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START-UP-HOTSPOT KÖLN – Nur ein Trend? Gegründet wird in Köln schon seit über 2.000 Jahren

by Redaktion

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START-UP-HOTSPOT KÖLN - Nur ein Trend? Gegründet wird in Köln schon seit über 2.000 Jahren

[nextpage title=“Start-up-Standort Köln“]

START-UP-HOTSPOT KÖLN - Nur ein Trend? Gegründet wird in Köln schon seit über 2.000 Jahren - copyright: Faber14 / fotolia.com

START-UP-HOTSPOT KÖLN – Nur ein Trend? Gegründet wird in Köln schon seit über 2.000 Jahren
copyright: Faber14 / fotolia.com

Die Gründer- und Start-up-Show „Höhle der Löwen“ auf VOX fährt Staffel für Staffel Höchstwerte bei den Einschaltquoten ein — zuletzt mit einem neuen Bestwert seit Sendestart. Fünf finanzstarke Investoren versuchen in der Sendung den besten Deal für innovative Geschäftsideen für sich rauszuschlagen, die Gründer sind auf der Suche nach Kapital und geben dafür Firmenanteile an die „Löwen“ ab. Meistens ist der Ablauf derselbe: Es wird eine neue Idee in einem kurzen Pitch vorgestellt, es werden die Einnahmen- und die Ausgabensituation der Gründer besprochen und die Frage, ob die Idee des Start-ups massenkompatibel ist. Stößt die Idee bei einem oder mehreren der prominenten Investoren auf Gehör, geht das Geschachere um Firmenanteile und Investitionen los. Wird man sich einig, ist der Deal eingetütet.

Doch wie sieht die Wirklichkeit für Start-ups und Investoren aus? Welche Hürden müssen die (meist) jungen und unerfahrenen Unternehmen nehmen? Ab wann lohnt es sich für einen Investor „zuzuschlagen“? Wie schafft man den Sprung vom Start-up zum Global Player? Und wie sieht die Start-up-Situation konkret in Köln und der Region aus?

Start-up ist nicht gleich Start-up

Fest steht: Start-up ist nicht gleich Start-up, das komplette Thema muss vielschichtig betrachtet werden. Und ohne Netzwerke und professionelle Unterstützung kann man sich in dem Themenbereich nahezu komplett verrennen. Eine schier grenzenlose Flut an Informationen ist im Internet erhältlich, „Uneingeweihte“ werden nahezu erschlagen von Fachwörtern und Begriffen, zu jeder Position gibt es die verschiedensten Betrachtungsweisen – und am Ende muss sich jeder selbst seine ganz persönliche Meinung bilden. Eins wollen wir jedoch bereits jetzt vorwegnehmen: Wer nach Unterstützung, Informationen oder Gleichgesinnten zu dem Themenkomplex Ausschau hält, wird – vor allem in Köln und der Region – fündig und erhält eine unglaublich vielseitige Fülle an Hilfe.

Start-ups sind begrifflich schwer einzuordnen, noch fehlt eine einheitliche Definition. Einige verwenden Start-up als trendige Bezeichnung für alle Arten von Gründungen. Andere wiederum verstehen darunter nur junge Unternehmen aus der IT-Branche. Was sich wie ein roter Faden durch alle Definitionen zieht: Die Finanzierung und die Organisation eines schnell wachsenden Unternehmens stellen Gründer häufig vor ungeahnte Herausforderungen. Start-ups sind mit hohen Chancen, aber auch hohen Risiken behaftet.

Die Industrie- und Handelskammer Köln begreift unter dem Stichwort „Start-up“ ein Gründungsvorhaben und junge Unternehmen mit besonderen Merkmalen und besonderem Bedarf. Innovative Elemente (in Produkt, Geschäftsidee oder Geschäftsmodell) sowie ein skalierbares Geschäftsmodell (expansionsfähig und übertragbar auf andere Märkte) zeichnen laut IHK die neuen Gründer aus. Zudem sind sie von Beginn an entweder freiwillig oder aufgrund eines Drucks aus dem Markt auf Wachstum ausgerichtet.

