Blubbern für den Erfolg

Learnings über Stimme, Wirkung und Wahrnehmung eines Medientrainings

by Diana Pohl
Swantje Freifrau von MassenbachBildquelle Farina Renegade

Swantje Freifrau von Massenbach ist Journalistin, Medientrainerin und TV-Gesicht – unter anderem bekannt durch ihre Zeit als fest angestellte Redakteurin beim Westdeutschen Rundfunk und im ARD-Hauptstadtstudio. Hier hat sie vor allem für die Tagesschau und die Tagesthemen gearbeitet und sie ist auch bekannt durch ihr eigenes Online-Talkformat „No Risk No Chance“. Heute geht es aber nicht um ihre Gäste, sondern um mich.

Ich sitze mit einem Strohhalm vor einem Wasserglas. Und das ist kein verspäteter Kindergeburtstag. Sondern der Auftakt meines Medientrainings bei Swantje Freifrau von Massenbach. Ich will wissen, wie ich meine Stimme, meine Wirkung und meine Medienpräsenz verbessern kann – für Interviews, Talks, vielleicht sogar eine eigene Kamera-Ansprache für w, mein Magazin.

Swantje lächelt und sagt: „Hier ist ein Glas, gefüllt zu einem Drittel mit stillem Wasser. Bevor wir losblubbern, zählen wir erst mal die Vokale auf. A – E – I – O – U. Dann die Wochentage und die Zahlen von eins bis sieben.“ Dann kommt der Strohhalm ins Spiel.

Ich soll ihn locker in den Mund nehmen, die Lippen schließen und ganz sanft in das Wasserglas blubbern. Also genau das, was man früher auf Familienfeiern nicht durfte. Jetzt ist es Teil des Medientrainings. Ich muss aber trotzdem lachen, als ich den Strohhalm im Mund habe und überlege, wann ich so ein Teil überhaupt das letzte Mal im Mund hatte. Vielleicht mit meinen Enkelkindern. Ich überlege, dass ich das demnächst mit ihnen mal machen werde, das wird ein großer Spaß – für alle.

Während ich blubbere, soll ich summen. Zwei Minuten lang. Danach heißt es wieder: Vokale, eins bis sieben und die Wochentage aufzählen. Sie fragt mich, ob ich eine Veränderung merke.

„Ja,“ sage ich, „ich habe das Gefühl, dass meine Stimme anders klingt. Irgendwie voluminöser, ruhiger, kräftiger. Kann das sein?“ Sie nickt und sagt: „Das liegt daran, dass durch das Blubbern und das Summen ein Unterdruck entsteht. Der Brustraum öffnet sich, die Stimme bekommt mehr Resonanz. Und die Spannung fällt ab.“

Die Erklärung leuchtet mir ein und ich merke tatsächlich, dass sich etwas verändert hat an meiner Stimme. Trotzdem muss ich sagen, ich hätte nie gedacht, dass ein bisschen Wasserglas-Akrobatik so viel mit professionellem Auftreten zu tun hat. Aber es stimmt. Ich fühle mich tatsächlich präsenter und klarer.

Grimassen für alle Lebenslagen

Danach geht’s direkt weiter mit der nächsten Entspannungsübung, diesmal fürs Gesicht. Es heißt jetzt: Grimassen schneiden. Mund aufreißen. Lippen rollen. Die Stirn runzeln. Die Zunge rausstrecken. Swantje macht’s vor, ich mach’s nach. Wir lachen beide.
„Das Gesicht wird oft vergessen“, sagt sie. „Aber wenn du verkrampft bist, sieht man das. Grimassen lockern – und machen gute Laune. Und genau das willst du auch transportieren, wenn du sprichst.“

Ich nehme mit: Grimassen darf man immer machen. Vor dem Video-Call. Vor dem Interview. Vor dem Kundenmeeting. Es bringt was und fühlt sich dabei auch noch gut an.

Dann geht’s an den Kern. Swantje interviewt mich. Was ist das Besondere an meinem Magazin? Ich erzähle: „w das Wirtschaftsmagazin für Köln und die Region ist seit Jahren das Unternehmermagazin für Köln – ein Traditionsmedium mit modernem Anspruch.“ Sie hört aufmerksam zu, hakt nach, lässt mich erzählen – und gibt mir danach Feedback. „Was du sagst, ist super“, sagt sie. „Aber noch stärker wird’s, wenn du deine Kernbotschaft gleich zu Beginn setzt. Am besten mit einem anschaulichen Beispiel. Dann holst du die Menschen direkt in ihrer Lebenswirklichkeit ab. Neulich hattest du doch die Titelgeschichte über Annette und Susanne Imhoff, die Töchter des Kölner Schokoladenkönigs Hans Imhoff, im Magazin. Schokolade ist etwas, da hatten alle schon mal Berührungspunkte zu. Das ist mitten aus dem Leben. Da verbindet jeder etwas mit.“

