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Startups der Region: DIE WIRTSCHAFT KÖLN stellt Jungunternehmer vor

DIE WIRTSCHAFT KÖLN hat einige Jungunternehmer aus der Kölner Region besucht und ihre Startup-Ideen genauer unter die Lupe genommen. copyright: Envato / Prostock-studio
DIE WIRTSCHAFT KÖLN hat einige Jungunternehmer aus der Kölner Region besucht und ihre Startup-Ideen genauer unter die Lupe genommen.
copyright: Envato / Prostock-studio

Am Anfang steht eine Vision. Am Ende vielleicht ein florierendes eigenes Unternehmen. Doch der Weg zur Gründung eines erfolgreichen eigenen Unternehmens ist mitunter lang. DIE WIRTSCHAFT KÖLN hat einige Jungunternehmer aus der Kölner Region besucht und ihre Startup-Ideen genauer unter die Lupe genommen.

Ein Kaugummi ohne schädliche Zusatzstoffe, eine transportable Biogasanlage für eine autarke Stromversorgung oder Upcycling-Motive für Ikea-Kindermöbel und ein Wok, der ohne Strom kocht – die Ideen klingen manchmal so einfach und sind doch etwas ganz Besonderes.

Doch eine Idee allein reicht noch nicht aus, um mit seinem Produkt oder seiner Dienstleistung an den Markt zu gehen. Oft fehlt das nötige Kleingeld, um in die Fertigung zu gehen, oder strategische Partner, um die Vermarktung anzukurbeln. Während die einen den Weg übers Fernsehen wählen, um Investoren zu finden, versuchen es andere über Crowdfunding-Plattformen wie Startnext. Manchmal geht es aber auch ganz ohne Geldgeber.

Stromversorgung für Afrika: (B)Energy

Auf dem Gelände des NeuLand-Gartens hat Katrin Pütz ein Testfeld für ihre mobile Biogasanlage gefunden. copyright: Susanne Wächter
Auf dem Gelände des NeuLand-Gartens hat Katrin Pütz ein Testfeld für ihre mobile Biogasanlage gefunden.
copyright: Susanne Wächter

Katrin Pütz etwa startete ihr Social Business ganz ohne Investoren und Kredite. “Ich habe (B)energy mit wenig Erspartem, das ich für meinen Lebensunterhalt verwendet habe, plus eine kleine monatliche Unterstützung der Firma, die meine Produkte produzierte, während ich in Äthiopien lebte, begonnen”, erzählt Pütz. Die Investitionen für den Aufbau der Produktion habe sie durch den Gewinn des Empowering people Award der Siemensstiftung, der mit 5.000 Euro dotiert war, bestreiten können. Alles Weitere habe sie sich direkt erarbeitet.

Eine Biogasanlage zum Tragen

Die studierte Umweltwissenschaftlerin und Agrartechnikerin von der Universität Hohenheim baute ein Netz mobiler Biogasanlagen auf. Bislang nur für den afrikanischen Raum, doch denkbar wäre ein solches kleines Kraftwerk auch für den eigenen Haushalt im Keller des eigenen Hauses. Bislang aber reine Theorie, denn ihre Biogasanlage, die in die Erde eingelassen wird und aus Schlauchsystemen sowie einem großen Kunststoffsack besteht, ist ausschließlich für den ländlichen afrikanischen Raum konzipiert. In Häusern nämlich müsste die Anlage anders aufgebaut sein. Und sie ist für Deutschland nicht zugelassen.

Schlicht und doch ausgeklügelt

So schlicht die Biogasanlage aussieht, so ausgeklügelt ist das System. So gibt es eine App, mit deren Hilfe der Vertrieb der Anlagen im afrikanischen Raum funktioniert. Die Nutzer registrieren sich, geben jeden Schritt des Anlagenaufbaus ein, machen Bilder von den Aufbauschritten und erhalten bei Problemen direkt Feedback. Zusätzlich erfährt Pütz, wo in welcher Region ihre Anlagen aufgebaut und genutzt werden.

