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Von Kleiderschränken und Google-Rankings: Sprache ist breit gefächert

Von Kleiderschränken und Google-Rankings: Sprache ist breit gefächert copyright: pixabay.com
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Die Kommunikation ist eine Königin – die Königin der Anpassung. Sprache, Gestik, Mimik, die äußere Gestaltung wie Kleidung oder Aufmachung passen sich den Gegebenheiten an. Witze zu reißen ist auf Sommerfesten oder im Kabarett durchaus mal angebracht, auf Beerdigungen oder während Abiturklausuren aber eher nicht. Politisch korrekt, kollektives Duzen und “Hallo, I bims” – gerade die Sprache und deren Verwendung ist regelrecht verwandelbar.

Sprache hat einen großen Kleiderschrank

Erst maßgeschneidert angepasst, dann überprüft und nach einiger Zeit neu eingekleidet. Kommunikation schlüpft je nachdem, worauf es ankommt, in das richtige Gewand. Und wenn es mal nicht funktioniert, dann war das Outfit schlecht gewählt. Comedy, Satire oder auch Gangster-Rap verstecken sich mit ihrer Ausdrucksweise, die sie bis zum Maximum ausreizen dürfen, hinter der Kunstfreiheit – sie geben sprachlich zuweilen ihr letztes Hemd. Gleichzeitig schafft es Satire manchmal gerade deshalb etwas besser als Journalisten oder vermeintliche Experten, auch komplizierte Zusammenhänge verständlich zu verdeutlichen – da ist sprachlich der Gürtel enger geschnallt.

Sprache wird in der Satire und Comedy ganz anders genutzt, kompromisslos und mit idealem Timing für die Pointe. Doch das gilt für viele andere nicht. Da muss Verständigung anders sein. Politiker und Firmenchefs müssen sich möglichst politisch korrekt ausdrücken, völlig unangreifbar – zugeknöpft, klassisch im Anzug, auf jedes Wort bedacht. Das gilt bei deren Kommunikation auch gerade für die Worte, die nicht gesagt werden. Hinzu kommt dann noch Umgangssprachliche in legerer Freizeitmode, die ist eher was für andere Anlässe. Ein prall gefüllter Kleiderschrank mit unzähligen Kombinationsmöglichkeiten. Inklusive “Hallo, I bims”-T-Shirt, sofern man auf die Ausdruckweise der Jugend steht.

Digitalisierung verändert die Verständigung im Netz

Durch die Digitalisierung, durch Algorithmen und Analyseparameter, die vieles errechnen und einordnen, verändert sich auch die Verständigung im Internet. So hat sich auch die Herangehensweise an Texte, die möglichst viel und oft gelesen werden sollen, verändert. Die Kernfragen dahinter: Was tippen die User bei ihrer Suche ein? Und wie stehe ich dann ganz oben? Die Unterschiede sind längst spürbar. Texte, die gedruckt werden, unterliegen diesem Zwang nicht. Doch bei der Veröffentlichung rein digitaler Machwerke im Netz ist die Herangehensweise eine ganz andere. Da wäre das Wort “Veröffentlichung” schon mal nicht so gut. Der Nominalstil wird in der suchmaschinenoptimierten Welt nicht gerne gesehen, so wie auch Füllwörter. Darauf reagieren auch Unternehmen weltweit. In Deutschland herrscht unter Firmen längst ein ständiger Wettlauf um einzelne Worte – oder auch Keywords.

Worte ohne Ende für das Google-Ranking

Worte ohne Ende für das Google-Ranking copyright: pixabay.com
Worte ohne Ende für das Google-Ranking
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Manche Unternehmen haben mittlerweile kleinere Redaktionen oder beschäftigen mehrere freie Mitarbeiter, die nur damit beschäftigt sind, Texte zu bestimmten Suchbegriffen zu schreiben, damit die Platzierungen bei Google auf der ersten Seite bei der Suche erscheinen. Das zieht sich durch sämtliche Branchen, die irgendwie online kommunizieren – und das machen mittlerweile fast alle, ganz gleich ob Autobauer, Start-up-Unternehmen oder Bestatter. Eine regelrechte Textindustrie, die das Internet befüllt, ist entstanden.

Dabei zu beachten: Der Text muss schön lang sein, aber auch keine Wall-of-Text, einfach zu lesen (einfache Sprache, keine langen Sätze), das Keyword muss oft vorkommen, aber auch nicht zu oft, es muss einzigartig sein, ein Zitat ist immer gut und vielleicht enthält der Text noch irgendeine sinnvolle Information, außerdem noch eine gut aufgemotzte Überschrift und Zwischenüberschriften, die das Keyword aufgreifen müssen. Schier nicht enden wollende Schachtelsätze mit großen Aufzählungen wie eben sind zwingend zu vermeiden. Viel zu lang. Bei Online-Texten öfters mal einen Punkt machen. SEO ist das Stichwort. Mit Kommunikation, gegenseitigen Verlinkungen und guter Seitenprogrammierung ganz nach oben. Immer der Frage nach: Was sucht der User?

