Interview: Performance Marketing in der Legal-Tech-Branche – warum hier andere Gesetze gelten

Im Gespräch mit Sven Nührig, Gründer und CEO von Le Turbo Digital

by Diana Pohl
Sven Nührig, Legal Tech Experte

Redaktion:
Herr Nührig, Performance Marketing gilt ohnehin als datengetrieben und komplex – aber in der Legal-Tech-Branche scheint es noch einmal ganz andere Herausforderungen zu geben. Warum?

Sven Nührig:
Das stimmt absolut. Legal Tech ist eine Branche, in der Vertrauen, Verantwortung und Präzision an erster Stelle stehen – und genau das macht sie marketingtechnisch so anspruchsvoll. Hier geht es nicht um den schnellen Kauf, sondern um rechtlich sensible Entscheidungen.
Ein Klick kann bedeuten, dass jemand seine Rechtsansprüche prüft, Mandatsdaten eingibt oder sensible Dokumente übermittelt.

Das heißt: Performance Marketing im Legal-Tech-Bereich muss juristische Seriosität mit digitaler Effizienz verbinden.
Wir müssen einerseits technisch auf höchstem Niveau arbeiten, andererseits immer den rechtlichen Rahmen respektieren – von Datenschutz bis Wettbewerbsrecht. Diese Kombination verlangt ein extrem sauberes, analytisches und verantwortungsvolles Vorgehen.

Redaktion:
Was sind typische Fehler, die Unternehmen oder Agenturen machen, wenn sie versuchen, Legal-Tech-Angebote zu bewerben?

Sven Nührig:
Viele unterschätzen die psychologische Hürde, die Menschen haben, wenn es um Rechtsfragen geht.
Das Vertrauen in ein digitales Rechtsprodukt entsteht nicht durch bunte Ads, sondern durch Relevanz, Kompetenz und Transparenz.

Ein klassischer Fehler ist also, mit E-Commerce-Methoden an juristische Zielgruppen heranzugehen: zu aggressiv, zu emotional, zu wenig Kontext.
Das Ergebnis: hohe Klickkosten, aber kaum qualifizierte Leads.

Bei Le Turbo Digital arbeiten wir deshalb mit einer ganz eigenen Funnel-Architektur, die auf juristische Entscheidungsprozesse abgestimmt ist.
Unsere Funnels kombinieren educational Content, Soft-Trust-Elemente wie Gütesiegel oder Expertenzitate und ein starkes, aber glaubwürdiges Conversion-Design.

Man muss verstehen: Hier gewinnt nicht der Lauteste, sondern der Präziseste.

Redaktion:
Das klingt sehr methodisch. Was unterscheidet Ihre Herangehensweise konkret von anderen Performance-Agenturen?

Sven Nührig:
Wir sind extrem analytisch und iterativ.
Das bedeutet, wir testen, messen und optimieren in sehr kurzen Zyklen – und zwar nicht nur Creatives oder Headlines, sondern ganze Hypothesen.

Wir fragen uns ständig: Wie denkt jemand, der gerade ein rechtliches Problem hat? Welche Emotionen, welche Unsicherheiten steuern sein Verhalten online? Daraus entwickeln wir datenbasierte Szenarien, die wir in echten Performance-Loops validieren.

Unsere Stärke liegt also nicht in der Theorie, sondern in der Empirie: Wir wissen aus Tausenden Datenpunkten, welche Botschaften funktionieren – und welche Reibung erzeugen.

Diese präzise, forschungsartige Herangehensweise ist Teil unserer DNA. Manche nennen es Marketing. Wir nennen es angewandte Psychologie mit Datenunterstützung.

Redaktion:
Sie haben selbst jahrelang in der Legal- und Legal-Tech-Welt gearbeitet. Wie stark prägt dieses Know-how Ihre Arbeit heute?

Sven Nührig:
Enorm. Ich kenne die juristische Denke, ich weiß, wie Kanzleien, Prozessfinanzierer oder Legal-Tech-Anbieter ticken.
Das hilft uns, nicht nur Marketingkampagnen zu bauen, sondern Branchenkontexte zu verstehen – also: was darf man sagen, was nicht? Welche Argumente überzeugen Juristen tatsächlich?

