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Funken spuckten in die Hände

Die „Ülepooz“ erstrahlt in neuem Glanz – auch dank des Einsatzes des Traditionskorps

by Redaktion

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Kalthöfer

Das Kölner Traditionskorps wird seit 2001 von Heinz-Günther Hunold, der „Laachduv vun d’r Ülepooz“ als Präsident und Kommandant angeführt. Er ist damit erst der 3. Präsident der Roten Funken nach dem 2. Weltkrieg. Der Verein, der im kommenden Jahr seinen 200. Geburtstag feiert, war maßgeblich an der Wiedererstarkung des Karnevals nach 1945 beteiligt.

Köln nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Stadt in Schutt und Asche. Jeder, der konnte, packte für den Wiederaufbau mit an. Funken, die die schrecklichen Wirren überlebt hatten, gehörten zu den Ersten, die in die Hände spuckten, um sich an den Wiederaufbau zu machen. Sie waren auch die Ersten, die wieder durch die Ruinen Kölns zogen.

1948 – es gab noch keinen Zug – marschierten sie am Rosenmontag umjubelt durch die Straßen und feierten so ihr 125-jähriges Bestehen. In dieser schlechten Zeit kamen dennoch 2500 Leute zur – für damalige Zeiten – glanzvollen Jubiläumssitzung im Williamsbau, dem früheren Winterzirkus an der Aachener Straße.

Die Funken standen auch in der ersten Reihe, als es darum ging, den Gürzenich zu entschutten. Ein guter Plan, denn als Lohn der Müh zogen sie am 11.11.1955 mit Fackelzug und klingendem Spiel als erste Karnevalsgesellschaft in den fertigen Gürzenich ein. Noch im selben Jahr machten sich die Roten Funken daran, eine weitere Herkulesaufgabe zu schultern. Diesmal entschutteten sie ihr eigenes späteres Hauptquartier, die Ulrepforte, die ihnen von der Stadt in Erbpacht überlassen wurde. Getreu dem Motto „Mer kennt sich, mer hilf sich” stellte damals Vorstandsmitglied Fritz Fuhr, als Bauunternehmer mit dem Spitznamen „Zementbüggel”, das notwendige Rüstzeug zur Entschuttung – und übernahm anschließend mit seinem Unternehmen die Wiederaufbauarbeiten.

Endlich eine feste Bleibe

Am ersten Tag wurden 28 Lastwagen Schutt abtransportiert. Selbst der damalige Bürgermeister Theo Burauen, der als Oberbürgermeister später den Rote-Funken-Namen General „Flintenbein” erhielt, packte mit an. „Umzug” war bereits am 30.9.1956. Mit wölle Krätzche und Besenstielen, vorneweg die Regimentsmusik des Hardy von dem Driesch, zogen die vier Knubbel über die Ulrichgasse zum fahnengeschmückten Turm. Die Funken hatten endlich eine feste Bleibe, und was für eine! Viele Einrichtungsschätzchen, darunter die Szenen aus dem Funkenleben des Kunstmalers Jupp Stolzen, konnten über den Krieg gerettet werden und viele wurden gestiftet. Es seien nur einige Beispiele genannt, die der Ülepooz ihre besondere Gemütlichkeit geben: die Farbglasfenster, darunter eines im Senatszimmer, das die Postwagengruppe im Rosenmontagszug verewigt hat. Außerdem acht prächtige Sessel des Senatszimmers, in die alle Wappen und Zeichen Kölner Geschlechter und Handwerke eingeschnitzt sind. Dazu gibt es einen passenden Tisch.

Die Schmuckstücke stammen aus dem Nachlass des Funkenfreundes Heinrich Becker. Zu den Schmuckstücken gehören auch der Intarsientisch, die holzgeschnitzten Funkenfiguren auf den Lampenbalken in der Wachstuvv, die Wetterfahne mit zwei wibbelnden Funken, die Torbeleuchtung und die beiden Kanonen auf den Ecken der Caponniere. Und nicht zu vergessen die Funkenuhr, die das Korps aus Anlass des 75. Geburtstags von Präsident Hamacher, „Hardes vun Fluh”, 1963 stiftete. Das Ziffernblatt zeigt den damaligen Präsidenten und Kommandanten Hamacher, der auf einem Floh reitet. Und damit man sich all die schönen Dinge auch zukünftig leisten kann, hatte Senatspräsident und Funkengeneral „Nippfigürche”, seinerzeit der wichtigste Mann in der Kölner Porzellan-Branche, zu seinem 65. Geburtstag die „Fritz Everhan Stiftung” zur Erhaltung und zum Ausbau der Ulrepforte ins Leben gerufen.

Heute ist der Haupttitel der Stiftung Freunde und Förderer der „Ühlepooz” mit „h” geschrieben, woran man erkennt, dass die kölsche Schreibweise eine Glaubensfrage ist. Auch nach dem Krieg betrieben die Roten Funken aktive „Außenpolitik”, sie blieben, anders als ihre Vorgänger, nicht in den Stadtmauern stecken, sondern eroberten die Welt. Dabei ging’s 1955 gleich hoch hinaus, das Korps reiste auf die Zugspitze.

