Köln zählt zu den wichtigsten Messestandorten Europas. Auf rund 400.000 Quadratmetern Hallenfläche betreibt die Koelnmesse eines der größten Ausstellungsgelände der Welt und richtet pro Jahr rund 80 Messen und Veranstaltungen aus, darunter etwa 25 internationale Leitmessen in ihrer historischen Form. Für die regionale Wirtschaft bedeutet das weit mehr als nur Prestige. Messen sind ein messbarer Wirtschaftsfaktor, der Umsätze, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen generiert und das internationale Bild der Stadt prägt.
Wirtschaftliche Effekte des Messestandorts
Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) beziffert die gesamtwirtschaftlichen Produktionseffekte der deutschen Messewirtschaft auf jährlich rund 28 Milliarden Euro. Rund 231.000 Arbeitsplätze hängen bundesweit direkt oder indirekt am Messegeschehen. Köln nimmt dabei eine Spitzenstellung ein. Studien der Koelnmesse und der IHK Köln zeigen, dass jeder Euro, den die Messegesellschaft umsetzt, ein Vielfaches an regionaler Wertschöpfung auslöst. Hotellerie, Gastronomie, Taxi-Gewerbe, Standbauunternehmen und Logistikdienste profitieren unmittelbar. Das Handwerk in der Region, vom Elektriker über die Schreinerei bis zum Grafikbetrieb, hat während der Messewochen ebenfalls alle Hände voll zu tun.
Besondere Bedeutung haben die internationalen Leitmessen, die Fachbesucher aus mehr als 200 Ländern anziehen. Zur Anuga 2023 kamen laut Koelnmesse rund 140 000 Fachbesucher aus 200 Nationen, etwa 7900 Aussteller aus 118 Ländern zeigten ihre Produkte. Die gamescom zählte im selben Jahr mehr als 320 000 Besucher und ist die größte Veranstaltung für Computer- und Videospiele der Welt. Solche Zahlen sind der Grund dafür, dass Köln als Drehscheibe für den internationalen Handel gilt.
Chancen für Aussteller aus der Region
Für die Unternehmen aus Köln, Bonn und dem gesamten Rheinland liegen die Vorteile auf der Hand. Logistikkosten sind geringer, Personal ist besser einsetzbar, Kundentermine vor und nach der Messe sind leichter zu bekommen. Wer zum ersten Mal ausstellt oder nur sporadisch dabei ist, lässt sich meist Mietlösungen einfallen, anstatt gleich einen eigenen Systemstand zu kaufen. Messen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Die Möglichkeit, einen Messestand mieten zu können, senkt die Einstiegshürde, so dass auch kleinere Unternehmen eine professionelle Beteiligung an großen Fachmessen ohne langfristige Kapitalbindung realisieren können.
Ob Miete oder Kauf für einen Unternehmen die bessere Lösung ist, entscheidet sich in der Praxis oft anhand mehrerer Faktoren. Die meisten Aussteller planen zwei bis vier Messebeteiligungen jährlich, und bei dieser Frequenz ist unter Berücksichtigung der verschiedenen Hallengrößen in der Regel die Miete günstiger als der Kauf eines eigenen Standbaus, der dann auch noch eingelagert, gewartet und transportiert werden muss. Dazu kommt, dass Corporate-Design-Vorgaben in den meisten Unternehmen alle drei bis fünf Jahre überarbeitet werden, so dass festgebaute Stände schnell wieder ins Hintertreffen geraten können.
Kennzahlen und Qualitätsmerkmale für den Messeauftritt
Die Erfolgskontrolle eines Messeauftritts orientiert sich an festen Kennzahlen. Zu den gängigen Messgrößen gehören die Zahl der qualifizierten Leads pro Quadratmeter Standfläche, die Cost per Lead, die Konversionsrate vom Erstkontakt zum Angebot und der Return on Marketing Investment (ROMI).
Auch an die Standgestaltung werden Qualitätsanforderungen gestellt. Die Vorschriften der Koelnmesse regeln unter anderem die Brandschutzklassen der verwendeten Materialien, statische Anforderungen an Podeste und Aufbauten, Deckenlasten, Fluchtwege usw. Bei Ständen ab einer bestimmten Höhe oder bei zweigeschössigen Ständen ist eine Standbaugenehmigung einzuholen. Diese formalen Anforderungen sind auch der Grund, weshalb viele Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit Spezialdienstleistern zurückgreifen, die Konstruktionsplan, Prüfstatik und Aufbaugenehmigung übernehmen. Ergänzend sind Vorschriften zur Elektroinstallation, zum Schallpegel, zu Nachhaltigkeitskriterien etwa bei der Verwendung wiederverwendbarer Materialien festgelegt.
Köln im internationalen Wettbewerb
Im europäischen Wettbewerb konkurriert Köln mit Messeplätzen wie Frankfurt, Hannover, Mailand, Paris, Barcelona. Trotz zunehmender Flächenkonkurrenz weiß Köln durch klare Branchenspezialisierung zu punkten. Ernährung, Möbel und Einrichten, Fahrrad, Games, Fotografie und Imaging sind hier die Schwerpunkte. Die Lage im dichtbesiedelten Rheinland, hervorragende Verkehrsanbindung durch Autobahn, ICE und Flughafen Köln/Bonn, ein stark ausgeprägter Hotelmarkt – all dies macht die Stadt zu einer attraktiven Adresse für internationale Aussteller. Die kontinuierlichen Investitionen in Hallenmodernisierung und digitale Infrastruktur, etwa flächendeckendes WLAN, hybride Veranstaltungsformate, stärken die Wettbewerbsposition.
Vor jeder Messeteilnahme sollte sich auch für regional tätige Unternehmen ein strukturierter Planungsprozess lohnen. Dazu gehört die Zielgruppenanalyse, die Budgetierung, die Standkonzeption, die Personaleinsatzplanung, die Vorabkommunikation und die Nachbereitung.
