Die Forschung und Entwicklung in Deutschland liegt im Vergleich mit Ländern, wie den USA und China, zurück. Dort weist man eine dynamische Entwicklung auf, hierzulande folgt dagegen auf weniger Anstrengung auch weniger Innovationskraft, so besagt es die Studie „Industrieposition in der Zukunft: Patent- und Forschungsanalyse der deutschen Industrie“ von März 2026 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft. Wie sieht die Zukunft der deutschen Industrie demnach aus im Hinblick auf Patente und Forschung?
Innovationsland Deutschland?
Ist Deutschland noch ein Land, in dem Wissenschaftler, Ingenieure und weitere auf Basis von Forschung und Entwicklung Neues schaffen? „Die deutsche Wirtschaft verliert seit Jahren absolut und relativ an Innovationskraft. Sowohl auf der Inputseite der Innovation, bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE), als auch beim Innovationsoutput, bei den Patenten, verlieren deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich an Bedeutung“, so die Bertelsmann Stiftung. Die Zahlen besagen, dass die FuE-Aufwendungen der Wirtschaft in Deutschland von 8,5 Prozent in 2008 immer weiter auf 5,6 Prozent im Jahr 2021 gesunken seien. Der Weltmarktanteil an den transnationalen Patentanmeldungen sei von 21,9 Prozent in 2000 auf 15 Prozent in 2022 gesunken. Der Rückgang sei schon vor der Coronapandemie im Jahr 2018 signifikant gewesen. Das ist besonders für die deutsche Industrie bedeutend, denn auf diese kämen laut der Studie über 80 Prozent aller FuE-Aufwendungen und Patentanmeldungen.
Industriebranchen im Vergleich
Die Studie analysierte 13 Industriebranchen und kam zu dem Schluss, dass eigentlich überall Defizite herrschen. Am meisten leide die pharmazeutische Industrie, da sich deren Patent-Weltmarktanteil von 13,1 Prozent im Jahr 2000 auf 4,4 Prozent in 2022 verringert habe. Insbesondere die (medizinische) Biotechnologie habe für die Pharmaforschung deutlich an Bedeutung gewonnen. Dieser expandierende Pharmabereich werde in anderen Ländern effizienter und erfolgreicher gefördert als in Deutschland.
Vergleichbar sanken die Zahlen in der chemischen Industrie. Die Studie besagt: „Auch die Elektroindustrie sowie mit Abstrichen die Automobilindustrie – traditionell das Zugpferd Deutschlands in puncto Innovationskraft – haben im Betrachtungszeitraum deutlich auf die internationale Konkurrenz eingebüßt.“ Hervorzuheben sei absolut der Maschinenbau, denn nur diesem industriellen Bereich sei es gelungen, dass die Innovationskraft relativ gesehen nicht sank, sondern sogar noch stieg. Das ist gut für den Maschinenbau und die Patentkraft am Forschungsstandort Deutschland in dem Bereich. Aber schlecht in allen anderen Industriebereichen, denn die Konkurrenz weltweit hat nicht geschlafen.
Globale Forschungskonkurrenz
Ein Problem sei laut der Studie, dass ca. 29 Prozent der transnationalen Patentanmeldungen in Deutschland zwischen 2000 und 2022, das sind etwa 189.000 Stück, aktuell „im Besitz und damit unter der Kontrolle eines Global Ultimate Owners aus dem Ausland“ seien. Umgekehrt spiele Deutschland das Spiel mit 102.000 transnationalen Patentanmeldungen im Ausland, die hierzulande kontrolliert würden. Das Fazit der Studie: „Per Saldo verliert Deutschland folglich in gravierendem Ausmaß intellektuelle Eigentumsrechte an das Ausland.“
Lediglich die Automobilbranche weise ein positives Saldo in diesem Kontext auf. Ein Grund insgesamt seien Übernahmen ehemals deutscher Unternehmen von ausländischen Investoren, aber auch in Folge von in Deutschland gegründeten Tochtergesellschaften ausländischer Industrieunternehmen. Im Analysezeitraum seien mehr als 5.000 Unternehmen hierzulande patentaktiv gewesen, welche mit ihren Patenten aktuell aus dem Ausland kontrolliert würden. Zumeist aus den USA, aber auch China mittlerweile. Die Empfehlung der Studie: „Deutschland ist gut beraten, seine in Patenten resultierende Forschung und Entwicklung nachhaltig zu stärken und in relevanten Technologiebereichen einen deutlich höheren Grad technologischer Autarkie zu erzielen.“
Karoline Sielski