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Welche wirtschaftliche Bedeutung haben Start-ups für Köln und die Region? Wie sehen die Visionen in der Hinsicht für die Domstadt aus? Was sind die Stärken der Rheinmetropole? Mathias Härchen – Leiter Unternehmensförderung / stellv. Geschäftsführer der IHK Köln gibt Antworten im Interview.

Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung /stellv. Geschäftsführer IHK Köln - copyright: Alex Weis

Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung /stellv. Geschäftsführer IHK Köln
copyright: Alex Weis

„Größe zieht Größe an, diesen Faktor müssen wir ausspielen“
Mathias Härchen, Leiter Unternehmensförderung /stellv. Geschäftsführer IHK Köln

Die Wirtschaft Köln: Herr Härchen, was ist Ihrer Meinung nach ein Start-up?

Mathias Härchen: Dazu muss man zunächst definieren, sind Start-ups nur digitale Gründer oder Newcomer aus allen Branchen? Es gibt einen harten Kern aus beiden Gruppen, was die Folgen und Chancen betrifft. Aus unserer Sicht sind es die, die fünf bis zehn Jahre nach Gründung nur jung sind, eine Innovation bieten und auf Wachstum ausgerichtet sind. Daraus leiten sich zwei Folgen ab.

Zum einen gibt es in der Regel besondere Herausforderungen bei der Finanzierung, weil das Risiko so groß ist wie die Chance auf den Erfolg. Die jungen Gründer haben noch keine Vita, dazu eine schwer einzuschätzende Geschäftsidee, da muss man Banken auch in Schutz nehmen, wenn sie strenge Maßstäbe an eine Finanzierung anlegen. Daher gilt es zu netzwerken, sich um Investoren als denkbare Alternative zu kümmern, die statt der Banken nötiges Kapital bereitstellen können.

Zweite Folge: Wenn ein Start-up stark wächst, bedarf es mehr Mitarbeiter, daraus resultieren höhere Personalkosten, und die Organisation kommt dem nicht nach. Letztendlich kann das Personalgefüge zusammenbrechen. Viele Start-up-Gründer fangen bescheiden an, geradezu hemdsärmelig, haben auch Erfolg, aber dann braucht es in einem zweiten Level Geld fürs Marketing, und dafür findet sich keine Bank. Denn wenn das Marketing nicht zündet, ist das Geld verbrannt.

Die Wirtschaft Köln: Gibt es Zahlen, wie viele Start-ups es schaffen?

Mathias Härchen: Der Ansatz, ein Start-up zu gründen, zum Erfolg zu führen und nach drei oder vier Jahren zu verkaufen – siehe WhatsApp –, ist ja ein Traum. Start-ups, die so den Exit schaffen, sich mit dem Ertrag der nächsten tollen Idee zuwenden, dürften sehr limitiert sein. Das als Erfolg zu betrachten ist dann auch relativ – was ist, wenn der Kopf geht und das Start-up bricht ein: Ist das dann noch Erfolg?

Im Ideenreichtum, im wachsenden Mittelstand liegen die Chancen der Start-ups, die auch von den klassischen Gründern wahrgenommen werden. Chancen ausloten, Visionen in den Vordergrund stellen und nicht totreden, welche Idee trägt wie weit, aber auch welche Stolpersteine gibt es.

Das Problem bei alledem ist, dass sich bei der guten konjunkturellen Lage der letzten Jahre die Gründerzahlen auf einem Höchststand befinden müssten. Stattdessen nutzen die meisten Menschen nach wie vor den florierenden Arbeitsmarkt und bevorzugen die abhängige Beschäftigung.

Die Wirtschaft Köln: Welche Bedeutung hat die Start-up-Szene für die Region?

Mathias Härchen: Köln und sein Umland leben von neuen Ideen. Auch aus der Wissenschaft sollten viele Ideen kommen, die akademischen Schmieden sind Fundament einer guten Start-up-Szene. Keine Idee soll verloren gehen, sondern sich weiterentwickeln, um daraus eventuell ein Start-up zu gründen. Köln hat ein gutes Klima dafür, muss das aber besser nach außen tragen. Die USA oder Berlin machen das seit Jahren, Start-ups ziehen neue Start-ups an, daraus entwickelt sich eine dynamisch-kreative Szene, die es in die Metropolen zieht.

