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Stadtmarketing: Im Dienst für Köln, aus Liebe zur Stadt

Auch er ein Mensch und Macher: Helmut Schmidt, Vorstandsvorsitzender derStadtmarketing Köln e.V. - copyright: Joachim Rieger.
Auch er ein Mensch und Macher: Helmut Schmidt, Vorstandsvorsitzender derStadtmarketing Köln e.V.
copyright: Joachim Rieger.

Die Wirtschaft Köln sprach mit Helmut Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Stadtmarketing Köln e.V., über die Neupositionierung sowie die Ziele des Vereins.

Die Entscheidung, Citymarketing in Stadtmarketing Köln e. V. umzubenennen, hat sich als goldrichtig erwiesen. Die Mitgliederzahl steigt, die vorgelegten Konzepte finden Gehör.

“Helmut Schmidt – Mensch und Macher” lautet der Titel einer Biografie über den Exbundeskanzler. Auf Helmut Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Stadtmarketing Köln, trifft er sicherlich in gleichem Maße zu. Der Inhaber einer Consultingagentur wirft zudem eine Menge Leidenschaft und Liebe in die Waagschale, um Köln als Marke zu etablieren. Primäres Ziel ist es, Köln, einer Millionenstadt entsprechend, in der Außendarstellung besser zu positionieren. Dazu bedarf es im Innern der Stadt allerdings viel Überzeugungsarbeit.

“Als Stadtmarketing blickt man auf die gesamte Stadt sowie die umliegenden Regionen”

Diese Überzeugungsarbeit scheint erheblich einfacher zu sein als noch vor einem Jahr. Denn bis 2015 hieß Stadtmarketing noch Citymarketing und wurde von vielen als Sprachrohr des innerstädtischen Handels gesehen. Die Zeiten sind vorbei. Als Stadtmarketing vergrößert sich der Blick auf die umliegenden Regionen wie den Rhein-Sieg-Kreis oder das Bergische Land.

Ziel ist es, die Marke Köln in den Mittelpunkt zu rücken, zu verdeutlichen, dass hier mehr geboten wird als Karneval, FC und Dom.

Erste Erfolge sind erkennbar: Die Zahl der Mitglieder stieg von 175 auf jetzt 225, Handel und Gewerbe melden sich von sich aus, um dem Verein beizutreten und aktiv die Arbeit mitzugestalten. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will Schmidt die Anzahl der Mitglieder signifikant steigern, um aus der Privatwirtschaft heraus ein starker Partner für die Institutionen und für die Stadt zu sein.

Schmidt weiß eine Vielzahl an Unternehmen aus dem Rheinland hinter sich. In der noch zu gründenden GmbH sieht er unter anderem auch die Stadt Köln mit im Boot. Neue Mitglieder sind unerlässlich, um die kommenden Aufgaben zu bewältigen.

Ziel ist es, Potenzial und Kaufkraft von zwei Millionen “Randkölnern” in den Fokus zu rücken

In den nächsten Jahren will sich Stadtmarketing noch mehr vernetzen und bei vielen Gewerbetreibenden noch bekannter werden. Dies soll durch Werbung und Marketing und einen professionellen Vertrieb in neue Bahnen gelenkt werden. Veedel und Vororte sollen noch stärker in das Engagement integriert  und ihren Ruf für nationale und internationale Gäste bekannter werden.

In einem zweiten Schritt sollen auch die Regionen gewonnen werden. Das enorme Potenzial von einer Million Kölnern mit weiteren zwei Millionen Menschen aus der Region und die Kaufkraft, die dahintersteht, muss stärker in fokussiert werden.

“Gerade auch die jungen Menschen müssen wir mitnehmen. Köln hat ein reichhaltiges Angebot an Kunst und Kultur – das muss man den Leuten näher bringen”, ist Schmidt überzeugt.

Im Mittelpunkt des derzeitigen Bekenntnisses zu Stadtmarketing Köln steht das Ideelle, die Mitgliedschaft zur Interessensvertretung der Kölner Wirtschaft. Hauptmotivation sollte die Unterstützung städtischer Entwicklungen aus der Privatwirtschaft heraus sein. Veranstaltungen wie das Unternehmerfrühstück, bei dem einflussreichen Kölnern die Gelegenheit gegeben wird, ihre Sicht auf die Stadt und Region darzulegen, sind zum Netzwerken und Nutzen von Synergienzwischen den Mitgliedsunternehmen gedacht. In Seminaren wird den Mitgliedern die Gelegenheit geboten, ihr Produktportfolio beziehungsweise ihr Dienstleistungsspektrum den anderen Mitgliedern vorzustellen. “Wir brauchen die Stadt, und die Stadt braucht uns”, so Helmut Schmidt.

Stadtmarketing plant Schulterschluss für Sauberkeit und Sicherheit

Neben dem Stadtmarketing Köln e. V. soll eine GmbH gegründet und in den Verein eingegliedert werden. An der sollen sich, ginge es nach Schmidt, verschiedene Unternehmen, Institutionen und die Stadt Köln beteiligen, gerade im Hinblick darauf, die Marke Köln auf einen guten Weg zu bringen.