Seit Sommer letzten Jahres hat sie in Köln ein Lehrfeld für potenzielle Kunden auf dem Gelände des Urban-Gardening-Projekts NeuLand. Denn um ihr Projekt greifbarer zu machen, benötigte sie eine Fläche, auf der sie eine solche Mini-Anlage in die Erde bauen konnte. Gar nicht so einfach in einer Großstadt wie Köln.

Unbegrenztes und stromloses Kochvergnügen: DeWok

De Wok bietet ein geselliges Essen mit Freunden, ganz ohne Strom. copyright: De Wok
De Wok bietet ein geselliges Essen mit Freunden, ganz ohne Strom.
copyright: De Wok

Manchmal sind es Zufälle, die zu einem neuen Produkt führen. So zumindest war es bei Steve Müller. Der freiberuflich arbeitende Maschinenbauingenieur war viel im Ausland unterwegs, auch als er mit einem guten Freund skypte, während er in Asien beruflich zu tun hatte. “Er ärgerte sich, dass in der Vorweihnachtszeit jeder zum Raclette oder Fondue einlud. Das sei auf Dauer langweilig. Ich sei doch Ingenieur und solle mal was Neues entwickeln”, erzählt Müller. Ein Auftrag, den er durchaus ernst nahm, erst aus reinem Spaß am Entwickeln, dann wurde es immer ernster. “Noch in derselben Nacht machte ich mir Gedanken und fing an mit den ersten Skizzen. Nach endlosen Stunden des Zeichnens, Rechnens und Ausprobierens war der Prototyp auf dem Papier fertig”, erinnert sich Müller.

Aus der Garage zum eigenen Unternehmen

Nicht nur Bill Gates tüftelte in der Garage. Solche Anfangsgeschichten gibt es auch in Köln. Nur der Ausgang ist bei Steve Müller noch offen. In der heimischen Garage baute Müller erste Prototypen eines Woks, der allerdings nicht für den Herd gedacht ist, sondern ganz ohne Strom auskommt. Drei Jahre feilte Müller an seiner Idee. Herausgekommen ist ein innovatives und mobiles Tischkochgerät aus hochwertigen Materialien wie Edelstahl und Granit: ein mobiler Wok. DeWok hat er es genannt oder wie Müller erklärt, war es seine Frau, die sich der rheinischen Mundart bediente und spontan meinte, das ist DeWok.

Was sich ein bisschen anhört wie ein ganz normaler Kochtopf, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als echtes Designerstück mit dem Clou, dass es überall aufgestellt werden kann, im Park, auf der Terrasse, im Garten und eben auch am Esstisch. Müller hat sein Gerät vom TÜV prüfen und seine Idee patentieren lassen. “Ich habe einen hohen Anspruch an mein Produkt. Es darf nicht nur den Zusatz made in germany tragen, es muss auch qualitativ sehr gut sein.”

Zeitgeist einer gesunden und bewussten Ernährung

Das Aussehen und die Mobilität des kleinen Tisch-Woks ist die eine Sache, die Zubereitung der Speisen mit einer Temperatur, die die Qualität der Lebensmittel nicht mindert, sondern hervorhebt, weil vom Gemüse die Vitamine erhalten bleiben, Fleisch seinen Geschmack behält und nichts verkocht, die Andere. “DeWok” trifft den Zeitgeist einer gesunden und bewussten Ernährung. Seit dem 1. September 2019 vertreibt Müller ihn auf seiner Internetseite. Im November letzten Jahres präsemtierte er den Wok außerdem auf der Eat and Style Messe in Düsseldorf mit einem Koch, der vor Ort verschiedene Speisen zubereitete und zur Verköstigung anbot. “Wir haben festgestellt, dass man unser Produkt erleben muss”, sagt Müller dazu.

Bislang hat Müller alles selbst gestemmt. Etwa 100.000 Euro eigene Ersparnisse sind bereits ins Projekt geflossen, jetzt ist er für den weiteren Ausbau auf der Suche nach einer strategischen Partnerschaft. Hierfür setzt er unter anderen auf die TV-Sendung Höhle der Löwen. Wenn er Glück hat, ist er in der nächsten Staffel dabei. “Meine Bewerbung liegt bei denen auf dem Tisch”, sagt Müller. Und auch eine Ausweitung der Produktpalette ist bereits in Planung. So soll es einen Windschutz für den Brenner geben, Brennpasten und Rezepte. Er hat noch viel vor, schließlich steht sein kleines eigenes Unternehmen noch ganz am Anfang.