In NRW ist die Region Köln mit an die 1.000 Start-ups der größte Start-up-Standort. Viel Industrie und Mittelstand bieten einen tollen Markt, in Sachen Kundschaft, aber auch für Kooperationen. Köln ist zudem stärkster Wirtschafts- und Universitätsstandort in NRW, macht damit bislang aber zu wenig Werbung. Wir tun jedoch alles dafür, damit die Region Köln die Führungsrolle in NRW behält und ausbaut.

Die Vision: Köln soll einer der führenden Standorte für Digitalisierung werden, eine führende Rolle im Gleichklang mit Berlin, Hamburg und München einnehmen. Wir sind da auf einem guten Weg, sind auf dem Weg zum „Next Level“. Bring ich gemeinsam mit anderen die Szene voran, bringt mich das auch voran. Größe zieht Größe an, diesen Faktor müssen wir ausspielen.

Die Wirtschaft: Was macht die IHK Köln konkret für Start-ups?

Mathias Härchen: Wir errichten mit der Stadt Köln und der Universität den Digital Hub Cologne. Wir beraten über Finanzierungswege. Start-ups entwickeln sich häufig erst im Markt. Aber dann gibt’s häufig kein Geld mehr, nicht von den Banken und auch keine Fördermittel, wo es gilt: erst beantragen, dann gründen. Zudem berät die IHK in Fragen von Recht, Steuern und Personal und vermittelt Hilfe im Falle der Krise. Wir nehmen eine neutrale Rolle ein, z. B. Hilfe geben bei der Webseite eines Start-ups, und sehen uns da am ehesten in der Rolle des Begleiters.

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Start-ups in der digitalen Wirtschaft - copyright: pixabay.com

Start-ups in der digitalen Wirtschaft
copyright: pixabay.com

In einem Gutachten für die Stadt Köln und die IHK beschreiben die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln die Bedeutung und die Struktur der digitalen Start-ups in Köln. Das Gutachten ermittelte nicht nur den Status quo und möchte das Verständnis des Start-up-Ökosystems steigern, sondern quantifiziert auch die digitale Start-up-Szene im IHK-Bezirk Köln. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die ermittelten Ergebnisse denen für Berlin, das im weltweiten Vergleich der führenden Top-20-Start-up-Standorte Rang neun belegt, gegenübergestellt.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass in der Stadt Köln aktuell (Februar 2016) 626 von 1.811 digitalen Unternehmen (also 35 %) maximal zehn Jahre alte Start-ups sind. Der Anteil besonders junger digitaler Start-ups, die nicht älter sind als fünf Jahre, liegt bei 279 Unternehmen beziehungsweise 15 Prozent. Zum Vergleich: In Berlin sind 2.105 von 4.766 digitalen Unternehmen Start-ups, deren Alter maximal zehn Jahre beträgt. Im IHK-Bezirk Köln sind 862 von 2.755 digitalen Unternehmen Start-ups und maximal zehn Jahre alt; bei den bis fünf Jahre alten sind es 391 Unternehmen und somit immerhin rund 14 Prozent. (In den Zahlen für den IHK-Bezirk Köln sind die Zahlen für die Stadt Köln enthalten.)

Insgesamt lassen sich rund 2,9 Prozent aller Unternehmen in Köln der Digitalwirtschaft zuordnen; im IHK-Bezirk liegt dieser Anteil mit 2,2 Prozent ebenso wie in Berlin (2,5 Prozent) etwas niedriger. Ende des ersten Quartals 2016 waren im IHK-Bezirk Köln fast 13.000 Mitarbeiter in digitalen Start-ups (Unternehmensalter ≤ 10 Jahre) beschäftigt, von denen über 9.000 ihren Job im Stadtgebiet Kölns ausübten; in Berlin liegt die entsprechende Zahl der Mitarbeiter in digitalen Start-ups bei über 34.600. Ob Köln oder Berlin, 60 Prozent der digitalen Start-ups sind Kleinstunternehmen mit zwei bis fünf Mitarbeitern, die vor allem in den Branchen „Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie“, „Einzelhandel“, „Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben“, „Unternehmensberatung“ und „Großhandel“ tätig sind.

