WARUM DAS WENIGE, DAS MAN ERREICHT, SEHR VIEL SEIN KANN

Eine starke Stimme für Eigentümer

by Jana Leckel
Anton Bausinger geschäftsführender Gesellschafter Bauunternehmung Friedrich Wassermann und neuer Vorstandsvorsitzender des Kölner Haus- und GrundbesitzervereinsBildquelle Alex Weis

DIE WIRTSCHAFT sprach mit Anton Bausinger, dem neuen Vorstandsvorsitzenden des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins, über Verantwortung, Veränderungswillen und was Köln jetzt braucht.

DIE WIRTSCHAFT: Herr Bausinger, seit dem 8. Januar 2025 haben Sie das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernommen. Was bedeutet dieser Schritt für Sie?

Anton Bausinger: Es war ein Hineinwachsen in die Aufgabe – von der Leitung des Beirates über den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden bis hin zur Übernahme des Vorsitzes. Dennoch hat es mich überrascht, wie viel Zeit und Detailkenntnis dieses Ehrenamt fordert. Vor allem, da ich die Nachfolge einer prägenden Persönlichkeit antrat, wie die Konrad Adenauers. Das verlangt viel Umsicht und manchmal auch den Mut zur Veränderung. Die Tage sind nicht länger geworden – nur etwas dichter.

DIE WIRTSCHAFT: Was motiviert Sie, sich so intensiv für die Interessen von Immobilieneigentümern einzusetzen?

Anton Bausinger: Das ist zum einen familiär bedingt – wir bauen seit Generationen und halten Immobilien im Bestand. Zum anderen sehe ich ein Gerechtigkeitsanliegen: Eine Immobilie kann – wie das Wort es zum Ausdruck bringt – nicht einfach weggehen, sie steht fest im Raum – und damit auch im Fokus politischer und gesellschaftlicher Begehrlichkeiten. Es braucht eine starke Stimme für Eigentümer, die in unserer Gesellschaft große Verantwortung tragen – für Bausubstanz, Stadtbild und Wohnqualität.

DIE WIRTSCHAFT: Wie wollen Sie über 29.000 Mitglieder mit ihren Anliegen wirklich repräsentieren?

Anton Bausinger: Indem wir zuhören, offen kommunizieren und Missstände benennen – unabhängig davon, ob sie aus Politik, Verwaltung oder Gesetzgebung herrühren. Ziel kann nicht sein, jedem Einzelfall gerecht zu werden, sondern möglichst viele Interessen auf einen Nenner zu bringen. Das gelingt nur mit Verbündeten. Wir brauchen keine Lautstärke, sondern Qualität in der Argumentation. Je größer die Gruppe, die Vorschläge macht – desto größer ihr Einfluss. Ich glaube an einen konstruktiven Diskurs mit Verwaltung und Politik – ohne Polemik, aber mit starkem Profil und klarer Kante.

„Wir brauchen keine Lautstärke, sondern Qualität in der Argumentation. Je größer die Gruppe, die Vorschläge macht – desto größer ihr Einfluss.“

DIE WIRTSCHAFT: Was waren zuletzt die größten Herausforderungen für den Verein?

Anton Bausinger: Die Schlagzahl der wohnungspolitischen Vorgaben ist massiv gestiegen – Heizungsgesetz, Grundsteuer, neue Standards. Dazu kommen explodierende Bau- und Instandhaltungskosten. Es fehlt oft an Praxistauglichkeit. Der Verein hat sich in alldem klar positioniert und mit fundierten Stellungnahmen Gehör verschafft. In manchen Situationen muss man sich mit Teilerfolgen zufriedengeben – aber Stillstand wäre nie eine Option.

DIE WIRTSCHAFT: Welches Thema liegt Ihnen aktuell besonders am Herzen?
Anton Bausinger: Der Wohnungsneubau. Köln braucht deutlich mehr neuen Wohnraum – und zwar nicht nur durch Innenverdichtung, sondern durch neue Baugebiete. Wir erwarten von der Stadtspitze eine verbindliche Zielzahl: Wie viele Wohnungen sollen pro Jahr entstehen? Die aktuellen unter 2.000 Wohnungen reichen bei Weitem nicht. Zudem brauchen wir eine mutigere ÖPNV-Strategie, um neue Quartiere überhaupt sinnvoll erschließen zu können.

DIE WIRTSCHAFT: Sie haben mit Ihrem Unternehmen das Projekt „Wohnen über den Gleisen“ am Clarenbachplatz realisiert. Welche Lehren ziehen Sie daraus für Ihr Ehrenamt?

Anton Bausinger: Vor allem: Mut. Ohne Mut, eine Idee gegen Widerstände durchzuhalten, bewegt sich nichts. Beim Gleisprojekt wurde ich gewarnt, es sei nicht umsetzbar – am Ende war es ein Erfolg. Aber auch Organisation ist entscheidend: schlanke Strukturen, klare Prozesse, verantwortliche Menschen. Diese Prinzipien gelten im Unternehmen wie im Verein.

DIE WIRTSCHAFT: Was müsste sich in Köln grundsätzlich ändern – und wie wollen Sie das anstoßen?

Anton Bausinger: Man kann viel fordern und somit überfordern oder machbare starke Impulse setzen. Ich plädiere für Letzteres. Sauberkeit, der Zustand des öffentlichen Raums, die Digitalisierung der Verwaltung, eine bessere Koordination zwischen Dezernaten – all das muss auf den Tisch. Es kann nicht sein, dass ein Bauprojekt durch zu viele Zuständigkeiten blockiert wird. Weniger Verwaltung, mehr Verantwortung!
„Ein OB gehört ins Rathaus – nicht auf den roten Teppich.“

DIE WIRTSCHAFT: Was wünschen Sie sich von der nächsten Oberbürgermeisterin oder dem Oberbürgermeister?

Anton Bausinger: Klarheit. Kein zersplittertes Regierungsbündnis, das auf Kompromissen basiert, sondern eine Führungsfigur mit Haltung. Ich wünsche mir Strukturreformen, die den Namen verdienen, und keine kosmetische Personalaufstockung wie zuletzt. Und ich wünsche mir jemanden, der im Rathaus präsent ist – nicht nur bei Empfängen. Die Leitung der Verwaltung ist ein stilles und intensives Amt mit einer zentralen Ausrichtung. Ein OB gehört ins Rathaus – nicht auf den roten Teppich.

DIE WIRTSCHAFT: Gibt es einen Ort in Köln, der Ihnen besonders viel bedeutet?

Anton Bausinger: Ja, der Innenhof vom Museum für Angewandte Kunst: ein Ensemble aus mittelalterlicher Kirchenstruktur – einem ehemaligen Kloster – und das, was der Architekt Rudolf Schwarz genial in den 50er-Jahren ergänzt hat. Ein wunderbarer öffentlicher Raum, der gut gestaltet ist und in jedem Detail mit sehr hohem Anspruch perfekt ist. Auch das gibt es in Köln!

(Jana Leckel und Eugen Weis)

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