Die Wirtschaft muss, so Schmidt, stolz sein, sich mit dem Köln-Logo im Briefkopf zu schmücken. In vielen anderen Städten ist dies der Fall, auch hier können Unternehmen durch den Erwerb unterschiedlicher Marketingpakete ihr Scherflein für ein professionelles Stadtmarketing beitragen. Im Schulterschluss wären aber auch aktuelle Probleme wie Sauberkeit und Sicherheit leichter zu lösen. Und auch die Frage, ob Köln bereit und willens ist, eine Fahrradstadt zu werden, ließe sich im konstruktiven Dialog sicher leichter beantworten.

Renaissance der Achse Roncalliplatz – Walraffplatz – Museum für Angewandte Kunst

Stadtmarketing will aber auch wachsen, um sich um die Belange der Kölner Wirtschaft und des Handels zu kümmern. Während man in den Vororten und Veedeln den Einzelhandel findet, hat dieser die Innenstadt verlassen, da die Mieten zu hoch geworden sind. Stadtmarketing fordert die Einkaufsmeile zurück und hat interessante Vorschläge. Mit der Fertigstellung des Dom-Hotels soll die Achse Roncalliplatz – Walraffplatz – Museum für Angewandte Kunst, das Gebiet um St. Kolumba, stärker belebt werden. Dort sind Kunst und Kultur angesiedelt und ziehen somit ein entsprechendes Publikum an. Dies müsste sich noch stärker in der Einzelhandelsstruktur und im gastronomischen Angebot widerspiegeln. Mit Vollendung der Oper soll die Breite Straße an alte Zeiten anknüpfen. Schildergasse und Hohe Straße sind weiterhin Magnete zum Shoppen für Touristen und Gäste der Stadt und attraktiv für Filialisten.

Es wird höchste Zeit, zu reagieren,  zu agieren, denn sonst laufen Städte wie Düsseldorf und Münster und – siehe da –sogar Dortmund Köln den Rang ab. Die Stadt im Ruhrgebiet hat es dank einem hervorragenden Händlermix in der Innenstadt geschafft, sämtliche Altersgruppen zum Bummeln und Shoppen zu animieren.

Köln kann mit Bildung und Wissenschaft punkten

Stadtmarketing sieht natürlich, dass in Köln der Karneval, der Dom und der FC drei ganz hervorragende Marken sind, die allerdings weitere Pfunde, mit denen die Stadt punkten kann, in den Hintergrund drängen. Allen voran Kunst und Kultur, aber auch Bildung und Wissenschaft. Professoren von Weltruf lehren an den vielfältigen Fakultäten in der Stadt. Eine intensivere Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft kann sich nur positiv auf das Image Kölns auswirken.

Mit der neuen Stadtführung gab es in der jüngeren Vergangenheit konstruktive Gespräche, die sich positiv auf die Entwicklungen in der Stadt auswirken. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Stellen der Stadtverwaltung läuft gut. Gerade die Wechsel an der Spitze von Stadt (Henriette Reker) und Polizei (Jürgen Mathies) geben Köln die Möglichkeit, sich neu zu positionieren.

Rigoroseres Durchgreifen der Polizei, Umweltsünden ahnden, das Ordnungsamt stärker einbinden und für mehr Sicherheit sorgen – all dies sind Punkte, die Stadtmarketing aufgreift. Wenn das, was die neue Oberbürgermeisterin anpacken will, etwa die Stadt in ein neues Bild zu bringen und Bürger wie Wirtschaft gleichermaßen mit ins Boot zu holen, wird sich nicht nur der FC, sondern auch die Stadt auf lange Sicht in der ersten Liga etablieren.

“Wenn nicht alle mitziehen, droht der Schildergasse eine Zukunft als Geisterviertel”

Viele Wirtschaftsunternehmen und Bürger der Stadt empfinden Köln als Feierstadt, insgesamt ein unruhiger Ort mit zu vielen Veranstaltungen, Demonstrationen und einem Karneval, der längst nicht mehr auf die fünfte Jahreszeit beschränkt ist, sondern das gesamte Jahr vereinnahmt. Hier fordert Stadtmarketing mehr Verantwortung, auch im Umgang mit öffentlichen Plätzen. Die Verantwortlichen können sich vorstellen, dass, wie in anderen Großstädten bereits vorhanden, eine Kommission über die Genehmigung von Stadtevents entscheidet.

Helmut Schmidt, der den Vorsitz beim Stadtmarketing ehrenamtlich führt, hofft, dass er eine PR-Maßnahme nicht umsetzen muss. Er wollte ein “Horrorvideo” drehen lassen, das die Schildergasse in zwanzig Jahren zeigt – menschenleer, mit zugeklebten Schaufenstern, Teil einer Geisterstadt. All das könnte der Internetkauf hervorrufen. Aber er ist eben Mensch und Macher mit einer Menge Ideen für Köln. Wenn alle mitziehen und in einen positiven Veränderungsprozess gehen, kann er einen Imagefilm drehen – über das neue Köln, wie es in 20 Jahren aussieht und wie sich die Kölner erfolgreich für ihre Stadt einsetzen.

Autor: Heribert Eiden.

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