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Interview mit Ernst Blissenbach: Symbolfigur der Generation Free-Ager

Ernst Blissenbach im Gesräch mit DIE WIRTSCHAFT KÖLN. copyright: Paul Leclaire
Ernst Blissenbach im Gesräch mit DIE WIRTSCHAFT KÖLN.
copyright: Paul Leclaire

Im Gespräch mit DIE WIRTSCHAFT verrät uns Weltmarktführer Ernst Blissenbach aus Remscheid, warum Erfolg nichts mit Jugend zu tun hat, sondern mit Mut, Visionen und Innovationen, die Märkte gestalten und stabilisieren.

Spätestens das Groko-Gerangel um Ministerposten und die permanente Forderung, Angela Merkel solle endlich Platz für die Jugend schaffen, rückt das Thema Generationswechsel wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Der demografische Wandel der Altersstruktur unserer Gesellschaft ist Treibstoff für Ängste der Alten und für lähmende Konflikte in der Nachfolgeregelung und Besetzung von Schlüsselpositionen von Unternehmen.

Aber es gibt auch ein interessantes Gegenbeispiel dafür, dass der Mindshift vom Anti- zum Pro-Aging längst eingeläutet ist. Ernst Blissenbach – der Remscheider Weltmarktführer für das international innovativste System zur Innenentgratung längsnahtgeschweißter Rohre – ist ein erfolgreicher Free-Ager. Er beweist, dass Alter nicht als Problem, sondern als Zukunftschance und Emanzipationsmittel unserer Wirtschaft zu sehen ist. Unser Interview mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der Ernst Blissenbach GmbH liefert spannende Perspektiven für mittelständische Traditions- und Familienunternehmen.

Ernst Blissenbach beweist: Innovationen sind unabhängig vom Alter

DIE WIRTSCHAFT: Der Generationswechsel stellt viele etablierte Mittelständler vor eine Zerreißprobe. Ein Grund, warum manche Firmen letztendlich scheitern, schließen oder verkauft werden müssen. Zum Nachteil der Mitarbeiter und Kunden. Warum ist das für Sie als 80-jähriger Kopf eines Hightech-Unternehmens kein Thema?

Ernst Blissenbach: Es ist wie mit dem – alten – Hasen und dem Igel: Während die meisten Unternehmer seit Jahren am zähen Thema Generationswechsel festkleben, habe ich längst unsere Technologieführerschaft und den internationalen Wettbewerbsvorsprung von fünfzehn Jahren weiter ausgebaut. Der demografische Alterswandel stellt für mein Unternehmen keine Bedrohung dar, weil es bei uns den Graben zwischen Jung und Alt nicht gibt.

Wir sind ein All-in-Team mit einer ausgeprägten Sozial- und Fachkompetenz: Alle Generationen arbeiten konstruktiv miteinander, denn wir haben die gleichen Werte und Ansprüche an das Leben und die Arbeitswelt. Unterschiedliche Erwartungen werden regelmäßig offen auf Augenhöhe kommuniziert. Sowohl mit Mitarbeitern als auch mit Kunden. Also intern wie extern.

Und auch wie der digitale Wandel unsere Arbeit verändert hat, gehört für mich zum normalen Alltag. Ob mein Smartphone als mobiles Office, unser Customer Experience Management als Sicherung einer weltweit deutlich ökologischeren und ökonomischeren Rohrproduktion, die Design Activity Cycles als Inspirationsquelle unserer Lösungen oder die zahlreichen, teilweise patentierten Innovationen: Das ist keine Frage des Alters.

„Modern denken ist nichts Modernes, sondern ein Leitmotiv.“

DIE WIRTSCHAFT: Das klingt so einfach und doch sehr differenziert. Könnten Sie uns das etwas genauer erläutern?

Ernst Blissenbach: Sehen Sie, wenn ein Gesellschafter mit der Anzahl meiner Lebensjahre ein Unersetzlichkeitssyndrom hat, blockiert er damit die Dynamik des Unternehmens. Vielleicht fehlt ihm aber auch einfach der Mut oder die Motivation? Das ist suboptimal, denn die Leidenschaft und das so wichtige Unternehmer-Gen müssen nach wie vor brennen, wenn man seinen Weg gehen möchte.

