Das Gateway Exzellenz Start-up Center (ESC) der Universität zu Köln bietet Studierenden Beratung und Coaching rund um das Thema Gründung. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Dachmarke Gateway haben wir mit Geschäftsführer Marc Kley über das vergangene Jahrzehnt, interessante Gründungsideen und nächste Ziele gesprochen.
DIE WIRTSCHAFT: Herr Kley, den Gateway Gründungsservice der Uni Köln gibt es schon seit einem Jahrzehnt. Was unterscheidet das damalige Angebot vom heutigen?
Marc Kley: Ich bin seit 2011 an der Uni Köln beschäftigt und habe Gateway von Anfang an begleitet. Der größte Unterschied ist das Angebotsspektrum. Damals gab es 1,5 Stellen und somit nur mich und eine andere Person. Wir haben lediglich eine Gründungsberatung angeboten. Heute sind wir ein 30-köpfiges Team und können gründungsinteressierte Studierende von der Idee bis zum Markteintritt begleiten.
DIE WIRTSCHAFT: Was waren die wichtigsten Meilensteine?
Marc Kley: Erster Meilenstein war, dass die Uni 2015 einen sogenannten Inkubator eröffnet hat. Dafür wurde ein kleines Gebäude in einem Hinterhof in Köln-Sülz angemietet. Hier konnten Studierende, die gründen wollten, Arbeitsplätze nutzen und sich vernetzen. Ein weiterer Meilenstein war, dass wir uns 2019 erfolgreich auf eine Ausschreibung des Landes NRW beworben haben und dadurch als eines von sechs Exzellenz Start-up Centern an Hochschulen in NRW gefördert werden. Das hat es uns ermöglicht, effiziente Strukturen und personelle Ressourcen aufzubauen. Wenn man so will, sind wir heute wie ein Start-up innerhalb des öffentlichen Dienstes aufgestellt. Sozusagen ein Schnellboot, das neben dem großen Tanker fährt.
Wichtig war auch die Gründung unseres Fördervereins, der zur langfristigen Sicherung unserer Angebote dient – auch über die Förderung des Landes NRW hinaus, die zum Jahresende ausläuft. Glücklicherweise hat sich die Uni ebenfalls bereit erklärt, die Strukturen des ESC zu verstetigen. Das bedeutet etwa, dass wir auch nach Auslaufen der Landesförderung etwas mehr als ein Drittel der Stellen aufrechterhalten können, ebenso wie einen großen Teil unserer Services.
DIE WIRTSCHAFT: Gateway hat sich zur Dachmarke in der Kölner Hochschullandschaft entwickelt. Welche Vorteile bringt das mit sich?
Marc Kley: Das Label Gateway ist 2015 entstanden, um unserem Gründungsservice im Sinne des Eigenmarketings einen unverwechselbaren Anstrich zu geben. In den letzten Jahren haben sich andere Kölner Hochschulen, darunter die TH oder die Spoho, angeschlossen und nutzen die Marke auch für ihre Gründungsservices. Dadurch treten wir geschlossen mit einem abgestimmten Angebot auf. Aufgrund der Förderung des Landes NRW haben wir an der Uni Köln zwar mehr Ressourcen, dennoch profitieren alle von der Zusammenarbeit. Wir veranstalten z. B. einen gemeinsamen Ideenwettbewerb.
DIE WIRTSCHAFT: Was unterscheidet Gründungen aus dem universitären Kontext von anderen?
Marc Kley: Die Unterschiede sind gar nicht so groß. Dennoch haben wir als Gateway ESC sicherlich einige Vorteile. Dazu gehören die Ressourcen und die intensive Vernetzung. Wir haben z. B. einen sehr guten Zugang zu Investorinnen und Investoren. Es gibt u. a. den Campus Capital Fonds oder den Gründungswettbewerb Campus Competition Cologne, kurz C3, der Investmentangebote von bis zu 300.000 Euro bietet. Was uns ebenfalls unterscheidet, ist das intensive Transfer-Scouting, das dabei hilft, Forschungsergebnisse und innovative Ideen in eine Gründung zu überführen. Unser Scouting-Konzept dient vielen anderen Unis und Hochschulen bereits als Blaupause, weshalb wir dazu bald ein Whitepaper herausgeben werden.
DIE WIRTSCHAFT: Das Gateway ESC belegt im Gründungsradar 2025 den 3. Platz. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Marc Kley: Wir sind natürlich stolz, dass wir in vielen Rankings, auch beim Gründungsradar, sehr gut abschneiden. Wir werden zudem immer wieder als gründungsfreundlichste, nicht technische Hochschule Deutschlands ausgezeichnet. Zum Erfolgsrezept gehört, dass wir uns aufgrund der bereits genannten Förderung des Landes NRW professionell aufstellen konnten. Zudem kommt uns der gute Draht zu unserer Hochschulleitung zugute sowie zu den anderen Hochschulen, zur Wirtschaftsförderung KölnBusiness und zu Investorinnen und Investoren. Und last but not least: das sehr engagierte Gateway-ESC-Team. Alle ziehen an einem Strang.
