Neue Führung bei DIE FAMILIENUNTERNEHMER Köln/Bonn

Interview mit Anke Eickhoff und Olaf Ziegs

by Redaktion
Gemeinsam engagiert für den Mittelstand: Anke Eickhoff und Olaf ZiegsBildquelle INGRUN SAUER FOTODESIGN

Der Wirtschaftsverband DIE FAMILIENUNTERNEHMER Metropolregion Köln Bonn hat mit Anke Eickhoff eine neue Vorstandsvorsitzende. Die 45-Jährige, Geschäftsführerin der ZAPP-ZIMMERMANN GmbH in Köln, möchte das Ehrenamt mit Elan und frischen Ideen ausführen. Ihr zur Seite steht der stellvertretende Vorsitzende Olaf Ziegs, Geschäftsführer der Z PLUS M DIE MARKETING AGENTUR KG in Köln. Im Gespräch mit Die Wirtschaft gaben sie Auskunft über ihre künftigen Vorhaben und Ziele.

Frischer Wind an der Verbandsspitze

Die Wirtschaft: Frau Eickhoff, was möchten Sie in Ihrer Rolle als neue Vorsitzende sichtbar verändern oder stärken?

Anke Eickhoff: Mir ist es wichtig, den Regionalverband offen, sichtbar und dialogorientiert zu gestalten. Familienunternehmen übernehmen Verantwortung – für Mitarbeitende, die Region und zukünftige Generationen. Dieses Selbstverständnis möchte ich sichtbar machen und damit Vertrauen in die Wirtschaft stärken. Innerhalb des Verbands geht es um intensivere Vernetzung.

Die Wirtschaft: Herr Ziegs, Sie sind bereits seit einiger Zeit stellvertretender Vorsitzender. Verändert sich Ihre Rolle jetzt im neuen Führungsteam?

Olaf Ziegs: Nein, ich habe neben dem Vorsitz ja auch schon einige Jahre als Stellvertreter hinter mir. Die Motivation ist weiterhin sehr hoch, denn wir haben eine tolle neue Vorsitzende mit vielen Ideen und Schaffenskraft. Zudem haben wir einen sehr engagierten Vorstand, sodass wir die gemeinsame Arbeit gut verteilen können.

Die Wirtschaft: Was bedeutet das konkret, die Stimme der Familienunternehmer in der Region zu stärken?

Olaf Ziegs: Wir verstehen uns als verlässlicher Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft. Dabei geht es darum, Erwartungen zu erkennen und gemeinsam tragfähige Rahmenbedingungen zu gestalten.

Bürokratie und Infrastruktur: Die Lasten des Standorts Köln/Bonn

Die Wirtschaft: Welche Themen treiben DIE FAMILIENUNTERNEHMER in Deutschland aktuell besonders um, und wie zeigen sich diese Herausforderungen konkret in der Region Köln/Bonn?

Anke Eickhoff: Die Herausforderungen sind klar: Steigende Sozialabgaben, zunehmende Bürokratie und hohe Standortkosten belasten Unternehmen deutschlandweit. Berichtspflichten, Dokumentationsauflagen und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen Innovationen und Investitionen. Hinzu kommen hohe Energiepreise. Unser Appell ist eindeutig: Deutschland braucht eine spürbare Entlastung, weniger Bürokratie und eine verlässliche Energiepolitik, damit der Standort wettbewerbsfähig bleibt.

Diese übergeordneten Entwicklungen zeigen sich auch in Köln/Bonn. Marode Infrastruktur, langsame Zulassungsprozesse und hohe administrative Anforderungen erschweren es vielen Betrieben, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Gleichzeitig sorgen anhaltende Unsicherheiten – ausgelöst durch Krisen, politische Entwicklungen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen – für Zurückhaltung bei Investitionen und Zukunftsentscheidungen.
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit ist daher die Sichtbarmachung: Wir wollen stärker vermitteln, welche Rolle familiengeführte Unternehmen für Stabilität, Innovation und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen und wo unsere Perspektiven bislang zu wenig Gehör finden.

Die Wirtschaft: Vertrauen und verlässliche Rahmenbedingungen als zentrale Forderung. Wo erleben Sie die größten Unsicherheiten für Unternehmen?

Olaf Ziegs: Der Mittelstand steht für den Wohlstand des Landes ein, wird aber durch unzuverlässige Rahmenbedingungen, die auf Großkonzerne zugeschnitten sind, geschwächt. Externe Faktoren wie Kriege, Naturkatastrophen, unvorhersehbare Energie- und Rohstoffpreise sowie ein rasanter technologischer Wandel verschärfen die Situation. Unternehmen müssen unter immer größerer Unsicherheit langfristige Entscheidungen treffen, während Anforderungen weiter steigen und Planbarkeit fehlt. Diese Mischung aus politischer Unsicherheit und globalen Krisen stellt unternehmerisches Handeln vor große Herausforderungen.

Verantwortung in Generationen: Was Familienunternehmen auszeichnet

Die Wirtschaft: Was unterscheidet Familienunternehmern von anderen wirtschaftlichen Akteuren?

Anke Eickhoff: Haftung, Haltung und Verantwortung – Familienunternehmen denken in Generationen, handeln werteorientiert und tragen persönliches Risiko. Es geht nicht nur um Profit, sondern auch um Stabilität, Sinn und Verantwortung für Mitarbeitende und die Region.