Start-up-Szene in Köln

Welche Unterstützung und Hilfen Start-Ups von Seiten der Stadt Köln erhalten und warum Tel Aviv eine wichtige Rolle für die Zukunft des rheinischen Start-Up Standorts spielt erklärt Roland Berger – Leiter Stabstelle für Medien und Internetwirtschaft der Stadt Köln.

Roland Berger, Leiter Stabsstelle für Medien- und Internetwirtschaft der Stadt Köln - copyright: Alex Weis

Roland Berger, Leiter Stabsstelle für Medien- und Internetwirtschaft der Stadt Köln
copyright: Alex Weis

„Wir sind ein attraktiver Standort für Unternehmen wie für Investoren“
Roland Berger, Leiter Stabsstelle für Medien- und Internetwirtschaft der Stadt Köln

Die Wirtschaft Köln: Herr Berger, ist das ganze Start-up-Geschehen nur ein Trend?

Roland Berger: Das ist kein Trend, sondern eine notwendige wirtschaftliche Entwicklung. Wir haben das Thema Digitalisierung der Wirtschaft, sprich auch der Innovation vom wirtschaftlichen Geschehen, und die gestiegene Zahl an Start-ups zeigt einfach den Bedarf der Wirtschaft an innovativen Dienstleistungen und Produkten. Das ist jetzt nicht nur in Köln so, sondern weltweit, dass Themen wie Innovation und digitale Transformation dazu beitragen, die Wirtschaft voranzubringen. Wenn Sie aufs „Silicon Valley“ schauen, also nicht nur auf „Apple“ und „Facebook“, sondern auch die ganz anderen Themen wie „Uber“ in Richtung Taxi oder „Airbnb“ in Richtung Hotel stehen die für neue Geschäftsmodelle, welche aus dem Bereich der Start-ups kommen. Und ich bin davon überzeugt, dass das eine notwendige wirtschaftliche Entwicklung ist, die auch die nächsten Jahre noch von Bedeutung sein wird – wenn nicht sogar Jahrzehnte. Aber Gründer gab es schon immer. Köln ist schließlich vor 2.000 Jahren gegründet worden.

Start-ups sind fünf bis zehn Jahre alte innovative, skalierbare Geschäftsmodelle, die sich auch im Rahmen der zunehmenden Bedeutung der Themen Digitalisierung, Internet und digitale Techniken entwickelt haben. Reden wir über digitale Start-ups, geht es natürlich auch um das große Thema Industrie 4.0 und die sich damit verändernden Prozesse der Kommunikation von Robotern untereinander. Das betrifft z.B. die Autoindustrie, Stichwort selbstfahrendes Auto, in Köln also „Ford“ und seine Zulieferer, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen müssen. Auch die für Köln wichtige Versicherungswirtschaft muss in Sachen Digitalisierung zukünftige Geschäftsmodelle entwickeln.

Die Wirtschaft Köln: Welche Unterstützung und Hilfestellung bietet die Stadt Köln Start-ups an?

Roland Berger: Wir haben gemeinsam mit vielen Initiativen und Partnern in Köln ein durchaus differenziertes Beratungsangebot für Start-ups geschaffen. So gibt es das Starter-Center bei der IHK, der Handwerkskammer zu Köln und bei der Stadt Köln. Wir beraten bei der Stadt Köln konkret junge Freiberufler, die in die Selbstständigkeit gehen wollen. Wir unterstützen Start-ups, indem wir sie zu bestimmten Institutionen vermitteln, welche eine Beratung anbieten können und Business-Modelle erstellen. „Startplatz“ oder „Solution Space“ bieten qualifizierende Veranstaltungen, nicht nur in Techfragen, sondern auch in Businessfragen. Eine Idee zu haben ist gut, aber ich muss auch wissen, wie ich die vermarkten kann. Dem Grunde nach sind wir als Stabsstelle eher strukturell aufgestellt und versuchen, das Start-up-Ökosystem in seiner Vielfalt und seiner Gesamtheit mit voranzubringen. Wir haben in letzter Zeit durchaus einiges bewegt.