Newsletter als Möglichkeit, Informationen zu transportieren

Hat das Unternehmen diesen User dann gefunden oder eher umgekehrt, muss er auf der Website bleiben. Kommunikation erzeugt Interaktion – und gleichzeitig auch Unterhaltung. Sie ist auch immer ein Stück weit Entertainment. Und durch das Setzen von Cookies und das unaufhaltsame Sammeln von Daten möchten die Unternehmen ihre Performance, Kommunikation und ihr Entertainment im Netz verbessern. Denn Kunden sollen ans Unternehmen gebunden werden. Seit Jahren setzen Firmen im Netz auf Newsletter. Diese werden zumeist mit einfachen Gutscheinaktionen auf die nächste Bestellung oder nicht anfallenden Versandkosten angepriesen. Viele nehmen dieses Angebot im ersten Schritt dankend an. Doch dann gilt es, mit dem Newsletter im Postfach der User nicht in der Sparte “Spam” einsortiert zu werden.

Aber was schreibt man in so einen Newsletter? Wie oft schicke ich den Newsletter raus? Denn bei der Verständigung sowohl online als auch offline ist das richtige Timing von großer Bedeutung und längst nicht alle Firmen haben noch Geld übrig, um eine App entwickeln zu lassen und diese dann entsprechend regelmäßig zu befüllen. Wie oft und insbesondere wann teile ich meine Nachrichten dem Verbraucher mit?

Regelmäßig, reduziert und trotzdem informativ

Die REWE Group zum Beispiel verschickt ihren wöchentlichen Newsletter zumeist am Sonntagmittag. Dort wird dann auf diverse Aktionen in den Märkten hingewiesen. Ob Spendenaktion für Bienen, spezielle Coupons für den Einkauf und natürlich auch die kommenden Produktangebote für die nächste Woche – alles dabei. Mit entsprechender Follow-Link-Möglichkeit noch weitere Informationen einsehen zu können. Zeitlich bewusst auf einen ruhigen Tag gelegt, wo Leute eben nicht einkaufen gehen, gerne aber schon einmal eine Liste für den nächsten Einkauf zu Wochenbeginn anlegen. Da kommt diese Nachricht per E-Mail für manchen zur rechten Zeit. Darüber hinaus lokal zugeschnitten, am besten direkt auf den nächstliegenden Markt.

Werbung und Marketing wird hyperlokal

Drei essentielle Arbeitstools des 21. Jahrhunderts: Laptop, Smartphone und Kaffeetasse, um fit zu bleiben. Copyright: pixabay
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Copyright: pixabay

Lokalität bzw. Regionalität ist ein wichtiger Punkt in der Verständigung von Firmen mit dem Kunden, insbesondere offline. Gerade bei Plakatwerbungen fällt das auf, insbesondere in Köln, bisweilen sogar Hyperlokalität, auf einzelne Stadtteile abgestimmt. Hier fallen vor allem die roten Plakate der Früh-Brauerei auf, die immer wieder Wortspiele rund um Stadtteile kreiert. Kommunikation mit Humor und regionalem Bezug und Sprache. Doch nicht nur die regionalen Brauereien setzen auf diese Art der Werbung an öffentlichen Plätzen, auch viele andere Unternehmen, die beispielsweise nur in dieser Region ihre Kunden suchen, wie NetCologne. Hier wird nicht ganz so viel Humor wie bei den Brauereien kommuniziert, stattdessen wird hier bei der Ausdrucksweise auf junge, dynamische Formulierungen gesetzt. Digital angehauchte Verständigung halt, passend zum Business.

“You can say you to me”

Kommunikation ist so vielschichtig. Unternehmen sollten immer im Auge haben, dass die Art und Weise entsprechend der eigenen Firmenweltanschauung ist. Corporate Communications im Geiste der Corporate Identity. Es muss eben passen. Es ist auch in Ordnung, konsequent alle Menschen zu duzen – das weiß nicht nur IKEA, frei nach dem Motto: “You can say you to me.” Sprachlich ist auch etwas anderes gar nicht möglich. Schwedisch – wie auch Englisch – kennt kein “Sie”. Eine gewisse Bildung über Interkulturalität kann da helfen, wenn das “Du” einem nicht passt. Wer bestmöglich im Vorfeld einer anstehenden Unterhaltung über diese informiert ist, egal mit wem und worüber, kommt meistens weiter. Doch so kompliziert die Welt der Kommunikation auch ist – ein Stück weit kölsches Grundgesetz spielt dabei immer noch mit: denn “et kütt wie et kütt” und “et hätt noch emmer joot jejange”.

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