrachten, bis hin zu fünf Grad Celsius an besonders windstillen Tagen. Durch die Verschattungsmaßnahmen konnte zudem die gefühlte Temperatur von Passanten um bis zu 11 Grad Celsius gesenkt werden. Somit beweisen die Daten, dass die Maßnahmen eine deutliche Aufwertung der Aufenthaltsqualität erreichen können.
Die gemessenen Werte der Sensoren auf der Hohe Straße, aber auch der weiteren rund 150 Sensoren, welche in der Kölner Südstadt sowie in Köln-Mülheim platziert wurden, dienen dazu, im Rahmen eines Projektes, des AKT@HoMe, dreidimensionale Klimamodelle wie ENVI-met zu erstellen, zu trainieren und zu verbessern. AKT@HoMe ist ein gemeinsames Projekt des Geographischen Instituts der Universität zu Köln und der TH Köln, welches von der RheinEnergie Stiftung – Jugend Beruf Wissenschaft gefördert wird.
Kombinierte Maßnahmen am effektivsten
Die Klimamodelle ermöglichen es herauszufinden, welche Hitzeschutzmaßnahmen, darunter auch Fassadenbegrünungen, Flächenentsiegelungen usw., an welchen Standorten die größte Wirkung zeigen. Durch den Vergleich von jeweiliger Maßnahme und Wirksamkeit können dann entsprechende Handlungsempfehlungen erstellt werden. Klar ist jedoch bereits jetzt, dass es keine Musterlösung gibt. Manche Maßnahmen zum Hitzeschutz können die Luftqualität auch negativ beeinflussen. Zumeist zeigt sich, dass eine Kombination verschiedener Maßnahmen effektiver ist als eine einzelne.
Weitere Daten soll eine Klima-Messstation im Inneren Grüngürtel erbringen, die seit Dezember 2022 vom Institut für Geophysik und Meteorologie (IGMK) der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit der Stadt Köln und den Städtischen Entwässerungsbetrieben (StEB) betrieben wird. Die Messstation soll dabei innerstädtisch das Wetter aufzeichnen, um so Messungen des Stadtklimas zu erhalten und die Daten langfristig auszuwerten. Erstmalig geschieht dies während der VITAL-II-Messkampagne im Sommer 2026. Die Messungen, die sich über das Gebiet von Aachen über Jülich nach Köln und von dort dann nach Bonn bis nach Meckenheim erstrecken, dienen dazu, Erkenntnisse über die Tag- und Nacht-Unterschiede in der Atmosphäre zu gewinnen.
(Monika Eiden)
Bildquellen
- Verschattungselemente auf der Kölner Hohe Straße: STADTMARKETING KÖLN