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Via Culturalis oder Via Ballermann? Das Image der Kölner Events

Einige Events in Köln schädigen das Image der Stadt. Copyright: pixabay
Einige Events in Köln schädigen das Image der Stadt.
Copyright: pixabay

Der öffentliche Raum wird mehr und mehr durch eine zunehmende Anzahl von Events in Köln jedweder Couleur vereinnahmt. Zahlreiche Institutionen in der Stadt sind sich einig darüber, dass Änderungen dringend nötig sind. DIE WIRTSCHAFT traf Annett Polster (Geschäftsführerin von Stadtmarketing Köln e.V.) und Dr. Joachim A. Groth (Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Altstadt), die sich als Verein für die Förderung einer lebenswerten Altstadt einsetzt. Der Verein hat sich intensiv mit dem Umfeld der geplanten Via Culturalis beschäftigt. In seiner mehr als 300 Seiten umfassenden Bestandsaufnahme wurden soeben alle “Gedenktafeln, Kunst und sonstige ausgestellte Objekte im öffentlichen Raum” detailliert fotografiert und strukturiert.

Dabei kommt ein Reichtum an Schätzen zum Vorschein, den man nicht vermutet. Zahlreiche an Hausfassaden befestigte oder in den Boden eingelassene Gedenktafeln, Reste von Bauten aus der Römerzeit, antike Wasserleitungen und Denkmäler in allen Größen bereichern das Kölner Kulturgut. Persönlichkeiten der Vergangenheit wie Rubens, Beethoven, Maria de Medici oder Luther haben hier z.T. über Jahre gewirkt. Ebenso Persönlichkeiten der Neuzeit wie Marx und Engels oder Christo, Stockhausen und Paik. Ein Schatz, der zwar existiert, aber gehoben und im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert werden muss.

Durch einige Events in Köln wird die Stadt “ballermannisiert”

Ein schwieriges Unterfangen. “Denn”, so Joachim A. Groth, “zahlreiche Veranstaltungen in der Stadt, teils auf niedrigstem Niveau, haben längst zu einem auch für die Wirtschaft schädlichen Image geführt”. “Ballermann ohne Strand”, “Feierbiest Köln” oder “Hauptstadt der Junggesellenpartys” sind Etiketten, die einer einmaligen Kulturlandschaft permanent angeheftet werden und sie weit unter Wert verkaufen.

Die Stadt denkt nun sogar über eine Ausweitung dieser Art von Veranstaltungen nach. So sollen nach dem Entwurf zum neuen Platznutzungskonzept ab 2019 Opening und Begleitveranstaltungen zu Sport-Events wie Champions League Finale, WM oder EM implementiert werden. Gerade die positive Darstellung des Breitensports und dessen Funktion für die Gesellschaft sind nur begrüßenswert. Eine verkappte Form des Public Viewing mit all seinen negativen Begleiterscheinungen wie bspw. in der LANXESS Arena ist dies jedoch nicht.”

Köln verliert seinen Charakter

Via Culturalis oder Via Ballermann? Das Image der Kölner Events copyright: Die Wirtschaft Köln / Alex Weis
Via Culturalis oder Via Ballermann? Das Image der Kölner Events
copyright: Die Wirtschaft Köln / Alex Weis

Dabei verliert die Domstadt mehr und mehr seinen Charakter. An die Stelle von bezahlbarem Wohnraum treten airbnb-Unterkünfte, selbst Erdgeschossflächen des Einzelhandels werden zu Touristen-Appartments umgebaut. “Gerade der mittelständische Einzelhandel sowie die Dienstleister wie bspw. Arztpraxen klagen darüber, dass durch die zahlreichen Events in Köln aber auch Demonstrationen ihre Kunden die Innenstadt zunehmend meiden. Und jene Gastronomen und Hoteliers, die sich dem Weltkulturerbe Dom und seiner Umgebung verpflichtet fühlen, haben Schwierigkeiten ihr Publikum zu halten. Darüber hinaus verliert Köln immer mehr Messegäste an das entsprechende Angebot z.B. an Hotels im Umland”, so Annett Polster von Stadtmarketing.

Verhindern ließe sich bspw. airbnb, hätte die Stadt Köln das Personal, entsprechende Übernachtungsmöglichkeiten zu kontrollieren. “Dies ist jedoch leider nicht der Fall”, berichtet Joachim A. Groth, der zum Vergleich Berlin anführt. “In der Bundeshauptstadt sind für dasselbe Problemfeld ausreichend Mitarbeiter tätig. Wir haben kein Gesetzes-, sondern ein extremes Vollzugsdefizit.”

“Kalte Enteignung der Anwohner und Eigentümer”

Dass es für Events in Köln nicht einmal einen Anlass geben muss, um sich zusammenzurotten und zu feiern, macht das Beispiel Brüsseler Platz deutlich. Hier trifft man sich im Sommer mit der Flasche Bier in der Hand und lärmt im Wettstreit mit dem Ordnungsamt. Dieses versucht dann regelmäßig für Ruhe zu sorgen. Stadtdirektor Stephan Keller, der sich selbst vor Ort ein Bild von den Zuständen machte, sprach in diesem Zusammenhang von einer “kalten Enteignung der Anwohner und Eigentümer”. Das Verwaltungsgericht hat den klagenden Anwohnern nunmehr Recht gegeben.

Via Culturalis in den Fokus rücken

Kulturelles Kleinod: Der 1973 von Hans Karl Burgess gestaltete Dionysosbrunnen vor dem Baptisterium Copyright: Bürgergemeinschaft Altstadt
Kulturelles Kleinod: Der 1973 von Hans Karl Burgess gestaltete Dionysosbrunnen vor dem Baptisterium
Copyright: Bürgergemeinschaft Altstadt

Leider fehlt es bisher an einer Strategie, die Potentiale der Stadt zu heben. Wenigstens ziehen die verschiedenen Stadtgesellschaften an einem Strang, um die Finger in die ärgsten Wunden zu legen. Kunst und Kultur etwa ist eines von drei Kernthemen bei Stadtmarketing Köln e.V. Und die reichlichen Kunstschätze entlang und im Umfeld vom Kölner Kulturpfad Via Culturalis, sind es allemal wert, in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

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