Das Nervus-Ulnaris-Syndrom

Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

by Diana Pohl
Arm

Das Nervus-Ulnaris-Syndrom, auch als Sulcus-Ulnaris-Syndrom oder Kubitaltunnelsyndrom bezeichnet, gehört – ähnlich wie das Karpaltunnelsyndrom an der Hand – zu den häufigeren Nervenkompressionssyndromen. 

Der Nervus Ulnaris verläuft an der Innenseite des Ellenbogens in einer knöchernen Rinne (Ulnarisrinne) und hat eine Vielzahl von Funktionen, die sowohl motorischer als auch sensibler Natur sind. Er steuert vor allem die Beweglichkeit bestimmter Muskeln in der Hand und den Fingern und sorgt gleichzeitig für das Gefühl im kleinen Finger und im hälftigen Ringfinger. Eine Schädigung oder Beeinträchtigung dieses Nervs kann zu einer Reihe von unangenehmen Symptomen führen, die das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen können.

Anatomie des Nervus Ulnaris

Der Nervus Ulnaris ist einer der drei Hauptnerven, die das obere Gliedmaß versorgen. Er entspringt aus dem Plexus brachialis, einem Nervengeflecht, das in der Nähe des Halses liegt. Von dort zieht der Nerv entlang des Oberarms bis zum Ellenbogen und verläuft dann am inneren Rand des Ellenbogens durch den sogenannten Kubitaltunnel, bevor er in die Hand weiterzieht. Der Kubitaltunnel ist ein schmaler Raum, durch den der Nervus Ulnaris hindurchführt. Dieser Bereich ist anfällig für Kompression, insbesondere durch äußere Einflüsse wie Druck oder wiederholte Bewegungen.

Ursachen

Das Nervus-Ulnaris-Syndrom tritt auf, wenn der Nerv an irgendeiner Stelle entlang seiner Strecke komprimiert oder gereizt wird. Die häufigste Ursache dafür ist die Kompression im Bereich des Kubitaltunnels, wobei der Nerv aufgrund von wiederholtem Druck oder Zug geschädigt wird. Dies kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

Anhaltender Druck: Eine der häufigsten Ursachen ist das Abstützen des Körpers auf dem Ellenbogen über längere Zeiträume auf einem harten Untergrund (z. B. Schreibtisch, Theke, Autofenster). Die wiederholte Kompression des Nervs führt zu einer Schwellung und Irritation, was schließlich zu den typischen Symptomen führt.
Verletzungen und Frakturen: Eine direkte Verletzung des Ellenbogens oder ein Bruch des Oberarms kann den Kubitaltunnel verengen oder den Nerv direkt schädigen. Diese Art der Verletzung kann die Heilung des Nervs beeinträchtigen und zu einer dauerhaften Schädigung führen.
Anatomische Anomalien: In einigen Fällen kann eine angeborene oder erworbene anatomische Veränderung des Kubitaltunnels den Nerv komprimieren. Ein enger Tunnel oder Verdickungen im Bereich des Nervenkanals können das Risiko erhöhen, dass der Nerv eingeklemmt wird. Gelegentlich kann es auch zu einer bei Beugung des Ellenbogens tastbaren Luxation oder Subluxation des Nervs aus der Ulnarisrinne kommen (Luxationen sind häufig auch asymptomatisch).
Wiederholte Bewegungen: Bestimmte Berufe oder Aktivitäten, die wiederholte Bewegungen des Armes oder der Hand erfordern, wie etwa das Heben von Lasten oder das Arbeiten mit Werkzeugen, können ebenfalls zur Entwicklung des Syndroms beitragen. Übermäßige Belastung und wiederholte Belastung des Ellenbogens können den Nerv unter Druck setzen.
Entzündliche Erkrankungen: Entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder andere entzündliche Erkrankungen des Gelenks können die Struktur und den Raum des Kubitaltunnels verändern und so den Nerv beeinträchtigen.

Symptome

Die Symptome des Nervus-Ulnaris-Syndroms variieren je nach Schweregrad der Nervenschädigung und können erst allmählich auftreten. Zu den häufigsten Beschwerden gehören:

Taubheitsgefühl und Kribbeln: Diese Symptome treten meistens in den Fingern, insbesondere im Kleinfinger und im Ringfinger, auf. Betroffene berichten häufig von einem Gefühl der „eingeschlafenen“ Finger, das in Ruhephasen bspw. nach längerem Sitzen mit angewinkelten Armen und auch nachts auftreten kann. Mitunter werden die Betroffenen auch nachts durch unangenehmes Kribbeln wach.

