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Verkehr in Köln: Ein einziges Chaos – Wie sieht eine Lösung aus?

Dreimal so viel Verkehr auf der Rheinbrücke Leverkusen als geplant

Verkehr in Köln: Ein einziges Chaos - copyright: pixabay.com
Verkehr in Köln: Ein einziges Chaos
copyright: pixabay.com

Viele Städte würden Köln für seine Infrastruktur in Fragen Verkehr beneiden. Ein geschlossener Autobahnring umgibt die Stadt, ein prosperierender Flughafen, der bei Passagieren und Fracht zulegt, mit dem Hauptbahnhof einer der wichtigsten europäischen Knotenpunkte, genutzt auch von einem gut ausgebauten ÖPNV. Sogar auf dem Wasserweg ist die Wirtschaft der Region dank des Vorhandenseins von vier Kölner Häfen weltweit logistisch vernetzt. Aber: viele Städte blicken auf Köln als Staustadt Nummer zwei bundesweit. Der Abstieg von Platz eins, abgelöst durch Stuttgart, ist eine Ergebniskosmetik. An den immer weiter zunehmenden Verkehrsproblemen ändert das nichts. Die sind nur langfristig aus der Welt zu schaffen.

Dreimal so viel Verkehr auf der Rheinbrücke Leverkusen als geplant

Beispiel Leverkusener Autobahnbrücke. Die 1965 dem Verkehr übergebene Rheinüberfahrt war für 40.000 Fahrzeuge täglich konzipiert. Heute muss das marode Bauwerk 120.000 Fahrzeuge erdulden, den Schwerlastverkehr hat sie dabei schon in seine Schranken verwiesen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. In der Regel sollten Bauwerke dieser Kategorie 80 Jahre halten.

Als in der ersten Hälfte der 1990er-Jahre der Kölner Autobahnring auf drei Spuren je Fahrtrichtung erweitert wurde, entschied man sich für die preiswerteste Variante. Der Standstreifen der Brücke wurde zur dritten Fahrspur und damit in erster Linie von den dicken Brummis befahren. Dazu kam, dass der Schwerlastverkehr nach der Wende und durch die EU-Osterweiterung quantitativ stark zugenommen hat, und die einzelnen Lkw sind deutlich schwerer geworden.

Eine Hängebrücke hängt in den Seilen

Eine Hängebrücke hängt in den Seilen - copyright: allpictures / pixelio.de
Eine Hängebrücke hängt in den Seilen
copyright: allpictures / pixelio.de
Die Folgen dieser ungleichen Lastenverteilung zeigen sich 20 Jahre später. Im Sommer 2012 wurden erstmals Risse in der Tragwerkskonstruktion festgestellt. Dazu muss man wissen: Die in der DIN 1076 geregelte “handnahe Hauptprüfung” wird bei Ingenieurbauwerken alle sechs Jahre durchgeführt. Dazwischen wird alle drei Jahre eine sogenannte Einfachprüfung durchgeführt. Die Rheinbrücke Leverkusen steht mittlerweile unter “Dauerüberwachung”, auch mithilfe elektronischer Systeme. Die im weiteren Verlauf begutachteten Schäden in den Seilkammern machen die Schrägseilbrücke zum Verkehrsrisiko, eine Hängebrücke hängt in den Seilen.

Wir erreichen Roman Suthold, Verkehrsexperte beim ADAC Nordrhein, im Auto. Er fährt auf der A 1 Richtung Dortmund und befindet sich auf der Höhe Kreuz Köln-Nord. Er weiß, gleich wird er wieder im Stau stehen. “Das größte Problem in Sachen Verkehr in Köln und der Region ist die Leverkusener Rheinbrücke”, steht für Suthold fest.

Die erste Maßnahme, den weiteren Verfall der Brücke zu bremsen, war ein 2014 eingeführtes Fahrverbot für Lkw mit einem Gewicht von über 3,5 Tonnen. Obwohl dies weit vor den Toren der Domstadt angekündigt und mit empfohlenen Umleitstrecken versehen war, fuhren die Lkw weiter auf die für sie gesperrte Querung des Rheins. Automatische Messungen von Gewicht und Geschwindigkeit waren kein Grund zur Abschreckung, Bußgelder in Höhe von 150 Euro auch nicht, täglich rollten weiterhin mehr als 150 Gespanne über die Brücke.

Erst Schranken konnten Lkw-Verkehr auf der Brücke eindämmen

Um die Lkw komplett von der Brücke fernzuhalten, wurde eine zweite Sperrstufe gezündet. Vier Schrankenanlagen verhindern seit einigen Wochen, dass Fahrzeuge schwerer als 3,5 Tonnen überhaupt auf die Brücke gelangen. Es bleibt ein kleiner Rest an uneinsichtigen Truckern, die sich auch davon nicht abhalten lassen und sogar so weit gehen, besser gesagt fahren, bis sie die Schranke durchbrochen haben.

Das beschleunigte Planfeststellungsverfahren für den Brückenneubau ist inzwischen abgeschlossen. Der Neubau mit sechs Spuren je Richtung (vier Spuren und jeweils zwei Streifen für die Verflechtung der Anschlussstelle Köln-Niehl und das Kreuz Leverkusen-West) wird in zwei Abschnitten durchgeführt. Mit Teil 1 der Arbeiten soll 2017 begonnen werden, Fertigstellung 2020. Dann starten die Arbeiten am zweiten Brückenteil, bereits 2023 könnte das komplette Werk vollendet sein. Straßen.NRW als Bauherr hält die Zeitplanung für realistisch, sieht allerdings in den nötigen EU-weiten Vergaben mögliche Gründe für Einwendungen, die zu zeitlichen Verzögerungen führen können.

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