Ein Kaugummi ohne Plastik: Forest Gum

Sieht aus wie Kaugummi und ist Kaugummi, vor allem aber ohne unnatürliche Zusatzstoffe. copyright: Forest Gum
Sieht aus wie Kaugummi und ist Kaugummi, vor allem aber ohne unnatürliche Zusatzstoffe.
copyright: Forest Gum

Eigentlich sollte dies selbstverständlich sein, doch viele Lebensmittel enthalten Plastikpartikel und chemische Zusätze. Beim Kaugummi ist dies nicht anders. “Kaum ein Kaugummikauer weiß, womit er es wirklich zu tun hat”, sagt Thomas Krämer. Doch im Grunde ist es Plastik, das sich auf der Zutatenliste herkömmlicher Produkte unter dem Begriff “Kaumasse” verbirgt. Aus chemischer Sicht ist es die gleiche synthetische Basis wie die von Autoreifen oder Kunststoffflaschen. Neben der Tatsache, dass dies eine nicht besonders appetitliche Vorstellung ist, kommt hinzu, dass Kaugummis so erheblich zur Umweltverschmutzung beitragen und Jahrhunderte brauchen, um zu verrotten.

Chicle-Saft ist das Geheimnis

Krämer erfand einen Kaugummi aus Chicle-Saft, vom in Mittelamerika verbreiteten Breiapfelbaum. Schon die Mayas nutzten ihn. Der studierte Betriebswirt ist ein großer Waldfan – vielleicht, weil er dort als Kind der Eifel viel Zeit verbracht hat. Oder wegen seines Masterstudiums an der forstwirtschaftlichen Fakultät der TU München. Auf den Saft des Breiapfelbaums kam er schon während des Studiums. Mit einigen Erfahrungen in der Welt des Social Business – erst bei Viva con Agua, zuletzt als Geschäftsführer bei Lemonaid, einer fairen Limonade aus Hamburg-Sankt-Pauli – startet Thomas Krämer mit seinem eigenen Business in Köln, das er Forest Gum nennt.

Mit Crowdfunding zum eigenen Startup

Auf der Plattform Startnext kurbelte er eine Crowdfunding-Kampagne an. 40.000 Euro kamen auf diese Weise zusammen. Mit der Produktion werden aber auch die Menschen vor Ort neue Einkommensquellen erhalten. Die Produktion des Kaugummis selbst ist nachhaltig, das war Krämer und seiner Geschäftspartnerin und Marketingprofi Maren Haverkamp wichtig. So nehmen die Bäume bei der “Ernte” des Saftes keinen Schaden und das zweitgrößte Waldgebiet Zentralamerikas kann langfristig erhalten werden.

Mit dem Geld aus dem Crowdfunding finanzierten Thomas Krämer und seine Geschäftspartnerin die erste Kaugummi-Produktion. Die Produkte sind nun fertig und seit November 2019 online unter anderem über die Plattform für nachhaltigen Konsum GoodBuy zu kaufen.

Natürlich soll Forest Gum breiter gestreut werden. “Wir sprechen gerade mit verschiedenen potenziellen Partnern und suchen weitere für den Verkauf der Produkte. Es gibt schon tolle Kooperationen. Wir starten zum Beispiel mit dem Studentenwerk in Köln und möchten darauf aufbauen”, sagt Krämer, der erst mal “superhappy” ist, dass das erste Minzkaugummi nun an den Start gegangen ist. “Das war schon ein weiter Weg”, so Krämer. Weitere Sorten soll es in Zukunft aber auch geben.