Die Wirtschaft Köln: Wie sieht denn die Zukunft der Start-up-Szene in Köln aus?

Roland Berger: Für Oberbürgermeisterin Reker ist das Thema Start-up ein ganz zentrales Element. Ihre Vorstellung ist, in den nächsten fünf Jahren Köln neben Berlin als den Start-up-Hotspot in Deutschland zu etablieren. Wir haben eine Strategie, wie wir das verfolgen, das sind fünf Punkte: Raum und Infrastruktur schaffen, Kundenzugang verbessern, Kapital binden, Talente fördern, Vernetzung und Internationalisierung. Das wollen wir voranbringen, um hier dieses Start-up-Ökosystem zu stärken. Da haben wir viel gemacht in letzter Zeit und in Zukunft müssen wir dies jetzt bündeln. Wir sind ein attraktiver Standort für Unternehmen wie für Investoren.

Wir haben zum Beispiel eine intensive Kooperation mit dem Innovationszentrum SOSA in Tel Aviv aufgebaut, damit „unsere“ Start-ups, wenn sie denn wirklich erfolgreich sind, Zugang zum internationalen Markt erhalten. Tel Aviv, Partnerstadt von Köln, ist neben dem „Silicon Valley“ in den USA der Start-up-Hotspot in der Welt. Wir haben in Tel Aviv mit SOSA einen Partner gefunden, welcher ein Start-up-Center auf der einen Seite ist, aber auch fast alle israelischen Investoren um sich versammelt. So können wir eine Brücke für den Austausch bauen zwischen dem Ökosystem Tel Aviv und dem Ökosystem Köln.

Aber auch vor Ort in Köln direkt geschieht einiges. Die StartupCon in der LANXESS arena zum Beispiel als die größte Start-up-Ein-Tages-Veranstaltung in Europa ist ein großer Marktplatz von Investoren, Unternehmen, die sich gegenseitig treffen, kennenlernen und vernetzen. Oder der „Pirate Summit„, mit einer ganz anderen Atmosphäre, aber genauso. International, 80 bis 90 Nationen, 1.200 Teilnehmer – solche Plattformen mit diesem Angebot findet man nicht so leicht in Europa.

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Hendrik Lennarz, Produktmanager Trusted Shops - copyright: Trusted Shops

Hendrik Lennarz, Produktmanager Trusted Shops
copyright: Trusted Shops

„Ihr braucht Mut, Leidenschaft und natürlich richtig viel Ausdauer“
Hendrik Lennarz, Produktmanager Trusted Shops

Trusted Shops ist seit über 15 Jahren die bekannteste europäische Vertrauensmarke im Bereich E-Commerce. Das 1999 gegründete Kölner Unternehmen stellt mit dem Gütesiegel inklusive Käuferschutz, des Kundenbewertungssystems und des Abmahnschutzes ein „Rundum-sicher-Paket“ bereit. Durch strenge Einzelkriterien wie Preistransparenz, Kundenservice und Datenschutz überprüft Trusted Shops seine Mitglieder und vergibt sein begehrtes Gütesiegel. Mit dem Käuferschutz, den jeder zertifizierte Online-Shop bietet, sind Verbraucher etwa bei Nichtlieferung von Waren abgesichert. Zudem sorgt das Kundenbewertungssystem für nachhaltiges Vertrauen bei Händlern und bei Käufern.

„Mit heute über 270 Mitarbeitern mit internationaler Ausrichtung und einem immer breiteren Feld an anderen E-Commerce Services kommen auch völlig neue Herausforderungen wie der Kampf gegen Fake-Shops oder Fake-Bewertungen auf uns zu. Immer das Ziel vor Augen, die Verbraucher beim Online-Shopping bestmöglich zu schützen“, so Hendrik Lennarz, der am Aufbau von Trusted Shops maßgeblich beteiligt war. In der Kölner Gründerszene hilft Lennarz Start-ups und Unternehmen jeglicher Größe beim Aufbau agiler Growth-Hacking-Teams, bei der Neuentwicklung digitaler Produkte sowie der erfolgreichen Einführung dieser Produkte in die Märkte.