Natürlich steuern wir einer Verschiebung der Altersstruktur durch einen stetig abnehmenden Anteil der jüngeren Generation und dem ebenso ständig zunehmenden Part der Älteren entgegen. Aber es ist genau diese sich ankündigende Mehrheit der Alten, die unserer Ökonomie eine Tür in eine neue Epoche öffnet. Unsere Gesellschaft sollte sich die breite Erfahrung und das tiefe Wissen der Senior-Chefs zunutze machen. Denn diesen immer noch „hungrigen“ Menschen geht es wie mir nicht darum, ein Lebenswerk zu konservieren, sondern es für uns alle innovativ voranzutreiben.

„Ich bin nach wie vor Unternehmer und nicht nur Begleiter.“

Ernst Blissenbach (hier mit Ranga Yogeshwar) wurde für sein Unternehmen bereits mehrfach ausgezeichnet. © KD Busch / compamedia GmbH
Ernst Blissenbach (hier mit Ranga Yogeshwar) wurde für sein Unternehmen bereits mehrfach ausgezeichnet.
© KD Busch / compamedia GmbH
DIE WIRTSCHAFT: „Mobile-first“ leben Sie wie selbstverständlich. Wie ein Dirigent orchestrieren Sie mit einer perfekt abgestimmten Crew zwischen Unternehmensklima, Kundenorientierung und genialen technischen Lösungen. Und Ihr Erfolg lässt aufhorchen.

Ernst Blissenbach: Ja, ich lehne passiv sein ab. Die Marke Ernst Blissenbach wird konstant effizienzstärker. Mit unseren Technologien gefertigte Stahlpräzisionsrohre sind in der Automobilbranche und Elektromobilität ebenso gefragt wie als Wärmeaustauschrohre in Solarkraftwerken. Wir bieten Rohrinnenentgratungssysteme mit einer Ausschussquote null an.

Ich denke, jetzt wird deutlich, wer bei uns das Sagen hat: der Erfolg. 2015 und 2017 wurden wir mit dem TOP-100-Innovations-Award und 2011, 2013, 2017 mit dem IP-Preis des Huber Verlags ausgezeichnet. Zudem erhielt das Unternehmen 2016 den „Reinhard und Max Mannesmann-Innovationspreis“. Und zurzeit bin ich im Deutschen Werkzeugmuseum in Remscheid in der Sonderausstellung „Den Bergischen ins Gesicht geschaut“ zu sehen. Eine Präsentation herausragender Persönlichkeiten aus dem Bergischen und für mich eine große Ehre!

„Fortschritt ist nicht außergewöhnlich, sondern selbstverständlich.”

DIE WIRTSCHAFT: Wie garantieren Sie die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens? Haben Sie etwas in petto?

Ernst Blissenbach: Ich bin der Meinung, dass es enorm wichtig ist, Mitarbeitern und Kunden die Zukunft zu sichern. Blissenbach bedeutet auch Vertrauen in Stabilität. Ganz gewiss sind wir sogenannten Auslaufmodelle keine Babyboomer mehr, aber ich verweigere mich keinen Neuerungen. Das, in Kombination mit unserer starken wirtschaftlichen Kapitalbasis, schenkt unseren Mitarbeitern die wichtige Arbeitsplatzsicherheit, um stressfrei kreativ zu sein.

Die Zauberwörter heißen „stabile Zone“ und „Kontinuität“. Ist doch super, oder? Wo die Welt im Umbruch ist und Tweets von heute auf morgen alles auf den Kopf stellen können. Ein tolles Projekt ist auch unsere Unterstützung der Junior-Uni Wuppertal. Hier wachsen unsere Experten von morgen ran – echte Talente. Und wenn es aus gesundheitlichen Gründen zu einem endgültigen Stabswechsel kommt – mein Sohn Arnd als Top-Ingenieur ist jederzeit in der Lage, meine Rolle perfekt zu übernehmen. Das macht mich stolz.

DIE WIRTSCHAFT: Verraten Sie uns Ihre neuesten Ideen und Projekte die Sie in der Zukunft vorhaben?

Ernst Blissenbach: Darüber reden wir das nächste Mal. Oder besuchen Sie uns auf der TUBE in Düsseldorf: Das ist mehr als nur Technik. Dort weckt Progressivität Emotionen. Da können Sie den Vorsprung spüren!


Das Gespräch führte Eugen Weis

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