Skandinavisches Design und Upcycling: Limmaland

Die beiden Damen von Limmaland, Rabea Knippscheer und Stefanie Gärtner (v.l.), gründeten ihr eigenes Unternehmen eher per Zufall. copyright: Limma Land
Die beiden Damen von Limmaland, Rabea Knippscheer und Stefanie Gärtner (v.l.), gründeten ihr eigenes Unternehmen eher per Zufall.
copyright: Limma Land

Nachhaltigkeit ist auch Rabea Knippscheer und Stefanie Gärtner wichtig. Die beiden Frauen entwerfen und verkaufen Klebefolien für Ikea-Möbel. Limmaland haben sie das eigene Unternehmen genannt. Klingt ein bisschen wie Lummerland, hat mit Letzterem aber nicht viel zu tun. Limma heißt auf Schwedisch kleben, da lag die Namensgebung nahe.

Die beiden Frauen, die zuvor im Marketing und in der Produktion sowie Logistik verschiedener Firmen gearbeitet haben, zuletzt bei der Deutschen Telekom und Procter und Gamble, kennen sich schon lang. Damals befanden sie sich beide in einer Auszeit, in einer “Findungsphase”, wie sie sagen. Ihren Arbeitgebern haben sie 2014 den Rücken gekehrt. Mit der Selbstständigkeit haben sie eigentlich nie geliebäugelt. “Es war eher Zufall, dass wir unser eigenes Unternehmen gegründet haben”, sagt Knippscheer.

Oft sei im Freundeskreis darüber diskutiert worden, wie man alte oder langweilig gewordene Möbelstücke aufpeppen könnte, besonders in Kinderzimmern. Viele hätten zwar eine kreative Ader, aber nicht die Zeit, sich hinzusetzen. Sie schwärmten von den Blogs und Zeitschriften mit Do-it-yourself-Ideen. Besonders für Ikea-Möbel. Es entwickelte sich eine Eigendynamik, wie die beiden Frauen erzählen. Limmaland nahm seinen Anfang. Ganz ohne externe Geldgeber, sondern aus dem Ersparten der beiden Gründerinnen. Später finanzierten sie sich aus dem Wachstum. Bislang hat es funktioniert, dass sie alles selbst in die Hand nehmen können. “Wir haben viele Jahre in großen Firmen unsere Erfahrungen sammeln können”, sagt Gärtner.

Startup-Idee: Ikea-Hacks für das Kinderzimmer

Obwohl die beiden Frauen aus dem kaufmännischen Sektor kommen, haben sie selbst durchaus eine kreative Ader, wie sie sagen, und arbeiten mit professionellen Designern für ihre Produkte zusammen. Möbel durch Klebefolien aufzupeppen, sie langlebiger zu machen, weil sie auf diese Weise verändert werden können, ohne langweilig auszusehen, lag ihnen von Anfang an. Ihre Ikea-Hacks, wie das Aufmöbeln von Ikea-Möbeln genannt wird, sind für die beiden Frauen auch eine Form der Nachhaltigkeit. Denn Kindermöbel wachsen auf diese Weise funktional mit und müssen, nur weil die Kinder aus den kindlichen Designs herausgewachsen sind, nicht gleich als Sperrmüll entsorgt werden.

Kreativität statt 08/15-Design

“Wir glauben, dass die Welt für Kinder nicht bunt und abenteuerlich genug sein kann. Besonders faszinierend finden wir kreative Upcycling-Projekte, die vorhandene Möbelstücke in spannende Spielwelten umgestalten”, heißt es auf der Firmenwebseite. Da erhalten Schränke, Kommoden oder Tische lustige Gesichter, Spielflächen oder eine ganz andere Farbe. Das Billy-Regal wird zum Kaufmannsladen oder die Malm-Kommode zum Puppenherd. Kreativ statt 08/15. Immer neue Designs kommen hinzu.

Auch zukünftig wollen Knippscheer und Gärtner sich auf Kinderwelten fokussieren, denn damit haben sie eine Nische besetzt. Ihr Ziel ist es, der Spezialist für Ikea-Hacking zu werden. Und damit sind sie mit ihrem Start-up offenbar auf dem besten Weg. Längst ist ihr kleines eigene Unternehmen gewachsen. Nach fünf Jahren zählen sie drei Festangestellte. Dazu kommen Freelancer, Werkstudenten und diejenigen, die sie mit der Produktion und Distribution ihrer nachhaltigen und ökologischen Klebefolien beschäftigen. Und Limmaland will weiterwachsen. Es gebe noch genug Potenzial in der Branche.

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