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Wie halten wir es mit der Türkei? – IHK-Umfrage zu den Beziehungen

Die türkische Lira schwächelt - keine leichte Situation für deutsche Unternehmen mit Beziehungen in die Türkei copyright: Pixabay
Die türkische Lira schwächelt – keine leichte Situation für deutsche Unternehmen mit Beziehungen in die Türkei
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In einer Umfrage hat die Kölner Industrie- und Handelskammer in Erfahrung gebracht, welche Auswirkungen die momentan schwache türkische Lira auf Exporte und Investitionen von Kölner Unternehmen hat. Ergebnis: Die Beziehungen zur Türkei waren schon mal besser – nicht nur aus deutscher Sicht

Wenig überraschend: Die regionale Wirtschaft zeigt sich in Sorge. Bei der von der Kölner IHK durchgeführten Blitzumfrage antworteten innerhalb von 24 Stunden 113 Unternehmen, die Geschäftsbeziehungen mit der Türkei unterhalten. Die Auswirkungen der Lira-Krise auf deutsche Exporte sehen dabei 98 der teilnehmenden Unternehmen negativ, da ausländische Produkte für türkische Kunden teurer werden.

Die IHK Köln als zuständige Schwerpunktkammer hat in Zusammenarbeit mit den NRW-IHKs die Blitzumfrage initiiert. Immerhin erwarten 63 Umfrageteilnehmer, dass die schwache Lira Exporte Richtung Deutschland begünstigt. Doch dürfte dieser Effekt begrenzt sein. Andreas Schäfer, stellv. Geschäftsführer International der IHK Köln: “Türkische Produzenten müssen häufig Vorprodukte und Maschinen in Fremdwährungen einkaufen, was jetzt teurer wird. Außerdem besteht die Gefahr, dass manche örtliche Produzenten wegen der Lira-Schwäche ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können.”

Allerdings hat die Bundesregierung im ersten Halbjahr 2018 Lieferungen und Leistungen in das Partnerland abgesichert. Exportgarantien in Höhe von mehr als 830 Millionen Euro nehmen deutschen Firmen damit zunächst einmal den größten Druck aus dem Kessel, können sie so langjährige gute Beziehungen aufrechterhalten – ohne Angst, vor dem plötzlichen Ruin zu stehen.

Nur wenige (10) Umfrageteilnehmer erwarten, dass der Währungsverfall deutsche Investitionen in der Türkei fördert, die Mehrheit (87) befürchtet negative Folgen. Andreas Schäfer: “Durch die Wechselkursentwicklung wird es zwar günstiger, vor Ort zu investieren. Allerdings überwiegt bei den meisten Unternehmen die Sorge vor den Auswirkungen der Währungskrise auf die Gesamtwirtschaft.”

Die Türkei als wichtiger Wirtschaftspartner NRWs

Die Türkei ist für NRW ein wichtiger Wirtschaftspartner, mit zuletzt deutlich wachsendem Exportvolumen. In den Monaten Januar bis Mai betrug der Exportwert von NRW-Waren 1,794 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anteil von 2,2 Prozent am gesamten NRW-Export (bundesweit 1,7). In Köln ist die Zahl der Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zum Wirtschaftspartner besonders hoch: 43,5 Prozent der Unternehmen, die im Ausland aktiv sind, pflegen auch Geschäftsbeziehungen dorthin. Für die gesamte Bundesrepublik beträgt dieser Wert laut der IHK-Unternehmensumfrage “Going International 2018” 32,6 Prozent.

Des einen Leid ist des anderen Freud. Der US-Dollar profitiert momentan von den kriselnden Wirtschaftsbeziehungen und steigenden Zollabgaben. Investoren legen vermehrt ihre Gelder in US-Vermögenswerte an, was dem Dollar Auftrieb verleiht, zugleich aber auch die Probleme in den aufstrebenden Märkten verschärft.

Wer momentan in der Türkei urlaubt, profitiert von der schwachen Lira. Der gegenüber dem Euro günstige Kurs ermöglicht es, in den Geschäften preiswerter einzukaufen – was gerade im gehobenen Segment der Edelboutiquen lohnt.

Die Preise für Pauschalreisen müssten also auch fallen. Aber: Viele Preise für Flug und Unterkünfte sind seit Langem ausgehandelt und werden sich spontan nicht ändern. Außerdem ist die Türkei momentan als Reiseziel sehr gefragt. Insofern sehen die großen Reiseveranstalter nicht wirklich einen Grund, die Preise zu senken.

Deutschland jedenfalls ist wichtigster Handelspartner für das Land. Insgesamt müssen sich 6.500 deutsch geführte Unternehmen mit der Situation arrangieren. Geschäftsleute in der Türkei wiederum, die im Ausland Waren in US-Dollar eingekauft haben, halten sich mit Verkäufen zurück. Sie müssten Aufschläge von 20 Prozent tätigen, um durch Kursverluste entstandene Ausfälle wieder hereinzuholen.

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