Die Wirtschaft: Und was verstehen Sie genau unter dem Prinzip „Denken in Generationen“?

Olaf Ziegs: Wir denken langfristig, übernehmen konsequent Verantwortung und investieren auch in schwierigen Zeiten. Wir sichern Arbeitsplätze und treiben Innovation aus Überzeugung voran, weil wir an die Zukunft glauben.

Nachwuchsförderung und ein neuer Programm-Mix

Die Wirtschaft: Sie planen verstärkt generationenübergreifende Veranstaltungen. Wie wollen Sie Ihr Programm auch für den Nachwuchs öffnen?

Anke Eickhoff: Wir setzen auf eine Mischung aus wirtschaftlichen Themen sowie Kunst, Kultur und Sport, um Austausch auf unterschiedlichen Ebenen zu ermöglichen. Ein zentraler Baustein sind Einblicke hinter die Kulissen von Unternehmen und Institutionen. Dabei interessiert uns, wie Organisationen funktionieren, Entscheidungen getroffen werden und welche wirtschaftlichen oder politischen Zusammenhänge dahinterstehen.
Der Nachwuchs spielt eine große Rolle: Wir möchten früh Einblicke in unternehmerisches Handeln ermöglichen, um Verständnis für Verantwortung und Engagement zu fördern. Dabei zeigen wir die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des Unternehmertums. Wenn Verantwortung nicht als Verpflichtung, sondern als Chance verstanden wird, haben wir viel erreicht.

Dialog auf allen Ebenen: Von der Basis bis nach Europa

Die Wirtschaft: Wie wollen Sie den Dialog zwischen regionaler Basis, Landes- und Bundesebene weiter stärken?

Olaf Ziegs: Regelmäßiger Austausch ist wichtig. Angefangen bei Veranstaltungen wie unserem Jahresauftakt mit Impulsen von Präsidiumsmitglied Fabian Kienbaum über die Teilnahme unseres europapolitischen Sprechers Daniel Mitrenga an einer Vorstandssitzung bis hin zum geplanten Austausch mit Mitgliedern über die europapolitische Arbeit des Verbandes. Regelmäßige Treffen der NRW-Vorstände stärken den Austausch, gemeinsame Veranstaltungen mit den Düsseldorfer Kollegen vertiefen die Verbindung.

Die Wirtschaft: Frau Eickhoff, wie entstehen aus dem Mitgliederaustausch konkrete Impulse für die Verbandsarbeit?

Anke Eickhoff: Entscheidend ist, dass Austausch nicht mit dem Gespräch endet. Wir nehmen Impulse auf, spiegeln sie im Vorstand und entwickeln daraus Formate. Mir ist wichtig, dass unsere Mitglieder merken, dass ihre Perspektiven in die Verbandsarbeit einfließen, nur so entsteht echter Mehrwert.

Die Wirtschaft: Herr Ziegs, Sie kennen die Strukturen gut: Wo sehen Sie ungenutztes Potenzial im Regionalverband?

Olaf Ziegs: Es gibt wenig ungenutzte Potenziale. Es ist nicht leicht, mit der lokalen Politik im Austausch zu bleiben. Wir haben schon vieles versucht und bleiben am Ball. Auch in diesem Jahr planen wir interessante Veranstaltungen.

Netzwerk auf Augenhöhe und der Wunsch an die Politik

Die Wirtschaft: Herr Ziegs, was motiviert Sie persönlich, sich weiterhin im Verband zu engagieren?

Olaf Ziegs: Für Unternehmer ist das in Köln die beste Möglichkeit, sich mit Kollegen auf Augenhöhe auszutauschen. DIE FAMILIENUNTERNEHMER sind ein hochwertiges Netzwerk – hier kann man tolle Unternehmerpersönlichkeiten kennenlernen und es entstehen Freundschaften. Durch unsere politische Arbeit werden grobe Fehler in der Politik verhindert oder zumindest sehr kritisch kommentiert. Unser Netzwerk gibt Einblicke in viele andere Unternehmen und ermöglicht Zugang zu sehr besonderen, nicht öffentlichen Veranstaltungen. Das ist großartig und macht unser Netzwerk aus.

Die Wirtschaft: Am Ende Ihrer Amtszeit: Woran möchten Sie Ihren Erfolg messen?

Olaf Ziegs: An einer starken Mitgliederbasis, die begeistert ist von unserem Jahresprogramm und daran, dass wir als starke regionale politische Stimme wahrgenommen werden. Es würde uns freuen, wenn unsere Mitglieder sagen: „Wir haben echten Mehrwert erlebt. Wir sind sichtbarer geworden – in Politik und Gesellschaft. Und es sind Verbindungen entstanden, die es vorher nicht gab.“

Die Wirtschaft: Was wünschen Sie sich von Politik, Gesellschaft – und auch von Ihren Mitgliedern?

Anke Eickhoff: Von der Politik: mehr Verständnis für die Denkweise von Familienunternehmen als Basis für Vertrauen und tragfähige, verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.
Von der Gesellschaft: mehr Offenheit und Dialogbereitschaft als Basis für ein konstruktives Miteinander. Von unseren Mitgliedern: Engagement, Austausch und aktive Teilnahme. Davon lebt der Verband.


Monika Eiden

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