Das ist der Grund, warum wir von vielen Legal-Tech-Unternehmen beauftragt werden, die vorher mit klassischen Agenturen gearbeitet haben – und gemerkt haben: „Die verstehen unser Produkt einfach nicht.“

Bei uns sprechen Juristen und Marketer dieselbe Sprache. Und genau das führt am Ende zu Ergebnissen, die sowohl rechtlich sauber als auch wirtschaftlich stark sind.

Redaktion:
Können Sie uns ein Beispiel nennen, wo dieser Ansatz besonders sichtbar wurde?

Sven Nührig:
Ein gutes Beispiel ist eine Kampagne für einen Legal-Tech-Anbieter im Bereich Arbeitnehmerrechte. Das Ziel war, mehr qualifizierte Anspruchsprüfungen zu generieren.

Wir haben den kompletten Funnel neu aufgebaut – vom semantischen Keyword-Cluster über die Landingpages bis hin zum Retargeting – und jeden Schritt datenbasiert optimiert.  Das Ergebnis: eine Steigerung der Conversion Rate um 380 % und gleichzeitig eine Senkung des Cost per Lead um über 40 %.

Das Entscheidende war: Wir haben nicht einfach mehr Budget investiert, sondern die Kommunikation intelligent rekonstruiert.
Wir haben verstanden, dass der Nutzer nicht auf Paragraphen reagiert, sondern auf den Wunsch nach Gerechtigkeit.
Das war der Gamechanger.

Redaktion:
Sie sprechen oft von einem „iterativen Prozess“. Wie genau läuft dieser bei Le Turbo Digital ab?

Sven Nührig:
Wir arbeiten in sogenannten Turbo-Loops – kurzen, datengetriebenen Zyklen aus Hypothese, Test, Messung und Optimierung.
Jeder Loop dauert meist nur wenige Tage.
Nach jedem Zyklus wird auf Basis der Ergebnisse neu justiert.

Dieser Prozess erlaubt uns, nicht zu schätzen, sondern zu wissen, was funktioniert.
Das unterscheidet uns massiv von klassischen Agenturmodellen, die monatelang eine Kampagne planen und dann hoffen, dass sie performt.

Wir sind schneller, datengetriebener und radikal messbar. Das ist letztlich der Grund, warum wir auch in sensiblen Branchen wie Legal Tech konstant Ergebnisse liefern, die weit über dem Branchenschnitt liegen.

Redaktion:
Wie stellen Sie sicher, dass Sie im Legal-Tech-Bereich immer auf dem neuesten Stand bleiben?

Sven Nührig:
Das ist für uns zentral. Wir beschäftigen uns täglich mit den Entwicklungen der Legal-Tech-Branche, lesen Fachbeiträge, Whitepaper und juristische Analysen, führen Gespräche mit Kanzleien und Start-ups – und sind regelmäßig auf Events, Konferenzen und Messen unterwegs.

Ein Highlight ist jedes Jahr der German Legal Tech Summit, auf dem wir uns mit führenden Köpfen der Branche austauschen und Trends aus erster Hand aufnehmen.

Diese kontinuierliche Lern- und Austauschkultur sorgt dafür, dass wir nicht nur am Puls der Zeit sind – sondern ihn oft selbst mitbestimmen.

Redaktion:
Und was bedeutet das für die Zukunft des Legal-Tech-Marketings allgemein?

Sven Nührig:
Ich glaube, Legal Tech wird in den nächsten Jahren noch stärker professionalisiert – auch im Marketing.
Die Zeit der experimentellen „wir probieren mal Google Ads“-Phasen ist vorbei.
Unternehmen wollen messbares Wachstum, aber sie wissen: Das geht nur mit Expertise, Empathie und exakter Methodik.

Unser Ziel bei Le Turbo Digital ist es, Performance Marketing zum verlässlichen Wachstumspartner dieser Branche zu machen – mit Respekt vor Recht, Daten und Menschen. Denn das ist die einzige Kombination, die langfristig funktioniert.

Redaktion:
Herr Nührig, vielen Dank für das Gespräch.

 

Hinweis: Einen passenden Legal Tech Case hat LeTurbo Digital hier veröffentlicht

https://www.leturbo.de/case-studies/case-study-legal-tech-1

Bildquellen

  • Sven Nührig, Legal Tech Experte: Le Turbo Digital

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