Ein Korps so lokal wie international

Weit weg zog es eine Funkenabordnung 1961. Am 30. September nahmen sie an der New Yorker Steubenparade teil. Und dort geschah etwas Einmaliges. Mit ausdrücklicher Genehmigung der Kölschen Funken darf sich seitdem eine Vereinigung von Deutsch-Amerikanern mit dem offiziellen Titel „Kölsche Funken rut-wieß vun 1823 seit 1961 in New York” schmücken. Die amerikanische Begeisterung für das Kölner Korps geht so weit, dass zumindest in den Anfangsjahren Uniformen nach Maß in Köln geschneidert wurden und dann nach New York gingen. Was die Funken alles so treiben, das wird seit 1968 in der Zeitung „Stippeföttche” zur Kenntnis gebracht. Die „Funkepoß aus d’r Ülepooz, Intelligenzblättche der Kölsche Funke rut-weiß vun 1823”, wird sogar bis in die USA verschickt. Überhaupt sind ausländische Gäste stets beeindruckt vom Funken-Leben. Zu Zeiten, als Bonn noch Bundeshauptstadt war, wohnten Militärattachés alljährlich mit Begeisterung dem Korpsappell mit Regimentsexerzieren der Funken bei.

Allein in den letzten 22 Jahren reisten die Roten Funken im Auftrag der Bundes- bzw. Landesregierung nach Brasilien, Japan, Hongkong, Thailand, China, Kuba, USA, Dubai und sind somit ein Exportschlager rheinländischer Kultur des Bürgertums.

Noch ein paar Worte zur Satzung. Dort ist auch für den Fall, der hoffentlich niemals eintreten wird, Vorsorge getroffen worden. Sollten sich die Funken einmal auflösen, dann fällt das Eigentum der Gesellschaft an die Stadt – unter der Verpflichtung, das Barvermögen zur Pflege kölnischer Eigenart und Sprache zu verwenden und die Kunstgegenstände und Erinnerungsstücke in einem Museum auszustellen. In einem solchen Fall müssen sich auch die Knubbel unterordnen: „Bei Auflösung des Vereins sind auch die Knubbel aufgelöst”, heißt es in der Satzung. Aber keine Angst, die Roten Funken haben so viel überlebt, sie werden nicht wie ihre Vorgänger eines Tages spurlos verschwinden. Zukunftspläne gab es und gibt es zuhauf, und sie werden in die Tat umgesetzt. So haben die Funken inzwischen das Tiefgeschoss des Caponnierebaus bis unter die Fahrbahndecke des Sachsenrings für die urgemütlichen Knubbelabende ausgebaut. Mit diesem ehrgeizigen Bauvorhaben wurde 1972 begonnen. Der Clou schlechthin ist den Roten Funken aber mit der Modernisierung und Erweiterung der Ülepooz gelungen. Ein Projekt, welches von der Planung bis zur Fertigstellung 20 Jahre brauchte, wurde mit rund 4,5 Mio. EUR Baukosten durch Spenden und verlorene Zuschüsse frei finanziert.

Die letzte Session hat es bewiesen: Wenn der Karneval nicht auf ein Party-Event mit entsprechendem Alkoholkonsum reduziert wird, können die Funken zeigen, dass Brauchtum ein Teil ihrer städtischen Kultur ist und dass sie als Brauchtumspfleger Probleme nicht „einfach wegschunkeln“. Dem Ratschlag der Politik, den Karneval abzusagen, folgten die Roten Funken nicht. Da kann der Karneval auch zum politischen Statement der Stadtgesellschaft werden. Der zurückliegende Rosenmontag hat das eindrucksvoll bewiesen.

Kleine, stille und nachdenklich stimmende Veranstaltungen

Das umfangreiche Jubiläumsprogramm zeigt, dass Brauchtumspflege und der Part der Funken rut-wieß in der Stadtgesellschaft durchaus differenziert gesehen werden: Es gibt kleine, stille und nachdenklich stimmende Veranstaltungen. Es gibt Formate, die man vielleicht nicht mit einer Traditionsgesellschaft in Verbindung bringt, die aber dem Selbstverständnis entsprechen. Der „Kultur-Kreis“ der Roten Funken hat einen bunten Strauß an Veranstaltungen gebunden, der von philharmonischen Konzerten bis zu kritischen Podiumsdiskussionen reicht. Auch das ist Brauchtumspflege ganz im Sinne eines Traditionskorps.

Interessant ist die Struktur des Vereins. Die Roten Funken sind in vier Abteilungen, die sogenannten „Knubbel“, eingeteilt. Jeder Knubbel hat seine Eigenart, und die Mitglieder können selbst entscheiden, welchem Knubbel sie sich anschließen. Die Roten Funken sind mit ihrer Organisation wohl als eine der ganz wenigen Karnevalsgesellschaften seit rund 15 Jahren ISO-zertifiziert. Im Bereich Social Media (Facebook, Insta) erreichen die Funken nachhaltig mehr als 60.000 Follower und spielen somit in der Profi-Liga mit. Mit rund 30.000 Kartenverkäufen im Jahr sind sie die größte Karnevalsgesellschaft, die im Dachverband des Festkomitees Kölner Karneval angeschlossen ist.

(Heribert Eiden)

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