So geht Netzwerken

Dann klappt’s auch, wenn es drauf ankommt

by Diana Pohl

Neulich war ich auf einer Netzwerk-Veranstaltung in Berlin. Mich lächelte ein Teilnehmer an. In meinem Kopf ratterte es und ich überlegte, woher ich diese Person wohl kennen könnte. Ich bin auf den Gast zugegangen und fragte: „Sagen Sie, kennen wir uns irgendwoher?“ Und er antwortete, „Jetzt schon!“, und grinste ein bisschen verschmitzt.

Die Antwort fand ich ziemlich smart! Wir haben uns sehr angeregt ausgetauscht und mittlerweile schon ein gemeinsames Projekt gemacht. Er kam zu mir ins TV-Studio zu meinem Talkformat „No Risk No Chance“ und hat über sein Business gesprochen.
Solche Begegnungen zeigen, worum es beim Netzwerken wirklich geht: sich offen begegnen, zuhören, Interesse zeigen.

Die Qualität wirklicher Begegnungen

Besonders beeindruckt hat mich kürzlich ein exklusives Netzwerktreffen in Köln mit acht neuen Teilnehmenden. Kein wildes Herumstehen, kein oberflächlicher Small Talk. Stattdessen: strukturierte Speedmeetings, jeweils zehn Minuten im direkten Zweier-Gespräch, dann ging’s weiter zum nächsten Gesprächspartner.

Was ich besonders schön fand: Für jedes Gegenüber gab es ein kleines Kästchen, in das jeder anonym oder mit Namen aufschrieb, was er besonders geschätzt hat an der jeweiligen Person. Als ich meine Komplimente später zu Hause gelesen habe, war ich echt berührt. So entsteht Verbindung, die über das Übliche hinausgeht.

Nicht jede Veranstaltung funktioniert auf diese Weise. Es gibt Runden, in denen zehn Kontakte entstehen, aber kein einziger bleibt hängen. Entscheidend ist, ob man sich wirklich begegnet oder nur austauscht, was man beruflich „macht“. Das gehört natürlich zum Netzwerken dazu, sollte meiner Meinung nach aber auf jeden Fall darüber hinausgehen.

Ich habe über die Jahre viele Formate ausprobiert. Manche passen sofort, andere entwickeln sich mit der Zeit und dann gibt es Netzwerke, da weiß ich schnell: Das passt einfach nicht.
Gerade dann, wenn wir in ungewohnten Kontexten unterwegs sind, kann viel entstehen. Ich war als Germanistin schon in Runden mit Handwerkerinnen, mit Start-up-Gründern oder KI-Entwicklern und genau dort habe ich oft sehr spannenden Input bekommen.

Netzwerken ist Beziehungsarbeit

Für mich ist es wichtig, auch mal raus aus der eigenen Bubble zu kommen, denn Netzwerken heißt auch, die eigene Komfortzone zu verlassen und andere Perspektiven zuzulassen. Wer sich immer nur im Kreis dreht, wird nicht um die Ecke denken.

Ich nutze mein Netzwerk ganz bewusst: wenn ich feststecke, einen Impuls brauche, jemanden weiterempfehlen möchte oder einfach eine andere Sichtweise hören will. Im Gegenzug helfe ich ebenso oft zurück. Das ist für mich selbstverständlich. Netzwerken ist keine Einbahnstraße.
Nicht jede Begegnung bringt sofort einen Auftrag und manchmal entsteht etwas, das viel wertvoller ist: Verbindung, Vertrauen, Zusammenarbeit, die später Früchte tragen. Netzwerken ist Beziehungsarbeit – kein schneller Deal.

Es sind häufig die unerwarteten Begegnungen, die am meisten bewegen. Menschen, die man nie gezielt gesucht hätte, die dann aber bleiben. Das ist das wahre Potenzial eines guten Netzwerks: Es überrascht und bringt uns auf neue Ideen.

Hier mein kleines 1 x 1 für gelingendes Netzwerken

  • Verbindung statt Visitenkarte: Es zählt nicht, wie viele Kontakte man hat, sondern wie gut man sich kennt. Erst Tiefe schafft Vertrauen.
  • Verlässlichkeit statt Versprechen: Ein starkes Netzwerk zeigt sich dann, wenn es darauf ankommt. Wenn jemand da ist, der dich und deine Arbeit ernst nimmt.
  • Geben kommt vor Nehmen: Wer nur an sich denkt, bleibt oft allein. Wer unterstützt, wird selbst unterstützt. Oft ganz unerwartet, aber genau zur richtigen Zeit.
  • Respekt auf Augenhöhe: Ob Führungskraft, Freelancerin oder Quereinsteiger – wer zuhört, ernst nimmt und ehrlich ist, wird auch ernst genommen.
  • Vertrauen statt Verkaufsdruck: Niemand will auf Netzwerkveranstaltungen überrollt werden. Gute Netzwerker überzeugen durch Substanz, nicht durch Lautstärke.

Netzwerken lohnt sich – immer. Aber es braucht Haltung, ein bisschen Geduld und den Mut, auf andere zuzugehen, so wie ich auf den Gast, der mich so sympathisch anlächelte.

Gastautorin Swantje
Freifrau von Massenbach von der
www.medienakademiekoeln.de

 

Bildquellen

  • Swantje Freifrau von Massenbach Selfie: Gülten Hamidanoglu

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