Deutschland schafft mehr Innovation mithilfe von qualifizierter Migration, das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 13. Oktober 2025. Denn demnach seien in Deutschland mindestens 14 Prozent der Patentanmeldungen von Erfinder:innen mit ausländischen Wurzeln eingereicht worden.
Der Studie zugrunde liegt die IW-Patentdatenbank, die alle Patentanmeldungen seit 1994 auflistet, die für Deutschland oder darüber hinaus gestellt wurden. Anhand der Vornamen ordnete man 24 Sprachräume zu, um die Region zu bestimmen, in der höchstwahrscheinlich die Wurzeln der oder des betreffenden Erfinder:in liegen. Die IW-Autor:innen der Studie sind Carolina Guzmann Martinez, Referentin „Make it in Germany“, Alexandra Köbler, Referentin für Fachkräfteeinwanderung, und Dr. Oliver Koppel, Projektleiter Patentdatenbank. Patentanmeldungen unterliegen der Offenlegenheitsfrist, so konnten sie diese von 2000 bis 2022 untersuchen.
Analyse der Patentanmeldungen
Die Betrachtung ergab Folgendes: Erfinder:innen mit ausländischen Wurzeln sollen 2000 4,9 Prozent der Patentanmeldungen getätigt haben. Dieser Anteil sei jedes Jahr gestiegen und erreiche 2022 14 Prozent. Damit seien jede 7. Erfindung in Deutschland und die damit einhergehende Patentanmeldung komplett von Erfinder:innen mit ausländischen Wurzeln erstellt und angestrebt. Die meisten Patentanmeldungen sollen aus dem ost- und südosteuropäischen Sprachraum stammen, gefolgt vom südeuropäischen und lateinamerikanischen sowie dem arabischen und türkischen. Der Anteil jedes Sprachraums sei deutlich angestiegen. Am dynamischsten habe sich der Beitrag des indischen Sprachraums entwickelt. Von 2000 bis 2022 habe sich der Anteil verzwölffacht, von 40 auf 495 Patentanmeldungen, von 0,1 Prozent auf 1,2 Prozent.
Zudem stamme ein hoher Anteil der Erfinder:innen von 2000 bis 2022 aus Indien, 10,3 Prozent. Seit 2012 habe sich auch die Anzahl der in Deutschland sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit indischer Staatsangehörigkeit, die in einem technisch-naturwissenschaftlichen Beruf tätig sind, verachtfacht. Indien habe in Deutschland somit die höchste MINT-Beschäftigungsdynamik aller Länder weltweit.
Die MINT-Qualifikationen seien für Patentanmeldungen von großer Bedeutung. Initiativen, wie „Make it in Germany“ sollen begleitend geholfen haben, mit qualifizierter Zuwanderung Grundsteine für die Innovationserfolge der indischen Erfinder:innen in Deutschland zu setzen. Das sei ein Beispiel, wie auch in anderen Ländern mit hohem Bildungsniveau, junger Gesellschaft und in Absprache mit den Herkunftsländern hoch qualifizierte Fachkräfte gewonnen werden könnten. Laut den Autor:innen der Studie bestehe weiterhin Bedarf, auch die Strukturen dazu im notwendigen Umfang zu stärken, sei es durch Digitalisierung, Standardisierung oder die Bereitstellung weiterer Kapazitäten bei den Prüfstellen.
Besonders dynamisch bei den Patentanstrebungen sei auch der chinesische Sprachraum, der seinen Anteil im untersuchten Aspekt mehr als vervierfacht habe. Auch der südeuropäische und lateinamerikanische sowie der türkische und arabische Sprachraum würden ein überdurchschnittliches Wachstum ihres Innovationsbeitrags in Deutschland zeigen.
Ein weiteres Analyseergebnis besagt, dass von 2000 bis 2022 in Deutschland 4,7 Prozent der angemeldeten Patente von Frauen stammen sollen. Dabei gäbe es fast doppelt so viele Erfinderinnen aus einem ausländischen Sprachraum, als solche aus dem deutschen Sprachraum, nämlich 8,5 Prozent. Der Anteil der Erfinderinnen sei aus allen Sprachräumen größer als im deutschen Sprachraum. So vor allem in osteuropäischen Sprachräumen, wie dem tschechischen (13,6), polnischen (13,2) oder rumänischen (12,7) und auch im koreanischen und spanisch-portugiesischen (je 11,1). Betreffende Patentanmeldungen seien von 3,7 auf 6 Prozent bis 2022 gewachsen, sodass die durch die qualifizierte Migration entstandene Innovationskraft in Deutschland zusätzlich weiblicher werde.
(Karoline Sielski)