Swantje Freifrau von Massenbach mit TabletBildquelle Farina Renegade

Beim Medientraining lernt man nicht nur etwas, es gibt auch immer viel zu lachen

Medienprofi durch und durch

Dann erzählt sie mir etwas über sich, was mir noch mal klar macht, wie fundiert dieses Medientraining eigentlich ist. Sie hat nicht nur selbst moderiert, sie hat auch hinter der Kamera gearbeitet. Und sie weiß, wie es ist, unter großem Druck zu funktionieren. Ob in Köln oder im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin – es gab Situationen, da musste sie innerhalb von Minuten reagieren: „Manchmal hat man kaum Vorkenntnisse und trotzdem muss ein Beitrag raus. Dann gilt: Informationen schnell sammeln, das Wichtigste filtern, sofort auf den Punkt kommen.“

Vor drei Jahren hat sie sich selbstständig gemacht mit ihrer Medienakademie. Die trägt ihren Namen. „Ich habe da gar nicht lange drüber nachgedacht, wie ich meine Akademie nenne. Mir war klar, dass sie meinen Namen haben sollte, weil der dem einen oder anderen durch meine Arbeit beim Fernsehen und als stellvertretende Geschäftsführerin eines Wirtschaftsverbandes bekannt ist. Wieso sollte ich das nicht nutzen?“ Deshalb heißt ihr Unternehmen auch „Swantje Freifrau von Massenbach – Medienakademie“ mit Sitz in Köln. Ihr Training bietet sie dort an, fährt zu ihren Klienten, alles natürlich auch online möglich.

Ich merke: Swantje Freifrau von Massenbach weiß, was sie macht. Sie erzählt von der Berichterstattung beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Wie sie sich aufs Fahrrad schwang, um schneller vor Ort zu sein, weil Straßen gesperrt waren. Wie sie zu den Kollegen aus der Hamburger Zentrale der Tagesschau sagte: „Ich bin jetzt angekommen, sehe aber das Kamerateam und den Übertragungswagen noch nicht. Wenn alle Stricke reißen und die in den nächsten zehn Minuten nicht da sind, dann machen wir eine Telefonschalte und ihr macht ein Foto von mir hinten auf eure Wand – besser als gar nichts.“

Am Ende klappte alles, aber sie war auf Plan B vorbereitet. Sie hatte sich auf die Schnelle Infos von Feuerwehr und Polizei organisiert. Und sie hat beschrieben, wie sie die Lage sieht, wie viele Leute am Absperrband standen, in wie viele entsetzte Gesichter sie blickte. Informationen, die nicht alle über eine Nachrichtenagentur zu erfahren sind.

Klarheit. Prägnanz. Präsenz.

Ich denke über ihre Sätze nach. Ja, das stimmt. Am Ende geht’s immer darum, wie wir was wahrnehmen und wie wir darauf reagieren.
„Ich bin mit meinem journalistischen Denken unter Zeitdruck durch eine harte und auch gute Schule gegangen“, sagt sie. „Und genau deshalb kann ich das auch im Training so gut vermitteln: Was ist wesentlich? Was muss gesagt werden? Und wie schafft man es, auch komplexe Themen in kurzer Zeit verständlich zu vermitteln?“

Ich verstehe: Sie trainiert nicht „Sprechblasen“. Sondern Klarheit. Prägnanz. Präsenz.

Dann schauen wir uns Videoausschnitte anderer Interviews an. Ein Politiker. Eine Unternehmerin. Ein CEO. Swantje fragt: „Was fällt dir auf?“ Ich zähle innerlich mit, wie oft der CEO „genau“ sagt – und plötzlich höre ich kaum noch den Inhalt. Nur noch das nervige Füllwort. Autsch. Ich verstehe, was sie meint: Wenn Füllwörter zu oft kommen, verlieren Inhalte an Kraft.

„Was genau bietest du in deinem Medientraining an?“, frage ich dann.
Swantje erklärt mir, dass sie unterschiedliche Pakete hat – vier, sechs oder acht Stunden, wenn es schnell gehen muss, zum Beispiel vor einem kurzfristigen Auftritt. Das ist das Express-Medientraining.

Am liebsten arbeitet sie aber langfristig mit Menschen – über drei, sechs oder zwölf Monate. „Weil sich das Sprechen vor Publikum, vor der Kamera oder vor Kunden entwickelt“, sagt sie. „Und weil es nicht darum geht, jemanden umzuerziehen, sondern Stärken sichtbar zu machen. Das braucht seine Zeit, wenn es wirklich effektiv und umsetzbar sein soll.“ Jedes Training ist individuell abgestimmt auf ihre Klienten.

Ihr Ziel: dass Menschen wieder an ihre eigene Präsenz und Expertise glauben. Ihre Stimme nutzen. Und ihre Inhalte transportieren – klar, freundlich, fokussiert.

Ich gehe raus aus dem Training mit einer Stimme, die tiefer klingt. Mit einem Gesicht, das lockerer ist. Mit Tools, die ich sofort anwenden kann. Und mit dem Gefühl: Ich habe richtig viel mitgenommen und über mich selbst gelernt.
Das nächste Interview? Kann kommen!

(Eugen Weis)

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