Zum Thema Start-up meint Lennarz: „Ein Start-up muss nicht immer das coole kleine Team sein, das eine Mobile App zusammenschraubt. Vielmehr sind heute auch große Unternehmen und Brands in der Lage, mit kleinen agilen Teams wie ein Start-up zu agieren. Die wichtigste Charakteristik für Start-ups ist für mich persönlich die Möglichkeit, sich sehr rasch an wechselnde Marktbedingungen, wie neue Technologien oder neue Kundenanforderungen, anzupassen. Dank Internet hat sich die Anzahl an neuen Ideen und damit an Gründungen deutlich erhöht.“

Er sieht den Vorteil im Kölner Standort ganz klar im „kölschen Klüngel“: „Wie im Karneval und in der Industrie müssen wir, als die jüngere Generation, nur jetzt noch lernen, diesen ,Zusammenhalt‘ auch im Online-Business gemeinsam auszuspielen. Aachen, Bonn und vor allem Düsseldorf gehören im Internet für mich zum Kölner Raum dazu. Leider kennt man sich untereinander kaum. Weder die CEOs noch die Arbeitnehmer. Die rheinische Meet-up-Szene, in der sich die Experten abends zum Austausch zu bestimmten Themen treffen, ist endlich in der Entstehung und trägt erste Früchte. Unternehmen müssen jedoch viel mehr in Vorleistung gehen und Meet-ups oder Barcamps unterstützen. Die Kooperation großer und kleiner Firmen muss intensiviert werden. Man muss sich Kunden zuschieben, ohne stets Angst zu haben, sie dadurch zu verlieren.“

„Für Kölner Unternehmen sollten Bündnisse mit der Stadtverwaltung und dem Land NRW Vorrang haben, um den Digitalexperten der Zukunft das attraktivste Paket anbieten zu können. Wir haben enorm viele Start-ups und Unternehmen, die bereits sehr erfolgreich sind. Dabei auch einige Hidden Champions, die immer ein bisschen unter dem Radar fliegen. Aus meiner Sicht sind wir auch in der Coworking-Space-Szene ganz gut unterwegs. Der Startplatz, der Solution Space oder die neuen HEADQUARTER[S] Cologne. Nicht zu vergessen: Wir hosten natürlich auch die DMEXCO, den Pirate Summit, den SEO-Day und jetzt auch die StartupCon als sehr bekannte und erfolgreiche Digital- und Start-up-Events“, ergänzt Lennarz.

Als Tipps für alle frischen Start-ups gibt er mit auf den Weg: „Ihr braucht Mut, Leidenschaft und natürlich richtig viel Ausdauer. Doktert nicht zu lange an eurem Produkt rum. Geht in den Markt, holt echte Kundenfeedbacks und passt das Produkt den Kundenbedürfnissen an. Nur so lässt sich das Verbrennen von Zeit und Geld vermeiden, jedoch leider auch nicht ausschließen.“

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Carlo Matic, Entrepreneur, Business Angel und Unternehmer - copyright: Power&Radach

Carlo Matic, Entrepreneur, Business Angel und Unternehmer
copyright: Power&Radach

„Mir ist wichtig, dass Start-ups für das Thema brennen und es aus Passion machen“
Carlo Matic, Entrepreneur, Business Angel und Unternehmer

Carlo Matic ist ein seit über 20 Jahren erfahrener Entrepreneur. Als einer der ersten Interaktiv-Entwickler in Deutschland gründete er 1997 im Aachener Drehturm den Interaktiv-Dienstleister „Interactive Pioneers GmbH“ und Start-ups wie das kostenlose Shopsystem SUPR.COM aus Köln. Neben seiner technischen Expertise liegt sein Know-how insbesondere in den Bereichen User Experience, Usability und Onlinemarketing. Sein Wissen füllt Bücher und Seminarräume. Mit seiner Erfahrung, seinen Teams und Kontakten ist er für Start-ups eine wertvolle Hilfe. So berät er etwa bei Konzeption, Design und App- oder Web-Entwicklung für digitale Start-ups, bietet zudem mit seiner Werbeagentur POWER+RADACH Full-Service-Kommunikationsleistungen.