DIE WIRTSCHAFT: Gibt es Fakultäten, die ein größeres Gründungspotenzial bieten als andere?
Marc Kley: Das Idealbild wäre, dass alle Bereiche ähnlich viele Gründungen hervorbringen – und die Mischung ist durchaus gegeben. Dennoch kommen die meisten Gründungsideen klassischerweise aus der WiSo-Fakultät. Wir haben festgestellt, dass die Art der Ansprache ganz entscheidend ist, um Studierende aller Fakultäten zu erreichen. Mit BWL-Studierenden kann man anders über das Thema sprechen als mit Studierenden aus geisteswissenschaftlichen oder medizinischen Fächern. Wir haben dafür qualifizierte Leute. Wir halten zudem in allen Fakultäten Vorlesungen zum Thema Entrepreneurship. Das zahlt sich aus. Vor allem die Bereiche Life-Sciences, medizinische Forschung oder Biologie bringen immer mehr Gründungen hervor. Was es zudem immer häufiger gibt, sind Impact-Gründungen, sprich Geschäftsideen, die gesellschaftliche Mehrwerte generieren sollen. Natürlich immer verbunden mit der Frage, wie man daraus ein nachhaltiges Geschäftsmodell baut.
DIE WIRTSCHAFT: Sie haben die Räumlichkeiten im Hinterhof in Köln-Sülz erwähnt. Heute verfügt das Gateway ESC über ein eigenes, hochmodernes Gebäude. Wie kam es dazu?
Marc Kley: Letztendlich hatten wir einfach Glück. Die Uni Köln hat eine Großspende von einem Alumnus erhalten, der erfolgreich im internationalen Immobiliengeschäft tätig ist, damit auf dem Campus ein Innovations- und Gründungszentrum gebaut werden kann: der InnoDom Cologne. Für uns und unsere Studierenden ist das natürlich großartig.
DIE WIRTSCHAFT: Das Gateway ESC hat über 150 Gründungsteams betreut. Welche Projekte haben Sie am meisten beeindruckt?
Marc Kley: Begeistert haben mich viele, aber selbstverständlich gibt es immer welche, die einem besonders in Erinnerung bleiben. Mit fällt z. B. Detechgene ein, die Schnelltests zur Detektion von Infektionserregern entwickelt haben. Ein anderes Beispiel ist Vytal, ein digitales Mehrwegsystem für Take-away-Essen, das auch im Rahmen des TV-Formats „Höhle der Löwen“ ein Investment bekommen hat. Zudem erwähne ich gerne Socialbnb, die eine Online-Plattform bieten, auf der sich Reisende mit sozialen und ökologischen Projekten oder social Businesses in der ganzen Welt verbinden können, z. B. um Schlafplätze oder Räumlichkeiten zu nutzen. Auch Equaly ist spannend: Das Tool unterstützt Paare bei Themen wie der Alltagsorganisation oder der gleichberechtigten Verteilung der Kinderbetreuung. All diese Beispiele machen deutlich, welches große Gründungspotenzial an Unis und Hochschulen schlummert.
DIE WIRTSCHAFT: Was zeichnet den Gründungsstandort Köln in Ihren Augen aus?
Marc Kley: Der Vorteil, den Köln gegenüber anderen Städten hat, ist die große Anzahl an Hochschulen und somit an Studierenden. Wir können auf einen umfangreichen Talent-Pool zurückgreifen, was sich positiv auf die Qualität und Quantität der Gründungsideen auswirkt. Ein entscheidender Vorteil ist auch die Nähe zum Markt. Die Unternehmensdichte in und um Köln ist sehr hoch, darunter sind viele Hidden Champions und Dax-Konzerne. Somit gibt es ein großes Potenzial, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen. Davon profitieren wir als Gateway ESC sehr.
DIE WIRTSCHAFT: Was sind Ihre nächsten Ziele?
Marc Kley: Wir haben im Rahmen des vom Bund ausgeschriebenen Förderprogramms „Startup Factories“ ein Konzept eingereicht und dafür bereits die Gateway Factory GmbH gegründet. Beteiligt sind neben uns und den anderen Kölner Gateway-Hochschulen auch die RWTH Aachen und die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Dadurch können wir künftig über die Marktreife hinaus bei der Skalierung und Internationalisierung unterstützen. Langfristig wollen wir es insbesondere durch die Gründung der Factory schaffen, ein europäischer Deeptech-Hub zu werden, und noch viel mehr Unternehmen für die Zusammenarbeit mit unseren Gründungsteams begeistern. Gateway kann einen weitreichenden Zugang zu Innovation und Talenten schaffen. Es wäre toll, wenn noch mehr Unternehmen dieses Potenzial ausschöpfen.
DIE WIRTSCHAFT: Herr Kley, danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.
