Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) unterstützt kleine und mittlere Unternehmen im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) dabei, Fachkräfte zu finden, zu binden und zu qualifizieren. Die Beschäftigtenbefragung 2024 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Bei rund einem Drittel der abhängig Beschäftigten bestehe das Potenzial, sie über Job Enrichment noch stärker zu motivieren.
Job Enrichment als Instrument der Personalentwicklung
Job Enrichment bedeutet, dass Beschäftigte verantwortungsvollere und anspruchsvollere Aufgaben übernehmen. Im Gegensatz zu Job Enlargement, bei dem zusätzliche Aufgaben auf gleichem Niveau hinzukommen, erweitert Job Enrichment das Aufgabenspektrum vor allem um Tätigkeiten mit mehr Entscheidungsspielraum. Beschäftigte können dadurch eigenständiger arbeiten und mehr Einfluss auf ihre Arbeitsergebnisse nehmen, mit positiven Effekten auf Mitarbeiterzufriedenheit und damit auch auf die Mitarbeiterbindung. Nicht zuletzt gehe Job Enrichment auch mit höherem Interesse an Weiterbildung und somit einer Steigerung der Produktivität einher.
Wie Unternehmen Job Enrichment einsetzen können
Die IW-Beschäftigtenbefragung 2024 zeige laut der KOFA-Kompakt-Studie 09/2025: Bei rund 37 Prozent der abhängig Beschäftigten bestehe das Potenzial, über Job Enrichment ihre Jobzufriedenheit und damit auch die Mitarbeiterbindung zu erhöhen. Sie möchten mehr Verantwortung übernehmen, ihre Kompetenzen aktiv einbringen und sehen sich als mitgestaltende Akteure im Arbeitsprozess. Um diese Beschäftigten zu identifizieren und bestmöglich zu fördern, sollten Unternehmen laut KOFA in einem ersten Schritt geeignete Instrumente zur Potenzialerkennung einsetzen – etwa Mitarbeiterbefragungen, Entwicklungsgespräche oder strukturierte Feedbackverfahren.
Dabei sollten Unternehmen Entwicklungsperspektiven auch jenseits der Führungslaufbahn sichtbar machen. Denn viele Beschäftigte mit Job-Enrichment-Potenzial würden fachliche oder projektbezogene Entwicklung, nicht zwingend Führungsverantwortung suchen. Transparente Laufbahnmodelle – wie etwa Fachlaufbahnen, Expertenrollen oder projektbezogene Entwicklungsschritte – sowie regelmäßige Entwicklungsdialoge würden Perspektiven greifbar machen und die langfristige Bindung fördern. Zentrale Elemente von Job Enrichment: mehr Entscheidungsspielräume, Möglichkeiten zur kreativen Entfaltung und die Umsetzung anspruchsvoller Aufgaben. Besonders deutlich werde die dadurch gesteigerte Zufriedenheit bei Beschäftigten, deren Möglichkeiten zur kreativen Gestaltung zunehmen: 94 Prozent von ihnen hätten sich zufrieden oder eher zufrieden mit ihrem Arbeitsplatz geäußert.
Unternehmen können laut KOFA für Mitarbeitende gezielt die Anforderungen an Kompetenzen und Fähigkeiten steigern, etwa durch eigenverantwortliche Projekte, interdisziplinäre Teamarbeit oder neue Aufgabenprofile mit mehr Einflussmöglichkeiten. Ein großer Vorteil: Die Potenzialgruppe habe ein starkes Interesse an Informations- und Beratungsangeboten rund um Weiterbildung, Karriereentwicklung sowie Laufbahnplanung.
Neben 11 Prozent der Beschäftigten in der Potenzialgruppe, die individuelle Karriereberatung bereits in Anspruch genommen hätten, würden sich weitere 50 Prozent der Beschäftigten in dieser Gruppe ein solches Angebot wünschen, deutlich mehr als bei den übrigen Beschäftigten. Darüber hinaus nähmen Beschäftigte mit Potenzial für Job Enrichment häufiger an Weiterbildung teil – insbesondere an praxisnahen, niedrigschwelligen und arbeitsplatzbezogenen Formaten.
Auch selbstgesteuertes Lernen mit digitalen oder analogen Medien nützten Beschäftigte mit Potenzial im Vergleich zu anderen Beschäftigten häufiger. Ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung von Job Enrichment seien daher die Ermittlung von Weiterbildungsbedarfen und die Schaffung von internen und externen Angeboten, sei es über Micro Learnings, Lernen im Prozess der Arbeit oder projektbegleitende Schulungen.
(Karoline Sielski)