Häufig wird Carlo Matic gebeten, sich persönlich als Business Angel in einem sogenannten Advisory Board zu engagieren. Damit holen sich Gründer die ihnen fehlende Erfahrung und das Wissen in die Firma, was ihnen hilft, Fehler zu vermeiden, Geld zu sparen, schneller zu sein und vor allem Vertrauen gegenüber anderen Partnern wie z. B. Finanzinvestoren zu gewinnen. Hier hilft Matic mit seiner Gründererfahrung sowie seinem Marketing- und Technologiewissen. „Ich habe Firmen gegründet, finanziert, skaliert, geschrumpft, umgebaut, verkauft und abgewickelt. Gründung, Einstellung, Finanzierung, Controlling, Mitarbeiterführung, rechtliche Belange, steuerliche Aspekte und vieles mehr muss man alle bereits im ersten Jahr beherrschen. Ich hatte über 20 Jahre Zeit dafür, daher hat vieles gut geklappt. Aber ich habe natürlich auch Fehler gemacht und Umwege genommen, die ich anderen ersparen kann.“

Auch Investoren suchen die Zusammenarbeit mit Matic als Business Angel. Die Vorteile schildert Carlo Matic: „Seriöse Angel investieren mindestens ein fest fixiertes Zeitkontingent pro Monat, wo die Gründer alle Fragen stellen können oder auf ihre Entwicklung und Entscheidungen Feedback bekommen. Aber auch andere messbare Leistungen wie Kontaktanbahnung oder Verhandlungsführung können ein Wert sein, den der Angel einbringt. Zudem ist ein unbekanntes Start-up natürlich auch attraktiver, wenn bekannte Namen beteiligt sind.“

Doch wie entscheidet man, wo man investieren sollte? Dabei geht Carlo Matic nicht anders als Finanzinvestoren vor und prüft vorab die Idee, das Businessmodell (wie man damit Geld verdienen will), den Businessplan (wie man das Ziel erreichen will), aber vor allem das Team und die Gründer. „Ein toller Techniker allein reicht nicht, ein toller BWLer ohne Markterfahrung auch nicht, ein Marketingprofi ohne Finanzerfahrung ebenfalls nicht. Also muss sich ein Team finden, das für das Thema brennt, denn man ist nur mit Leidenschaft wirklich gut“, so Matic.

„Wenn all das überzeugt, machen wir eine sogenannte ,Due Diligence‘, bei der alle Aspekte des Start-ups intensiv geprüft werden. Ein Prozess, der einfacher wird, wenn sich bereits ein anderer Investor engagiert hat. Dann machen wir nur noch die technische Prüfung und bewerten die Machbarkeit“, verrät Matic. Dabei wird auch mit Technik investiert, was aber laut Matic nicht immer sinnvoll ist. Wenn die wichtigen Werte der Firma die Technologie und ihre Entwickler sein werden, sind das ein Assets, die in der Firma sein sollten. In solchen Fällen hilft Matic mit seinen Teams „nur“ bei der richtigen Konzeption, beim Teamaufbau, bei Prozessen und der Begleitung, damit möglichst schnell ein möglichst erfolgreiches Entwicklerteam in der Firma ist.

Auf die Frage, welcher Investor der richtige für welches Start-up ist, erklärt Carlo Matic: „In einer Frühphase will ich als Gründer intelligentes Geld, also jemanden vom Fach mit Erfahrung und Kontakten neben dem auch wichtigen Geld. Das kann man natürlich auch mit Business Angeln kombinieren. Die ersten Investoren bringen dann oft auch die Kontakte für die folgenden Runden mit.“ Matic weiß aber auch, dass Start-ups auch ganz ohne Investoren aus eigener Kraft wachsen können. Wenn dies aber deutlich länger dauern würde als mit einem Investment, verliert man Geld, gibt er zu bedenken.

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