Schwäche in der Hand: In fortgeschrittenen Fällen kann es zu einer Muskelschwäche insbesondere der kleinen Handmuskeln kommen, die die Fähigkeit zur Ausführung feinmotorischer Tätigkeiten beeinträchtigt. Die Patienten können Schwierigkeiten haben, kleine Objekte oder auch ein Blatt Papier zwischen Daumen und Zeigefinger zu greifen oder zu halten. Bei einer stärkeren und länger anhaltenden Funktionsstörung kann es sogar zu einer sichtbaren Verminderung der Muskelmasse (Muskelatrophie) kommen.

Diagnose

Die Diagnose des Nervus-Ulnaris-Syndroms erfolgt durch eine Kombination aus der Anamnese des Patienten, einer klinischen Untersuchung und spezifischen Tests. Zusätzlich kann der Neurologe die Nervenleitgeschwindigkeit (ENG) messen, um zu überprüfen, wie schnell elektrische Signale durch den Nerv übertragen werden. Eine verlangsamte Übertragungsgeschwindigkeit kann ein Hinweis auf eine Schädigung des Nervs sein. In einigen Fällen können auch bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine MRT eingesetzt werden, um mögliche strukturelle Veränderungen oder Entzündungen zu erkennen.

Differenzialdiagnostisch abzugrenzen ist das sogenannte C8-Syndrom, bei dem die unterste Halsnervenwurzel beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall komprimiert sein kann. Meist steht hier jedoch ein Nacken-Schulter-Arm-Schmerz im Vordergrund. Selten kann der Nervus Ulnaris auch im Bereich des Handgelenks (sogenannte Loge de Guyon) komprimiert sein.

Behandlung

Die Behandlung des Nervus-Ulnaris-Syndroms hängt von der Schwere der Symptome, der Symptomdauer und der zugrunde liegenden Ursache ab. In den meisten Fällen können konservative Maßnahmen ausreichend sein:

Ruhigstellung und Schienung: Eine einfache Methode, den Nerv zu entlasten, besteht darin, ein Aufstützen des gebeugten Ellenbogens zu vermeiden, um hierdurch Druck- oder Zugwirkung einzuschränken.
Physiotherapie: Gezielte Übungen und Dehntechniken können helfen, die Flexibilität und Stärke des Ellenbogengelenks zu verbessern und den Druck auf den Nerv zu reduzieren. Ein Physiotherapeut kann spezifische Übungen empfehlen, um den Kubitaltunnel zu entlasten.
Medikamentöse Behandlung: Kortikoidinfiltrationen haben sich als nicht hilfreich erwiesen, ebenso eine Behandlung mit nicht steroidalen Antiphlogistika.
Chirurgische Behandlung: Wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Linderung bringen oder wenn die Symptome fortschreiten, kann eine Operation erforderlich sein. Es stehen verschiedene chirurgische Verfahren zur Verfügung. Meistens ist eine rein dekompressive Operation mit Freilegung des Nervs ausreichend, um die Kompression zu beseitigen. Das ist ein Eingriff, der in der Regel gut ambulant durchgeführt werden kann. In schweren Fällen kann auch eine intramuskuläre, transmuskuläre oder subkutane Verlagerung des Nervs erforderlich sein, bei der der Nerv aus dem Kubitaltunnel herausgeführt wird, um weiteren Druck zu vermeiden. Auch eine Entfernung des inneren Knochenvorsprungs am Ellenbogen (mediale Epikondylektomie) kann erforderlich sein.

Prognose

Die Prognose des Nervus-Ulnaris-Syndroms ist in der Regel gut, besonders wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird. Bei konservativen Behandlungen können viele Patienten eine deutliche Besserung ihrer Symptome erfahren. In schwereren Fällen, insbesondere bei Paresen (Lähmungen), bei denen eine Operation erforderlich ist, hängt der Erfolg von der Schwere der Nervenschädigung und der Dauer der Symptome ab. In einigen Fällen kann eine vollständige Genesung schwierig sein, insbesondere wenn der Nerv bereits über längere Zeit geschädigt wurde.

Fazit

Das Nervus-Ulnaris-Syndrom ist ein weit verbreitetes Nervenengpasssyndrom. Eine rechtzeitige Diagnose und die richtige Behandlung sind entscheidend, um die Symptome zu lindern und die Funktion der Hand und des Arms zu erhalten. Durch konservative Maßnahmen wie Ruhigstellung und Physiotherapie können viele Patienten eine Verbesserung erfahren. In schwereren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Beschwerden langfristig zu lindern und die Handfunktion wiederherzustellen.

 

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